Umzug der Stadtwerke Wuppertal: Ein Geschäft zu aller Gunsten

Offen gesagt : Diesmal gibt es nur Gewinner

Sollten die Pläne umgesetzt werden, so eröffnen sich für Barmen neue Chancen.

Sollte es wirklich dazu kommen, dass die Stadtwerke in die Bundesbahndirektion ziehen, dann wäre das, was ein gutes Geschäft sein muss: Es wäre ein Geschäft zum Vorteil aller, die daran beteiligt sind.

Selbst die Barmer könnten doch noch davon profitieren, dass ein paar Kirmesromantiker verhindert haben, dass die WSW ihre neue Zentrale auf dem Carnaper Platz errichten. Der wird nun für etwa zwei Millionen Euro zu einem Parkplatz mit ein paar Buchten für Campingmobile umgebaut, was angesichts der Flächennot in Wuppertal ein immer noch ziemlich schlechter Witz ist.

Aber das Schicksal kartet nicht nach und hat den Barmern, vor allem den Rottern, unter Umständen eine neue kleine Chance geschenkt. Denn wenn die Stadtwerke ihre Zentrale nicht auf dem heute von ihnen genutzten Grundstück an der Schützenstraße bauen müssen, könnte dort innenstadtnahe, wertige Wohnbebauung entstehen, die dem ganzen Stadtteil nützte. Vielleicht ließe sich dort auch Gewerbe ansiedeln. Arbeitsplätze sind in Wuppertal immer noch ein vergleichsweise knappes Gut.

Noch ist das alles Zukunftsmusik. Noch sind die Baupläne der WSW nicht wieder in der Schublade verschwunden. Noch stehen sie in der Pflicht, neu zu bauen, weil die fast 50 Jahre alten Häuser mit PCB belastet sind und die Gesundheit der darin arbeitenden Menschen gefährden. Und die Zeit drängt langsam.

Aber vielleicht funktioniert das ja mit der Bundesbahndirektion. Dann wären auch die Stadtwerke Gewinner. Denn es ist kaum anzunehmen, dass die Mietkosten in der Direktion auf absehbare Zeit Summen verschlingen, wie ein Neubau an der Schützenstraße sie fordert. Für die geplanten 38 Millionen Euro scheint angesichts des anhaltenden Baubooms und der damit verbundenen Mondpreise nicht viel zu machen zu sein. Nicht bestätigten Informationen zufolge lag das günstigste Angebot bei 50 Millionen Euro, und wer weiß, dass es bei öffentlichen Bauvorhaben im Laufe des Werdens gern ein paar Milliönchen mehr sein dürfen, der drückt den WSW nun erst recht alle Daumen. Im übrigen soll das günstigste Angebot auch das einzige gewesen sein.

Sieger wären auch Elberfeld und vor allem der Döppersberg. Mit großer Sicherheit hätte ein Factory-Outlet-Center zwar neue Kunden nach Wuppertal gelockt. Aber wenn es keines geben kann und wenn das Gebäude für Einzelhandel nun einmal nicht taugt, dann ist Verwaltung eine sehr vernünftige Alternative. Die Mitarbeiter der Stadtwerke sind potenziell schließlich auch Kunden des umliegenden Handels und der Gastronomie. Schon allein durch ihre Anwesenheit würden sie das neue Zentrum Wuppertals beleben und bereichern.

Außerdem hat der Eigentümer der Bahndirektion vor Jahren anders als die Stadt Wuppertal ein feines Näschen bewiesen, als er das Objekt für kolportiere sechs Millionen Euro erstand. Wenn es auch mit dem Einkaufsparadies endgültig nichts wird, so wird der Rubel wahrscheinlich trotzdem rollen, und das viele Jahre lang. Es sei Uwe Clees gegönnt, zumal er zu jenen Investoren zu gehören scheint, die flexibel genug sind, alte Pläne über den Haufen zu werfen und sich für neue Ideen zu öffnen.

Und letztlich darf das gesamte Bergische Land jubeln. Bisher wird dasBergische in vielen Fensterreden zwar betont, wenn es aber um Profit geht, gönnt die eine Stadt der anderen das Schwarze unter dem Nagel nicht. Dass in Solingen, Remscheid und Wuppertal Oberbürgermeister mit derselben sozialdemokratischen Gesinnung regieren, hat bisher jedenfalls nur zu Missgunst geführt. Das könnte nun anders werden, wenn Remscheid und Wuppertal ihre gegenseitige und ernüchternd provinzielle Klagerei aufgegeben. Soll Remscheid doch sein Schnäppchenparadies eröffnen, am besten schnell. Es ist schließlich immer noch besser, Wuppertaler Euros fließen nach Remscheid als nach Düsseldorf oder ins FOC in Roermond.

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