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Überraschungsgäste in den Arkaden

Überraschungsgäste in den Arkaden

Die Wuppertaler Bühnen gehen neue Wege, um die Menschen zu erreichen. In den City-Arkaden gab es ein Mini-Konzert.

Der Trubel in den City-Arkaden wird plötzlich für zehn Minuten unterbrochen: Vier Tuba-Spieler bringen ohne Ankündigung mitten im Elberfelder Einkaufspalast ihre großen Instrumente zum Klingen. Das launige Stück „Tuba Juba Duba“ zaubert schnell das eine oder andere Lächeln in die Gesichter einiger Passanten, die spontan stehenbleiben, um zuzuhören.

Einer der Musiker ist Hartmut Müller, der seit fast dreißig Jahren im Wuppertaler Sinfonieorchester fest engagiert ist. „Wir möchten eine Brücke bauen für Leute, die noch nie mit dem Orchester in Berührung gekommen sind“, sagt Müller. Mit den restlichen drei Musikern bildet er neben seiner Tätigkeit im Orchester das Melton Tuba Quartett.

Am Sonntag treten sie in der Historischen Stadthalle auf. Von der Ernsthaftigkeit, die von einem großen Konzert der Sinfoniker in dem Wuppertaler Prachtbau ausgehen kann, ist in den City-Arkaden nichts zu spüren. Bei der 13-jährigen Helen und ihren Freundinnen kommt der neue Ansatz, um auf die gewachsene Kulturinstitution aufmerksam zu machen, gut an. „Wir waren überrascht und es war sehr schön gespielt — eigentlich ist es aber nicht unsere Musik“, sagen die Jugendlichen nach dem spontanen Konzert.

Auch Simone und Erika Weinhold unterbrechen ihren Einkaufsbummel, um den Profi-Musikern zu lauschen. „Es ist ein tolles Konzept, obwohl Klassik nicht unbedingt unsere Musik ist.“ Bei dem neuen Konzept der Sinfoniker geht es nicht darum, den Musikgeschmack zu ändern, erklärt Jelena Löckner, Marketingreferentin der Wuppertaler Bühnen. „Wir möchten den Wuppertalern zeigen, dass es ihr Orchester ist“, sagt Löckner. Und es soll deutlich werden, dass dort meist eingefleischte Wuppertaler Musik machen, die sich seit vielen Jahren — wie auch Tubist Hartmut Müller — mit ihrem Orchester und der Stadt verbunden fühlen.

Diese Aspekte der etablierten Kunstinstitutionen sichtbar zu machen, spiegelt sich in weiteren Aktionen der Wuppertaler Bühnen wieder. Mit der Reihe „Uptown Classics hat Generalmusikdirektorien Julia Jones mit ihrem Orchester bereits gezeigt, dass die Musik der Sinfoniker auch außerhalb der Stadthalle ihre Wirkung entfalten kann. Zur Premiere der Reihe, die im nächsten Jahr fortgeführt wird, spielten die Musiker beispielsweise in einem Hörsaal der Bergischen Universität. Auch der Bereich Schauspiel zieht mit. Mit der Reihe „Schnappschuss“, die gestern in der Schankwirtschaft Marlene an der Hochstraße Halt machte. Anfang Dezember machte das Format im Rathaus Halt. Das rasante Schauspiel unter Einbeziehung der Paternoster kam an und bot den einen oder anderen Hingucker.

Ob mit Sprache, Gestik und auffälligen Kostümen oder mit Musik — die Nachricht, die die Künstler aussenden möchten gleicht sich: Wir sind genauso Wuppertaler wie ihr. Tubaspieler Hartmut Müller würde gerne weiter auch außerhalb der Stadthalle Konzerte „ab von der Norm“ geben, erklärt er nach dem Mini-Konzert in den City-Arkaden. Obwohl sich ein Besuch in der Historischen Stadthalle natürlich auch lohne. „Um sie beneiden uns viele Kollegen“, sagt der 59-Jährige.

Nicht nur wegen der Optik und Atmosphäre sei der Bau etwas besonderes, sondern vor allem auch wegen der klanglichen Qualitäten. „Die Stadthalle überträgt auch tiefe Klänge sehr wohlklingend und sie klingt nie schräg oder schrill“, sagt Müller. Aber auch die City-Arkaden hätten keinen schlechten Klang, ergänzt Heiko Triebener, ebenfalls Mitglied des Melton Tuba Quartetts. Für die Musiker ging es gestern trotzdem vorerst wieder in die Historische Stadthalle. Die erste Probe für das vierte Sinfoniekonzert am Sonntag stand an.