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Troxler-Werkstätten: „Hier wird Inklusion gelebt“

Troxler-Werkstätten: „Hier wird Inklusion gelebt“

Bei einem Tag der offenen Tür konnten sich Besucher über das Konzept informieren.

Wuppertal. In den Troxler-Werkstätten arbeiten Menschen, die geistig und oft auch körperlich behindert sind. Beim Tag der offenen Tür konnten die Besucher die verschiedenen Arbeitsbereiche kennenlernen. Und selbst ausprobieren, wie es sich anfühlt, eingeschränkt zu sein.

Die Augen verbunden, ein Kopfhörer aufgesetzt — so ähnlich muss es sein, wenn man blind und schwerhörig ist. Dann wird man mit Kleinigkeiten gefüttert: Kiwi, Nüsse, getrocknete Banane. Schwach und dumpf klingt die Aufforderung, den Mund aufzumachen. Das Kauen wird intensiver, tönt im ganzen Kopf.

Sebastian begleitet die Besucher bei diesem Experiment, er macht bei den Troxler-Werkstätten eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger: „Die meisten sagen, dass das ein komisches Gefühl ist. Die Sinne werden sonst als Selbstverständlichkeit angesehen.“ Im Alltag müsse man individuell auf die Einschränkungen eingehen, bei Schwerhörigkeit etwa die Aussagen durch Mimik und Gestik unterstützen.

Je nach Einschränkungen und Vorlieben werde für jeden ein passender Platz gefunden, so Nadja Shafik von den Troxler-Werkstätten. Menschen, die feinmotorisch begabt sind, arbeiten in der Filz-Werkstatt. Menschen, die gerne draußen sind, in der Gärtnerei. „Wir produzieren Dinge mit Sinn. Der Schwerpunkt liegt auf Kunsthandwerk, nicht darauf, möglichst viele Kugelschreiber zusammenzubauen.“

Manche seien zwar minimal produktiv, aber maximal gut für das soziale Miteinander. „Das ist beeindruckend, hier hilft jeder jedem. Hier wird Inklusion tatsächlich gelebt.“ Für Inklusion reiche es nicht aus, ein Gebäude barrierefrei umzubauen. Shafik: „Inklusion muss von Menschen getragen werden. Da gibt es verständlicherweise Berührungsängste, die müssten früher genommen werden.“

Dazu könne ein Tag der offenen Tür beitragen. Die Besucher können sich davon überzeugen, dass Inklusion in den Troxler-Werkstätten funktioniert. Die Mitarbeiter erklären, was sie jeden Tag machen.

In der Schreinerei riecht es intensiv nach Holz, man hört, wie Schleifpapier benutzt wird. Dort werden hauptsächlich Instrumente und Möbel hergestellt. Nebenan in der Filzwerkstatt riecht es nach Seife, in einem Regal stehen zahlreiche Plastik-Boxen mit buntem Filz. Besucher dürfen selbst ausprobieren, eine Kugel zu filzen. Daraus kann zum Beispiel Schmuck entstehen, aber auch Figuren und Teelichter sind ausgestellt. Auch in den anderen Werkstätten kann man vorbeischauen, etwa bei der Wäscherei oder bei der Papierwerkstatt.

Neben der praktischen Arbeit bieten die Troxler-Werkstätten auch individuelle Therapien an: Heileurythmie, Sprachgestaltung, Musiktherapie, Malen und Plastizieren, Krankengymnastik und Physiotherapie. Der Tag der offenen Tür gab den Besuchern auch dort die Gelegenheit, zu schauen, was dort passiert, und mit den Therapeuten ins Gespräch kommen.