Um 18.15 Uhr legte Kyrill Wuppertal lahm

Um 18.15 Uhr legte Kyrill Wuppertal lahm

Am frühen Abend war die Stadt für zehn Minuten ohne Strom. Menschen kamen offenbar nicht zu Schaden.

Wuppertal. Erst gab es ein kurzes Flackern. Um 18.15 Uhr ging in Wuppertal dann erst einmalgar nichts mehr. Weite Teile des Stadtgebietes wurden in gespenstische Dunkelheitgetaucht, die nur durch Blaulichter von Polizei und Feuerwehr durchbrochen wurde.

Der Orkan Kyrill war schuld, dass die Menschen zu Kerzen und Taschenlampen griffen.Klarer Fall: Stromausfall. Die Schwebebahn wurde zwangsläufig außer Betrieb genommen,ein Ersatzverkehr eingerichtet. Nicht nur an den Schwebebahnstationen wartetendie Passagiere. Auch an den Bahnhöfen kam kein Zug mehr - die Bahn hatte den Fernverkehrschon vor dem Stromausfall komplett eingestellt.

Bei Polizei und Feuerwehr liefen die Telefone heiß. Die Sorgen waren angesichtsausgefallener Ampeln und stecken gebliebener Aufzüge groß. Zehn Minuten spätergingen die Lichter wieder an - zuerst die Straßenlaternen. Im Osten der Stadtbeobachteten die Barmer, wie erst der Bezirk Loh, dann Heckinghausen und schließlichauch Wichlinghausen wieder hell wurden.

Grund für den kapitalen Stromausfall: Drei 110 Kilovolt-Leitungen aus Hattingen,Schwelm und Velbert hatten den Geist aufgegeben. Warum, war gestern unklar. Überdrei Ersatzleitungen wurde eine Notversorgung ermöglicht. Im Niederspannungsbereichkämpften nicht nur die Stadtwerker immer wieder mit Stromschwankungen - mehr als40 Techniker waren im Dauereinsatz. Um 18.26 Uhr war das Stromnetz wieder stabil.Um 19.15 Uhr war auch die Schwebebahn wieder unterwegs. Menschen kamen offenbarnicht zu Schaden.

Als das Orkan-Unheil gegen Mittag seinen Lauf nahm, hatte für die Polizei undFeuerwehr ein stundenlanger Dauereinsatz begonnen. Am Nachmittag wurden bereitsmehr als 100 Einsätze gemeldet - umgestürzte Bäume und herabgefallene Dachziegelblockierten dutzende Straßen. Betroffen waren auch diverse Buslinien, vor allemin den Randbezirken. WSW-Sprecher Holger Stephan: "Dort lagen ganze Wälder aufder Straße. Da kommt kein Busfahrer mehr durch."

Für die Wuppertaler Schüler hatte Orkan "Kyrill" auch eine gute Seite - ab Mittaggab’s gestern nämlich frei. "Wir Schulleiter haben uns bereits am Morgen verständigt,die Schüler früher nach Hause zu schicken", sagt Antonia Dicken-Begrich, Schulleiterinam Carl-Duisberg-Gymnasium. Gleiches wusste sie auch von den Realschulen und Gymnasienzu berichten, wo zwischen 11 und 12 Uhr ebenso der Griffel fiel wie an den Hauptschulen.

Einige Schüler nutzten den frühen Schluss wohl auch zu Shopping-Touren in dieCitys von Barmen und Elberfeld, wie einige WZ-Leser berichteten. Doch auch inden Innenstädten war nach den Mittagsstunden kaum noch etwas los. Viele Lädenmachten dicht, zum Teil auf Anweisung der Zentralen. Ein Metzger aus Elberfeld:"Bei dem Wetter kommt doch eh’ keiner mehr."

• Die Einsatzmeldungen kamen gestern im Minutentakt: Um 16 Uhr hatte die Polizeischon 26 Einsätze wegen umgestürzter Bäume und abgedeckter Dächer gezählt. Der Sachschaden wurde zu diesem Zeitpunkt auf etwa 20 000 Euro geschätzt - und das war erst der Anfang.

• In der Innenstadt herrschte nach der Unwetterwarnung gespenstische Leere: Schüler und Kindergärtenschlossen früher, ebenso wie Geschäfte. Die Stadt stellte ihren Mitarbeitern frei,den Dienst früher zu beenden, während viele Veranstaltungen - wie die Ausstellungseröffnungim Fuhlrott-Museum - kurzfristig abgesagt wurden. Rund um den Toelleturm war schonam Nachmittag kein Mensch mehr auf den Straßen.

• Auch am Freitag ist mit massiven Einschränkungen zu rechnen. Die Stadtwerke ließen beschädigte Hauptleitungen vorsorglich außerBetrieb, um erst einmal nach Fehlerquellen zu suchen. Von Waldspaziergängen wird ausdrücklich abgeraten.

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