Wuppertal: Treppen: Stufenweiser Verfall — aber immer wieder auch Hoffnungsschimmer

Wuppertal: Treppen: Stufenweiser Verfall — aber immer wieder auch Hoffnungsschimmer

Treppen: Die Holsteiner Treppe hat Glück, die Wolkenburgtreppe lebt ebenfalls weiter. Lenbach- und Jakobstreppe hingegen gehören zu den Sorgenkindern unter den vielen alten Stiegen der Stadt.

Wuppertal. Vor zehn Jahren sollte sie schon einmal komplett aufgegeben werden. Denn schon damals war die Lenbachtreppe - sie führt von der Katernberger Kruppstraße hoch zur Lenbachstraße - in einem beklagenswerten Zustand. Die Stiege ist bereits seit 1997 gesperrt. Vor Jahren beantragte Sanierungen waren mangels Geld nie genehmigt worden, und schließlich wollte die Verwaltung die Straße offiziell „entnennen“, sprich: das Bauwerk als Verkehrsweg aus dem Stadtplan streichen.

Schön grün, aber unbenutzbar, ist die Jakobstreppe auf dem Nützenberg. Foto: Fischer, A. (f22)

Doch dagegen wehrte sich unter anderem eine Mehrheit der damaligen Bezirkspolitiker. Und so fristet die unnütze, fast schon vergessene Treppe ihr einsames Dasein im Quartier.

Vielzitiert und ebenfalls eine „Vorzeige-Treppe“: Tippen-Tappen-Tönchen im Elberfelder Zentrum. Foto: Schwartz, Anna (as)

Ähnlich lange „Leidensgeschichten“ haben die Waldstiege und die Wolkenburgtreppe in Elberfeld. Eigentlich hätte man so manche Treppe längst abreißen müssen, hatte es vor Jahren schon von der Verwaltung geheißen. Das wäre aber in nicht wenigen Fällen ganz erheblich teurer geworden, als sie einfach stehenzulassen.

Brigitte Alexander, hier ein Archiv-Foto aus dem vergangenen Jahr, an der Elberfelder Wolkenburgtreppe. Foto: Fischer, A. (f22)

Von den Treppen auf Wuppertaler Stadtgebiet unterhält das städtische Verkehrsressort zurzeit 341\. Zu den vollständig gesperrten gehören die Jakobstreppe auf dem Nützenberg, die Treppen Höfen auf Oberbarmer Stadtgebiet und besagte Lenbachtreppe.

Die ebenfalls lange unbenutzbare Wolkenburgtreppe hat mehr Glück — dank des Fördervereins Historische Parkanlagen: Die Verbindung zwischen der Straße Wolkenburg und dem Klophauspark mit ihren 160 Stufen war zuletzt sanierungsmäßig auf gutem Weg und ist fast fertig. „Wir hoffen, sie im kommenden Monat einweihen zu können“, sagt Brigitte Alexander vom Förderverein. Dort hatte man 2011 angestoßen, das marode Bauwerk wieder in Schuss zu bringen. Knapp 9000 Euro hat seitdem die Bezirksvertretung (BV) Elberfeld bereitgestellt. Kräfte des zweiten Arbeitsmarktes übernahmen die Ausfertigung, viele Sponsoren und ehrenamtliche Kräfte haben das Projekt weiter unterstützt. So hat die Wuppertalbewegung alte Bahnschwellen für die Geländer zur Verfügung gestellt.

So viele Stufen, so viel zu tun: „336 Treppen sind uneingeschränkt nutzbar“, heißt es im Bericht der Verwaltung, der auch Stützmauern — allein 1166 an der Zahl in Unterhaltung des Straßen- und Verkehrs-Ressorts — auflistet. Dazu gibt es Brücken und Unterführungen, die in Schuss gehalten werden müssen.

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Dass das nicht immer wie gewünscht funktioniert, zeigt sich an vielen Stellen, und das ist auch der Verwaltung klar: „Trotz der teilweise geringen Quoten von Sperrungen und Nutzungseinschränkungen muss der Zustand der Ingenieurbauwerke insgesamt als kritisch bewertet werden“, heißt es. Der Sanierungsbedarf sei größer als in der aktuellen Haushaltsaufstellung berücksichtigt.

Sprich: Es gibt viel und dringend zu tun, aber kaum Möglichkeiten, auch nur eine vernünftige Bestandsaufnahme zu erstellen, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht: „Leider ist es derzeit aufgrund der knappen Ressourcen ebenso wenig möglich, eine Aufstellung des Sanierungsbedarfes an den Ingenieurbauwerken zu fertigen wie die zeitnahe Abarbeitung der zahlreichen über den Haushaltsplan hinausreichenden, notwendigen Instandsetzungsarbeiten im laufenden Tagesgeschäft zu gewährleisten.“

Zum Teil bestehe an den Ingenieurbauwerken „akuter Handlungs- und Nachbesserungsbedarf, insbesondere aufgrund des besorgniserregenden Zustandes vieler verkehrswichtiger Brücken“.

Daher schließt die Verwaltung nicht aus, „dass weitere Nutzungseinschränkungen und/oder Sperrungen von Ingenieurbauwerken kurz- bis mittelfristig folgen werden, weil notwendige Baumaßnahmen nicht mehr rechtzeitig veranlasst werden können“.

Durch die Übernahme des Bauprojektes Nordbahntrasse sei ein Sanierungsrückstau an den Ingenieurbauwerken entstanden, „wie er vergleichbar zuletzt vor etwa 15 Jahren zu verzeichnen war und der zurzeit bei Weitem nicht abgearbeitet werden kann“.

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