Umweltzone: Schärfere Regeln für 3400 Wuppertaler Autos?

Umweltzone: Schärfere Regeln für 3400 Wuppertaler Autos?

Oberbürgermeister Peter Jung war zum Krisengespräch in Düsseldorf.

Wuppertal. Die Wuppertaler Umweltzonen sollen nach Recherchen der WZ zu Beginn des kommenden Jahres verschärft werden. Dies würde bedeuten, dass Autos mit roter Plakette nicht mehr in die Zonen fahren dürfen. Bisher durften nur Autos ohne Plakette nicht in die Umweltzonen. Zudem gab es zahlreiche Ausnahmeregelungen.

Diese gibt es in Zukunft auch für den öffentlichen Personennahverkehr. Sie gelten ein halbes Jahr, wie der Wuppertaler Landtagsabgeordnete Dietmar Bell (SPD) am Donnerstag erklärte. Bell hat nach eigenen Angaben in umfangreichen Gesprächen mit dem Umweltsministerium und der Bezirksregierung erreicht, dass die Wuppertaler Stadtwerke für 80 ihrer Busse eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Wäre dies nicht möglich, hätten die WSW ihr Linien-Angebot massiv einschränken müssen. Insgesamt verfügen die WSW über 260 Busse. In drei Jahren, so Bell, soll die WSW-Flotte komplett umgerüstet sein.

Im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sind 300 Busse vorerst von den schärferen Regeln der Umweltzone befreit. Welche weiteren Ausnahme-Regelungen herrschen, ist weitgehend unklar. Für Handwerker ist indes eine Anschlussregelung gefunden worden. Bis Juni 2011 dürfen diese noch in die Umweltzonen einfahren.

Als Aufsichtsbehörde muss die Düsseldorfer Bezirksregierung die Verschärfung der Umweltzonen veranlassen. Sprecher Bernd Hamacher erklärte: "Bei uns gibt es intern noch keine Entscheidung zu dem Thema."

Am Donnerstagabend ist Oberbürgermeister Peter Jung nach Düsseldorf gefahren und führte ein mehrstündiges Gespräch mit der neuen Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) zu den Umweltzonen. Jung wehrt sich massiv dagegen, dass die Wuppertaler Umweltzonen verschärft werden. Allein in Wuppertal wären 3400 Autos, die mit ihren roten Plaketten derzeit noch in die Zonen fahren dürfen, davon betroffen.

Die Verschärfung der Umweltzonen würde zudem zu paradoxen Ergebnissen führen. In Wuppertal werden die Feinstaubwerte nach Auskunft der Stadt schon jetzt eingehalten, nicht aber die Werte für Stickoxide. Wenn nun mehr Halter ihre Autos mit Partikelfiltern ausrüsten, so die Prognose von Stadtsprecherin Martina Eckermann, werden die Feinstaubwerte auch weiterhin eingehalten - aber die Stickoxide überschreiten die zulässigen Grenzwerte noch stärker als bisher.

Dieses Problem ist auch Bell bekannt, der jedoch erklärt, dass die Stickoxidwerte durch die Euro-6-Norm und Verhaltensänderungen beim Autofahren, etwa durch einen stärkere Nutzung des Nahverkehrs, gesenkt werden müssten. Den Umweltzonen sei es zu verdanken, dass die Feinstaub-Werte in Wuppertal gesenkt wurden, ist er sicher.

Jung sagte indes am Donnerstagabend, dass es Autofahrern nicht zuzumuten sei, erst wenige Wochen vor einer Verschärfung der Umweltzonen von dieser zu erfahren.