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Tödliche Schüsse in Wuppertal: Lebenslange Haft für Angeklagten

Landgericht Wuppertal : Tödliche Schüsse an der Gathe - Lebenslange Haft für Angeklagten

Ein 34-Jähriger, der im letzten Jahr auf der Wuppertaler Gathe einen Bekannten erschossen hat, ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Zu lebenslanger Haft wegen Mordes hat das Landgericht am Donnerstag den 34-Jährigen Café-Inhaber verurteilt, der am 28. April 2019 auf der Gathe auf einen ehemaligen Freund (36) geschossen hat. Der Mann starb Tage später an den Folgen.

Der Angeklagte, der den Saal zur Urteilsverkündung mit selbstbewussten Blicken ins Publikum betrat, hatte die Schüsse zu Beginn des Prozesses eingeräumt, sie aber mit einer Notwehr-Situation erklärt.

Demnach habe sein ehemaliger Freund nach einem Streit kurz zuvor gedroht, ihn zu töten. Sie seien sich dann später zufällig in ihren Autos auf der Gathe an der Kreuzung zur Karlstraße begegnet, der 36-Jährige habe eine Bewegung gemacht, als wolle er schießen, da habe er zuerst geschossen. „Es ging alles ganz schnell“, hatte der Angeklagte gesagt.

Sieben Schüsse aus einer halbautomatischen Waffe

Er feuerte insgesamt sieben Mal mit seiner halbautomatischen Waffe, eine Kugel traf den 36-Jährigen in den Kiefer, eine zweite in die Niere. Schwer verletzt war der Mann noch aus seinem Auto gestiegen, ein paar Schritte um den Wagen herumgelaufen und dann auf der Straße zusammengebrochen. Er starb am 7. Mai 2019 im Krankenhaus an den Folgen des Blutverlustes.

Zahlreiche Zeugen hatten das Geschehen an einem Sonntagabend gegen 21 Uhr miterlebt. Und viele hatten zunächst an Silvesterböller gedacht, als sie die Schussgeräusche hörten. Erst als sie den Verletzten sahen, wurde ihnen der Ernst der Situation klar. Besonders traumatisiert wurde eine junge Frau, die in ihrem Auto direkt neben dem Wagen des Opfers stand. Der Vorsitzende Richter betonte, es sei „riesiges Glück“ gewesen, dass niemand anderes verletzt wurde.

Aussagen von Zeugen, Videoaufnahmen, Handydaten und andere Untersuchungen haben nach Ansicht des Gerichts die Version des Angeklagten von der Notwehr widerlegt. Unter anderem hatte ein Zeuge gesehen, wie das Auto des Angeklagten zügig auf das Auto des Opfers zufuhr und bereits ein Arm aus dem Fenster ragte. Auch dass der Angeklagte laut der Zeugenaussage abrupt abbremste, passe nicht zu seiner Aussage. Zudem sei es nicht möglich, dass er von hinten in den BMW des Opfers hineinsehen und dabei erkennen konnte, dass der 36-Jährige eine Pistole in der Hand gehabt haben soll. Es sei dem Gericht auch unlogisch vorgekommen, dass der Angeklagte in einer angeblich bedrohlichen Situation zur Waffe greife, statt zu fliehen.

Die Hintergründe der Tat sind nicht aufgeklärt worden

Zu seiner Aussage, er habe nach dem vorhergehenden Drohung Panik und Angst um sein Leben gehabt, passten auch die Videoaufnahme aus seinem eigenen Café nicht. Dort sei zu sehen, dass er zwei Stunden lang entspannt gewesen sei, auch keine Angst hatte, den Rücken der Tür zuzukehren. Erst eine halbe Stunde vor der Tat habe er das Café verlassen.

„Wir haben keine Zweifel, dass er die Tat heimtückisch begangen hat“, sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte habe gewusst, dass der 36-Jährige nicht mit einem Angriff rechnete, habe das auch ausgenutzt und ihn in einem so genannten „Drive-by-Shooting“ getötet.

Zum Motiv der Tat hätten sie nicht viel herausbekommen. Täter und Opfer kannten sich aus ihrer Heimat Albanien. Der Angeklagte lebte bereits seit 2010 in Wuppertal, der 36-Jährige kam 2016 in die Stadt kam. Zunächst wohnte er bei seinem Freund. Aber Ende 2018 verschlechterte sich das Verhältnis. Nach Angaben des Angeklagten stritten sie um Geld, auch um die Nutzung eines Autos. Und der 36-jährige soll Gerüchte über den Angeklagten verbreitet haben, er arbeite in seinem kürzlich eröffneten Café in Bezug auf den Kokainhandel mit der Polizei zusammen – das sei geschäftsschädigend gewesen. „Vieles weist auf Drogen hin“, so der Vorsitzende Richter. „Aber wir wissen es nicht.“

Wie der Angeklagte das Urteil aufnahm, war ihm nicht anzusehen, da er in dem großen Schwurgerichtssaal des Landgerichts dem Publikum den Rücken zudreht.