Und Coco strahlt wie eine Discokugel

Und Coco strahlt wie eine Discokugel

Platinblond, vielfarbig und mit jeder Menge Glanz und Glamour präsentiert sie die Show „QNe richtige Frau werd’ ich nie“.

Wuppertal. Es ist eine typisch weibliche Schwäche, die Männer nur schwer ertragen: Sie stylt sich Stunden vor dem Spiegel - und verspätet sich. Coco la Fontaine ist nicht anders. Aber das macht nichts: Auf die Diva mit der platinblonden Frisur à la Marilyn Monroe wartet der Gast gerne ein paar Minuten länger.

Als sie an diesem Freitagabend mit silbernen Pumps auf die Bühne stakst, trägt sie ein mit Pailletten verziertes Kleid, das so strahlt wie die Discokugel an der Decke. Schreiend pink die Farbe des Lidschattens, knallrot geschminkte Lippen. Das passt farblich nur mehr oder weniger zur orangen Federboa. Aber Coco kann es tragen - sie hat das, was man Aura nennt: aus Glanz, Glamour, und Chichi schafft sie Illusion.

"’Ne richtige Frau werd’ ich nie", nennt Coco la Fontaine, die eigentlich ein Mann ist, ihr Programm der "Travestie-Comedy- Gala", das sie in der "Marlene", präsentiert. Mal ziert und geniert sie sich, mal ist sie frech und frivol.

Politische Korrektheit hat bei ihr keinen Platz - und schon gar nicht Prüderie. Sie gibt sich voll dem weiblichen Laser hin. Sie lästert - garniert mit Satire, Selbstironie und zweideutigen Wortspielen. Und dabei fällt Coco auch schon einmal eine Feder aus dem Fächer.

Da lehnt sie am Flügel, mitten im Satz nippt sie am Glas voll Wasser. Dann erzählt sie, wie sehr sie ihr Liebling unter den Prominenten Udo Jürgens enttäuscht hat. Was sagte er? "Frauen ab 40 Jahren haben nichts mehr vom Leben zu erwarten".Wie bitte? Coco ist fassungslos.

Klatsch und Tratsch über Uschi Glas, Jenny Elvers und Dieter Bohlen bis hin zu Heidi Klum, Steffi Graf und Karl (M)agerfeld, pardon Lagerfeld, und "Bundesmutter Angie" serviert sie prickelnd und vergnüglich wie einen Schluck Champagner.

Temporeich trägt Coco das vor und spricht dabei so schnell, säuselnd und leise. Und dann brilliert sie bei gehaltvollen Liedern, wie etwa "Kann denn Liede Sünde sein". Sie scheut den Vergleich mit den großen Diven, wie Hildegard Knef und Zara Leander nicht. Der Grund: Sie weiß, dass sie stimmlich mithalten kann. Sie singt echt.

Wahrhaftig wirkt sie, wie sie mit ihrer Leibesfülle kokettiert. Und wer ist Schuld an den Pfündchen zuviel? Ein Mann. Wer sonst? Das enge Kostüme verbirgt die weiblichen Rundungen dabei bewusst nicht - diese Frau steht dazu. Und wird wohl "nie ’ne richtige Dame", weil sie schon lange eine ist.

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