Typisierung: Feuerwehr sucht Spender für Leukämiekranke

Typisierung: Feuerwehr sucht Spender für Leukämiekranke

80 Feuerwehrleute helfen bei der großen Aktion am kommenden Wochenende. Hintergrund ist die Leukämieerkrankung ihres 28-jährigen Kollegen Markus Gerlach.

Wuppertal. Für die Berufsfeuerwehr Wuppertal war die Nachricht ein Schock: Ende vergangenen Jahres erkrankte der 28-jährige Kollege Markus Gerlach plötzlich an akuter lymphatischer Leukämie. Eine Stammzellenspende ist seine einzige Überlebenschance. Spontan nahmen die Kollegen Kontakt zur Deutschen Knochenmarkspenderdatei auf und beschlossen, eine Typisierungsaktion zu organisieren, um einen passenden Spender für ihren Kollegen zu finden. Markus Gerlach ist seit drei Jahren bei der Berufsfeuerwehr Wuppertal und war zuletzt in der Wache Barmen im Brandschutz- und Rettungsdienst eingesetzt. Im 24-Stunden-Dienst arbeiten und leben die Feuerwehrleute fast wie in einer Familie zusammen - entsprechend groß ist der Zusammenhalt und die Solidarität.

Während der Vorbereitungszeit kam dann die erlösende Nachricht: Für Markus Gerlach wurde ein passender Stammzellenspender gefunden. "Natürlich waren wir alle sehr erleichtert, sagt Sprecher Andreas Steinhard. "Aber wir sollen die Aktion trotzdem durchziehen. Schließlich gibt es viele andere Patienten, auch viele Kinder, die ohne eine Stammzellenspende nicht überleben können und für die noch kein passender Spender gefunden werden konnte." Markus Gerlach wird derzeit auf die Stammzellentherapie in der Uniklinik Essen vorbereitet.

Für eine erfolgreiche Transplantation müssen die Gewebemerkmale des Stammzellenspenders nahezu vollständig mit denen des Patienten übereinstimmen. Ein Patient mit einer häufigen Kombination kann unter 20000 Menschen einen passenden Spender finden, bei einer sehr seltenen Kombination findet sich unter Umständen auch unter mehrere Millionen niemand.

"Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland jemand neu an Leukämie", erklärt Silvia Marcello von der DKMS die Notwendigkeit von Typisierungsaktionen. "Für vier von fünf Personen kann ein Spender gefunden werden."

Unter dem Motto "Jetzt erst recht" veranstaltet die Feuerwehr mit der DKMS am Wochenende deshalb eine Typisierungsaktion. Das ehrgeizige Ziel: 1000 Blutabnahmen in sechs Stunden. Damit alles glatt läuft, sind 80 Helfer der Feuerwehr vor Ort - unter ihnen auch Notärzte und Rettungsassistenten. Die potentiellen Stammzellenspender erwartet am Samstag nicht mehr als ein kleiner Pieks bei der Blutabnahme. "Keiner braucht Angst zu haben", sagt die leitenden Notärztin, Dr. Hella Körner-Göbel.

Berufsfeuerwehrmann Marcel Zoric hat sich bereits 1992 registrieren lassen und weiß, was es bedeutet, jemandem die Chance aufs Überleben zu geben: Der 34-jährige Wuppertaler spendete 2004 Knochenmark für eine 16-Jährige. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich einem Menschen helfen konnte und ich würde es jederzeit wieder tun. Jeder von uns kann in diese Situation kommen, das sieht man ja an Markus." Wie das gesamte Orga-Team hofft Zoric deshalb, dass sich am Samstag möglichst viele Wuppertaler typisieren lassen.

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