Tonleiter in Wuppertal zeigt den Regen von seiner musikalischen Seite

Konzert : Regenwetter ist Inspiration für viele Komponisten

Klavierprofessorin Florence Millet gestaltete den Auftakt der Reihe Tonleiter im Skulpturenpark Waldfrieden.

Schmuddelwetter ist in Wuppertal nichts Neues. Hier bekommt man bekanntlich den Regenschirm mit in die Wiege gelegt. Der Brite sagt zu solch einem Wetter: „it’s raining cats and dogs“. Während der Auftaktveranstaltung der Reihe Tonleiter dieser Saison legte der Regen zwar ein kleines Päuschen ein, doch drinnen im Pavillon des Skulpturenparks Waldfrieden ging es weiter mit der Nässe. Nein, der Dachdecker hatte keinen Murks gebaut. Die Klamotten blieben trocken. Dafür hatten die Augen und Ohren eine Menge zu tun, um mit der Nässe in anderer Form klar zu kommen.

Anno 1929 hätte in Amsterdam ebenfalls niemand einen Hund vor die Tür gejagt. Joris Ivens bannte solch einen verregneten Tag dort auf Zelluloid. Regen heißt der zwölfminütige schwarz-weiße Stummfilm des bedeutenden Dokumentarfilmers, der mit zu den bedeutendsten europäischen Avantgardefilmen der ausgehenden 1920er Jahre zählt. Er wurde zweimal – einmal ohne, das andere Mal mit Musikuntermalung – gezeigt. Hanns Eisler komponierte nämlich 1941 sein Quintett „Vierzehn Arten, den Regen zu beschreiben“ dazu. Diese pentatonische Komposition kann ebenfalls zur damaligen Avantgarde gezählt werden, da er unter anderem mit diesem Opus 70 mit neuen Formen der Filmmusik experimentierte.

Nuancierte Klavierklänge
mit viel Gehalt

Unter der versierten Leitung von Mark-Andreas Schlingensiepen wurde diese Kammermusik exakt zu den sich bewegenden Bildern fein abgestuft präsentiert.

Diese beide Aufführungen bildeten den Rahmen für weitere Regenmusik unterschiedlicher Stile, die in den vergangenen 100 Jahren entstand: ausgehend von Claude Debussy („Jardins sous la pluie“, „Brouillards“) über Luciano Berio („Wasserklavier“), György Ligeti („Arc en ciel“), Toru Takemitsu („Rain Tree Sketch 2“) und Tan Dun („Dew-Fall-Drops“) bis zum sieben Jahre alten Stück „Snow and Snow“ von Helen Grime. Es wurden also Werke vorgestellt, die verdeutlichen, dass sich Komponisten wie auch viele ihrer Kollegen zurückliegender Epochen gerne vom Wasser inspirieren ließen.

Abgesehen von Eislers Filmmusik und Grimes Trio für Klarinette, Bratsche und Klavier sind die anderen vorgestellten Werke für Soloklavier geschrieben. Florence Millet, Klavierprofessorin an der Wuppertaler Musikhochschule, spielte sie außerordentlich nuanciert und brachte den ihnen innewohnenden Gehalt klar zum Ausdruck. Ulrike Nahmmacher (Geige), Nora Niggeling (Bratsche), Michael Hablitzel (Cello), Gerald Hacke (Klarinette) und Dirk Peppel (Flöte) überzeugten ebenfalls mit differenzierten, hochmusikalischen Vorträgen und harmonierten vorzüglich mit Millet.

Nach dem berechtigten begeisterten, lang anhaltenden Schlussapplaus ging es zurück nach draußen, wo wenig später das kühle Nass wieder von oben kam.