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Stadtentwicklung : Umzug des Stadtarchivs zur Hastener Straße scheitert an zu hohen Kosten

Stadtentwicklung : Umzug des Stadtarchivs zur Hastener Straße scheitert an zu hohen Kosten

Zum Ende des Jahres war der Umzug des Stadtarchivs von den Haspelhäusern in ein Fabrikgebäude an der Hastener Straße vorgesehen. Die beiden historischen Gebäude an der B 7 sollten dann von der Bergischen Universität bezogen werden.

Doch diese Pläne lassen sich nicht umsetzen, denn der Alternativstandort für das Stadtarchiv in Cronenberg hat sich als ungeeignet herausgestellt. Die Suche muss neu begonnen werden.

Seit Jahren sind die Haspelhäuser ein Sanierungsfall und das nicht nur wegen der unansehnlichen Fassade, die dringend eine Renovierung benötigt. Schon 2016 wollte das Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal (GMW) das Problem im Kern anpacken, aber auf der Prioritätenliste rückte das Stadtarchiv immer weiter nach unten, weil den großen Fördermaßnahmen wie „Gute Schule 2020“ eine höhere Dringlichkeit zugeordnet wurde. Aus Sorge, die Fördermittel könnten verfallen, konzentrierte das GMW viele Kräfte auf den Schulbau. Neue Perspektiven eröffneten sich erst mit der Idee, das Stadtarchiv mit seinen auf einer Regallänge von sieben Kilometern gelagerten Dokumenten an einen neuen Standort zu verlagern. 

Stadt schließt den Umzug
an die Hastener Straße aus

Stadtdirektor Johannes Slawig schließt aus, dass der Plan zum Umzug an die Hastener Straße umsetzbar ist. „Das Gebäude und Gelände an der Hastener Straße gehören der Delphin Vermögensverwaltung und damit einer städtischen Gesellschaft. Das Problem sind die Kosten, die für den Brandschutz und die Beseitigung von Schadstoffen aufgebracht werden müssten“, sagt Johannes Slawig.

Für das Projekt seien Kosten bis zu 1,5 Millionen Euro eingeplant gewesen. Die Bestandsaufnahme habe ergeben, dass der Umbau weit teurer würde. „Da ich ausschließe, dass die Stadt die vor der Auflösung stehende Delphin Vermögensverwaltung finanziell unterstützen wird, müssen jetzt Alternativlösungen für das Stadtarchiv gesucht werden“, so der Stadtdirektor.

Die Delphin hatte die Werkzeugfirma Belzer gekauft, um diese in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage zu entlasten. Doch die Rettung des Betriebes gelang damals nicht und die Delphin - beziehungsweise die Stadt - blieb auf der Gewerbebrache sitzen. Die Bezirksregierung hat inzwischen die Auflösung der Delphin eingefordert.

Bis auf den Sankt Nimmerleinstag lässt sich die Standortsuche für das Stadtarchiv nicht aufschieben, denn die Stadt hat mit ihren Umzugsplänen Erwartungen geweckt. Für die Bergische Universität böte sich mit dem Einzug in die Haspelhäuser die Möglichkeit, den Campus Haspel um ein repräsentatives Gebäudeensemble zu erweitern. „An dem Raumbedarf der Universität hat sich nichts geändert, und wir haben unverändert Interesse an der Nutzung der Haspel-Häuser“, sagt Jasmine Ait-Djoudi, Pressesprecherin der Bergischen Universität Wuppertal. „Das Konzept für den Campus Haspel ist sehr überzeugend“, lobt Stadtdirektor Slawig.

Der Auszug aus den Haspelhäusern hat begonnen

Das NRW-Kultursekretariat ist bereits im vergangenen Jahr aus dem westlichen der beiden Haspelhäuser zum Döppersberg gezogen. Das Stadtmarketing Wuppertal steht vor dem Umzug ins Barmer Rathaus. Der weitaus größte Brocken ist jedoch der Umzug des Stadtarchivs, das 1981 in dem östlichen der beiden Haspelhäuser eingelagert wurde. Seitdem ist der Bestand an Unterlagen und Dokumenten, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, auf drei Etagen und im Keller kontinuierlich gewachsen - und damit auch das Gewicht, das auf den historischen Mauern lastet.

Der neue Standort muss tragfähige Strukturen aufweisen und sollte, was die Luftfeuchtigkeit angeht, für die Lagerung der wertvollen Relikte der Stadtgeschichte geeignet sein. Die fortschreitende Digitalisierung sorgt dabei nur für eine teilweise Entlastung, denn zahlreiche Dokumente sollen und müssen analog erhalten bleiben.

Um den Erhalt der Haspelhäuser müssen sich die Wuppertaler keine Sorgen machen, auch wenn der abgebröckelte Putz an der Fassade eine andere Sprache spricht. 2013 hatte das GMW anlässlich des Stadtfestes darüber nachgedacht, die äußeren Schäden durch eine Scheinfassade zu verdecken. Insgesamt verfügt das Ensemble aber über eine gute Bausubstanz. Wann die Stadthäuser in neuem Glanz als Teil des Campus Haspel erstrahlen, ist nun aber wieder völlig offen. „Eine Terminzusage kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen“, sagt Johannes Slawig.