Trotz Protesten: Rat beschließt Kürzungen für das Schauspiel

Trotz Protesten: Rat beschließt Kürzungen für das Schauspiel

Das Ensemble des Sprechtheaters soll auf zehn Mitglieder reduziert werden. Im März 2013 soll der Rat einen neuen Intendanten wählen.

Wuppertal. Dass die Stadt im Kulturbereich Einsparungen vornehmen wird, hatte der Rat schon im Sommer im Rahmen des Haushaltssanierungsplans beschlossen. Am Montag wurden nun zwei Beschlüsse zur Umsetzung gefasst. 400 000 Euro pro Jahr soll die sogenannte Einbringung des Sinfonieorchesters Wuppertal in die Wuppertaler Bühnen GmbH an Einsparungen bringen. Davon erhoffen sich Rat (Gegenstimmen Linke, Enthaltung der Grünen) und Verwaltung Synergieeffekte — vor allem im Bereich Organisation und Marketing.

Heftige Diskussionen löste der zweite Beschluss (Gegenstimmen Grüne, WfW und Linke) aus, der Sparmaßnahmen im Bereich des Schauspiels vorsieht. So zum Beispiel die Reduzierung des Ensembles von 14 auf zehn Mitglieder.

Während Stadtdirektor Johannes Slawig (CDU) von einer Bestandsgarantie für die Schauspielsparte trotz einer unbefriedigenden Zuschauerentwicklung sprach, bezog Rolf Köster (CDU) Position gegen Schauspiel-Intendant Christian von Treskow. Ihn enttäusche, dass von Treskow nur vier Inszenierungen im Jahr plane und keine Bereitschaft zeige, bis zur Inbetriebnahme einer Kleinen Bühne 2014/15 mit Produktionen zum Beispiel auf das Haus der Jugend oder die Börse auszuweichen. Einen „Intendanten in der Schmollecke“ wünsche er sich nicht, sagte Rolf Köster.

Klaus Jürgen Reese (SPD) verwies auf den 12-Millionen-Gesamtetat für die Bühnen. Das Einsparvolumen betrage im Vergleich dazu nur wenige hunderttausend Euro. Die Position der Linken wies Reese als Inszenierung zurück. Die Linke habe den Haushaltssanierungsplan abgelehnt, der der Stadt erst wieder Gestaltungsspielraum im Kulturbereich ermöglicht habe.

Peter Vorsteher (Grüne) warnte davor, allein auf Publikumserfolge zu schielen und das Schauspiel in Richtung Boulevardtheater zu entwickeln. Jörn Suika (FDP) sprach davon, man habe „nicht die beste Lösung, aber die beste Lösung, die wir uns leisten können, gefunden“.

Während der Debatte, die von einigen Mitgliedern und Mitarbeitern der Bühnen als Zuhörer verfolgt wurde, gab es laute Zwischenrufe von den Zuschauerbänken. Noch lauter waren die Rufe und Schreie vor der Tür des Ratssaals. Eine Gruppe mit dem Namen Theateraktivistinnen versuchte, sich Zutritt zur Ratssitzung zu verschaffen. Mitarbeiter der Verwaltung und die Polizei versperrten die Tür.

Am gestrigen Dienstag wies Dezernent Matthias Nocke (CDU) Vorwürfe zurück, Demonstrantinnen seien geschlagen worden. „Eine entsprechende Mitteilung der Gruppe entspricht nicht den Tatsachen. Es wurden auch keine 1100 Unterschriften übergeben. Das waren lediglich mit Namen bedruckte Zettel, die auf eine Leine gereiht waren“, so Nocke.