Wuppertal Traditionslokal in Wuppertal fürchtet Restaurant-Ketten nicht

Das Wuppertaler Restaurant „Wagner am Mäuerchen“ besteht seit mehr als 100 Jahren und überzeugt mit Hausmannskost. Von großen Restaurantketten bedroht sieht man sich nicht.

Wuppertal: Traditionslokal in Wuppertal fürchtet Restaurant-Ketten nicht
Foto: Andreas Fischer

Elberfeld. Sie heißen L‘Osteria, Sausalitos, Bar Celona, Mio 3, Scoozi, Hans im Glück, Donatello oder Yukisaki, sind alle junge „hippe“ Restaurants mit vielfältigem Speiseangebot und an der Herzogstraße oder an der Bankstraße beheimatet. Wie kann sich gegen derartige Konkurrenz, wenige Meter entfernt, ein mehr als 100 Jahre altes traditionelles Gasthaus wie „Wagner am Mäuerchen“ mit vorwiegend deutscher Hausmannskost behaupten? Eine Frage, die Gastwirt und Koch Thomas Jochum nur ein Lächeln abnötigt: „Weil wir einzigartig sind“, meint er mit liebevollem Blick auf die blankgeputzten Eichentische und das Gediegenheit ausstrahlende dunkle Interieur mit seinen diskreten Ecken und Nischen.

Diese Einzigartigkeit bezieht sich nicht nur auf das gemütliche Ambiente. „Sehen Sie, die umliegenden Mitbewerber sind durchweg Franchise-Unternehmen, das heißt, dass sie von den Rohstoffen, der Zubereitung bis zum Preis alles von einer Zentrale vorgegeben bekommen. Ich dagegen kann mich als mein eigener Herr frei entfalten und auch mal Experimente machen. Das ist den Kollegen ringsum nicht möglich.“ Thomas Jochum führt „Wagner am Mäuerchen“ genau 20 Jahre und hat sich auf traditionelle Gerichte spezialisiert. „Wo bekommen Sie hier noch Eisbein im Kesselsud, gebratene Blutwurst auf Sauerkraut, Nürnberger Bratwürstchen oder Schlachtplatte?“, fragt der gemütliche Wirt und fügt hinzu: „Und glauben Sie nicht, dass das nur etwas für die ältere Generation ist. Gerade junge Leute wissen bodenständige Küche wieder zu schätzen.“ Dabei achtet der Gastronom streng auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, gesteht aber: „Ein normales Mittagessen für 6,95 Euro kann ich nicht anbieten. Wenn man Wert auf erstklassige Rohstoffe und gute Bedienung legt, kann man so einen Preis höchsten bei Eintopfgerichten auf die Speisekarte schreiben.“

Apropos Speisekarte: Die Tagesgerichte stehen meist mit Kreide sauber geschrieben auf den Tafeln an den Außenwänden des Lokals, das gern auch auswärtige Gäste anlockt. „Wir haben Gäste aus Japan, China, England, Frankreich, Italien oder Irland, die deutsche Spezialitäten genießen wollen und bei ihren Besuchen hier meist schon für das kommende Jahr vorbestellen.“

Das urige Mobiliar mit der höchst pflegebedürftigen Kupfer-Theke und den Delfter Fliesen, dem uralten Kronleuchter und den in Blei gefassten Butzenscheiben ist auch ein Anziehungspunkt für Film- und Fernsehschaffende, die in unregelmäßigen Abständen in dem Lokal in der Elberfelder City diverse Szenen drehen. Und an den Tischen sieht man bisweilen auch ein vom Bildschirm bekanntes Gesicht. Namen lässt sich Thomas Jochum allerdings nicht entlocken: „Das sind Menschen, die hier in Ruhe ihr Essen genießen und dabei, wie jeder Normalbürger auch, nicht gestört werden wollen. Den meisten Zuspruch hat „Wagner am Mäuerchen“ allerdings von Stammgästen, denen außer Hausmannskost auch Garnelen im Wok, vegetarische Gerichte oder Straußensteaks in diversen Varianten offeriert werden. „Die waren vor allem zu den Zeiten der BSE-Krise gefragt“, verrät Doris Rosenbaum, die seit 15 Jahren für das Wohl der Gäste sorgt.

Einer von ihnen ist Gerhard Bahl (91), der seit Jahren hier zusammen mit seinen „Jungs“, die aber auch die 80 bereits überschritten haben, seinen Stammtisch abhält. Wenn Thomas Jochum die Einzigartigkeit seines Lokals anspricht, dann wäre da auch das „Räuberessen“ zu nennen, das bei Vorbestellung ab zwölf Personen ausgerichtet wird. Gemäß der Tradition des „Schinderhannes“ wird dabei auf den „lästigen“ Gebrauch von Gabeln verzichtet, wenn man sich von Rippchen, Haxen oder gesottenem Federvieh seinen Teil absäbelt und sich dazu Met und Bier aus Ochsenhörnern unter weitgehendem Verzicht auf gesellschaftliche Etikette schmecken lässt. Und wenn Thomas Jochum davon berichtet, dann versteht man, dass er die umliegende Konkurrenz nicht fürchtet.

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