Ulrich Halstenbachs Wegweiser für die Reise ins Innere

Ulrich Halstenbachs Wegweiser für die Reise ins Innere

Mit seinem neuen Buch will Autor Ulrich Halstenbach Menschen helfen, Körper und Geist in Einklang zu bringen.

Wuppertal. Versunken schaut er aus dem Fenster. Er sitzt in seinem Ledersessel vor dem dunkelbraunen Schreibtisch, die Hände gefaltet. Es ist still in der Praxis von Ulrich Halstenbach. Plötzlich holt er tief Luft und sagt: „Mein Buch gibt nichts, so wie all die anderen Bücher. Mein Buch nimmt etwas. Es nimmt Probleme und Kompliziertheit.“

Halstenbach, Wuppertaler Autor, Coach und Psychotherapeut, hat in diesem Sommer sein erstes Buch veröffentlicht (siehe Kasten rechts oben). „Frei im Kopf — Haltung, Horizont und Selbstorganisation“ heißt es. Ein Buch, das zwischen Belletristik und Sachbuch steht und damit so recht in keine Kategorie passt. Es ist kein Ratgeber, obwohl es dem Leser Tipps anbietet. „Es ist geworden, wie es ist, auch wenn viele Verlage damit ein Problem hatten“, sagt Ulrich Halstenbach. Erschienen ist es letztlich doch — und wird ab heute auch bei der Frankfurter Buchmesse vom Autor persönlich präsentiert.

Sein Buch sei auch an keine bestimmt Zielgruppe gerichtet, sagt der Autor — es richte sich schlicht an jeden. An Hausfrauen ebenso wie gestresste Manager — also an jeden, der seinen Körper, sein Inneres besser kennenlernen wolle. „Ich arbeite viel als Coach und Berater für Konzerne und Unternehmen. Eigentlich habe ich nur meine Vorträge über Kommunikation in die Form eines Buches gebracht“, so Halstenbach — danach hätten viele seiner Kunden gefragt. „Ich konnte ihnen bislang nichts empfehlen, da die Bücher, die es über dieses Thema gibt, nicht meiner Arbeit und meinen Qualitätsansprüchen genügen“, sagt der Autor selbstbewusst.

So forsch ging Halstenbach nicht immer mit seinem Buchprojekt um. Bereits vor fünf Jahren habe er während eines Langeoog-Aufenthalts das, was er sonst vorträgt, niedergeschrieben. „Dann verschwand es in der Schublade“, erzählt Halstenbach, „ich war zu schüchtern, um damit nach draußen zu gehen. Ich glaube, das war die natürliche Scheu vor dem Schritt in die Öffentlichkeit.“

Sein Buch liest sich anders als die übliche Literatur aus dem Ratgeber-Bereich. Ulrich Halstenbach ist als Autor die ganze Zeit präsent, er erzählt von eigenen Erlebnissen, nimmt den Leser mit auf eine Reise zu dem „Ich-Selbst“ — so beschreibt er das Mentale oder den Geist. Dazu ermutigt er den Leser zu Selbstversuchen. So beginnt dieser bei der Lektüre automatisch damit, seine Perspektive zu wechseln und aus der Distanz auf sich selbst zu blicken.

„Man kennt das aus Träumen. Man redet beispielsweise nicht mit einer Person, sondern man sieht, wie man sich mit einer Person unterhält“, erklärt Halstenbach. So falle es dem Leser leichter, seine eigene Haltung, sein Zeitmanagement, seine Ordnung zu verbessern. „Ich will nicht in das Esoterische abdriften“, versichert Halstenbach dabei. Stattdessen suche er für körperliche Erscheinungen sachliche Ursachen: etwa die Haltung, das Nervensystem, die Hormone, das Gehirn, der Stoffwechsel.

Ulrich Halstenbach hat das Zusammenspiel von Geist und Körper durch seine jahrelange Auseinandersetzung mit dem Zen-Buddhismus verinnerlicht. Yoga, Meditation und japanischer Kampfsport haben ihm den Zugang zum Wissen über seinen Körper geliefert. „Anders als bei den sogenannten psychosomatischen Phänomenen kann der Körper ebenso den Geist beeinflussen. Das habe ich auch bei der Arbeit mit Leistungssportlern beobachtet“, erklärt Halstenbach.

Im Deutschen gebe es keinen Begriff für dieses Phänomen, betont der Autor. „Häufig ist das ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, wenn der Geist beeinfluss- oder gar manipulierbar ist. Beim Yoga ist die Wirkung so — und auch in meinem Buch geht es um nichts anderes“, sagt der Autor.

Mehr von Westdeutsche Zeitung