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Kabarett: Trio Talfahrt lässt sich von Corona nicht ausbremsen

Kabarett : Trio Talfahrt lässt sich von Corona nicht ausbremsen

„Nix mehr zu verlieren“ hat das Talfahrt Trio. Der Pleite gelassen ins Gesicht schauend, beweisen Jens Neutag, Ulrich Rasch und Jürgen H. Scheugenpflug, dass in schwierigen Corona-Zeiten eigentlich nur noch fatalistischer Humor hilft.

Wenn das künstlerische Einkommen gegen null strebt und sich die Zielgruppe im gesetzten Alter voll mit der Risikogruppe deckt, ist doch eh alles egal.

Entsprechend angriffslustig und scharfzüngig präsentierte das Ensemble am vergangenen Freitag seine satirische Sommersause auf Schloss Lüntenbeck. Nachdem die Premiere eine Woche zuvor aufgrund von Starkregen buchstäblich ins Wasser gefallen war, hatte Jens Neutag vorsichtshalber seine Badehose eingepackt. Diesmal blieb es allerdings trocken, so dass die rund 120 Besucher im Schlosshof einen vergnüglichen Abend erleben konnten.

Das Programm nahm wieder die Irrungen und Wirrungen im Stadtgebiet aufs Korn, bot Talfahrt-Klassiker sowie Auszüge aus Soloprogrammen. Nicht fehlen durften auch die zahlreichen musikalischen Beiträge, wobei das Mitsingen beim Bergischen Heimatlied aufgrund von Ansteckungsgefahr diesmal nicht erlaubt war. „Das Publikum darf aber unter der Maske mitsummen“, schlug Jens Neutag vor.

Für das Recht auf Verschwörungstheorien

Neben Corona sorgte auch die Wuppertaler Politik und insbesondere der Wahlkampf für Gesprächsstoff. Wenn etwa in Oberbarmen eine Bestatterin in den Stadtrat einziehen möchte, ist das für die Talfahrt natürlich ein gefundenes Fressen. „Für einen sterbenden Stadtteil passt das doch perfekt“, spottete Jürgen H. Scheugenpflug.

Und auch die Wahlwerbung der Rechtsaußen-Vertreter bekam ihr Fett weg. Deren Plakat mit der Schwebebahn zeigt nämlich die alte Wagengeneration. „Vielleicht ist denen entgangen, dass die überhaupt nicht mehr fährt“, so Jens Neutag. „Wobei sie noch fahren würde, wenn man sie hängen gelassen hätte“, erklärte Ulrich Rasch unter dem Beifall der Zuschauer. Der Pianist warb um Verständnis für die stark steigende Zahl von Verschwörungstheoretikern, schließlich habe jeder ein Recht auf die Beschränkung des eigenen geistigen Horizonts. Rasch forderte das Ende der Residenzpflicht auf der Erde und die sofortige Besetzung des Mondes.

Auch für den immer mehr vergreisenden Teil der Bevölkerung brach die Talfahrt eine Lanze. Als Rentner Armee Fraktion (RAF) mit Bier aus der Schnabeltasse übernahm das Trio im Altenheim „Final Countdown“ die Macht. Außerdem probten die Akteure den „Blexit“, also den Austritt des Bergischen Landes aus der Europäischen Union. Jens Neutag sah vor seinem geistigen Auge bereits „bewaffnete Milizen aus Cronenberg das Haus Zillertal stürmen“. Am Ende helfe eben nur, zu den Ursprüngen zurückzukehren und die Zivilisation auch mal ganz hinter sich zu lassen. „Dann fahre ich nach Schwelm“, so Neutag.

Weitere Sommerauftritte der Talfahrt sind nicht geplant. Das Trio will aber ab Dezember wieder mit seinem Jahresrückblick auf die Bühne zurückkehren. Mehr Infos unter:

www.talfahrt-wuppertal.de