Überfall auf Wuppertaler Sparkasse: Tatverdächtiger jetzt vor Gericht

„blödsinnige Sache“ : Wuppertaler Sparkassen-Räuber gesteht vor Gericht

35-jähriger Angeklagter legte am Dienstag vor dem Landgericht ein Geständnis ab und erzählt von den Hintergründen seiner Tat.

Mit einem Geständnis hat am Dienstag am Landgericht Wuppertal der Prozess wegen eines Überfalls auf die Sparkassenfiliale am Islandufer begonnen. Der 35 Jahre alte Angeklagte räumte die ihm von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegten Taten ein.

Der Überfall hatte sich am 15. Mai dieses Jahres ereignet. Der Angeklagte war schwarz gekleidet und mit einer Sturmhaube vermummt in die Sparkassenfiliale gegangen, hatte am Kassenschalter 1 einen Kunden mit einer nicht funktionsfähigen Gas- und Schreckschusspistole bedroht und von dem Kassierer verlangt: „Geld her - schnell!“ Dabei forderte er 100- und 500-Euro-Scheine und erhielt - auf weitere Nachfrage - auch noch zwei 200-Euro-Scheine. Insgesamt erbeutete der Angeklagte bei dem Überfall 10500 Euro.

Vom und zum Tatort war er mit seinem eigenen Pkw gefahren. Durch Zeugenhinweise kam die Polizei auf die Spur des Mannes und nahm ihn sechs Tage nach der Tat in den Räumen seiner Firma fest.

Er bedauere die „blödsinnige Sache“, erklärte der 35-jährige Wuppertaler. Als Motiv für den Überfall verwies der gelernte Kfz-Mechatroniker auf finanzielle Probleme in seinem von ihm und seiner Frau betriebenen Autohandel sowie massive Geldforderungen von Personen, denen er Geld schuldete.

So hatte er im Dezember 2018 im Auftrag einer Kundin, bei der es sich im übrigen um eine ehemalige Teilnehmerin einer bekannten TV-Castingshow handelt, ein Auto für 15 000 Euro verkauft, jedoch nur gut die Hälfte davon an die Auftraggeberin weitergereicht. Den Rest nutzte er zum „Stopfen von anderen Löchern“ finanzieller Art.

Zudem hatte der Angeklagte wegen seiner Geldnöte von einem Abschleppwagenfahrer 2000 Euro geliehen, der diese Summe mit einer Verzinsung von 300 bis 500 Euro pro Woche wieder eintreiben wollte.

Wegen der Außenstände wurde der Mann sowohl von der Mutter der Frau, dessen Pkw er verkauft hatte, sowie von dem Abschleppwagenfahrer massiv unter Druck gesetzt. So wurde in einer Sprachnachricht angedroht, dass die Ehefrau des Angeklagten in Ungarn auf den Strich geschickt werden sollte. Auch auf dem Firmengelände erschienen die Gläubiger und drohten mehr oder minder unverhohlen mit Gewalt.

Er habe mit dem Überfall seine „Probleme beseitigen“ wollen, sagte der Angeklagte, der in dem von Richter Ulrich Krege geführten Prozess einen emotional angegriffenen Eindruck machte. Mit dem Geld wollte er zwei Pferde auslösen und durch den Verkauf der Tiere eine Summe einnehmen, mit der er seine Schulden hätte begleichen können. Dazu kam es aber nicht, weil er vorher festgenommen wurde. Seitdem sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Das Urteil sollte ursprünglich am 3. Dezember verkündet werden, wegen des Geständnisses kann das Verfahren nun aber kürzer ausfallen. Dem Angeklagten droht wegen des Vorwurfs des erpresserischen Menschenraubs und schwerer räuberischer Erpressung eine Haftstrafe von mindestens drei Jahren. Zudem ist der Mann bereits wegen Betruges vorbestraft.

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