Tintentod mit düsteren Farben, kaltem Licht und gruseliger Musik

Tintentod mit düsteren Farben, kaltem Licht und gruseliger Musik

Premiere im Berufskolleg Elberfeld.

Wuppertal. Der Anfang und das Ende, die große Wandlerin, gerne auch genannt: der Tod, hat das Wort. Schließlich heißt das Stück nach dem Roman von Cornelia Funke "Tintentod". Und so überlässt Regisseur Lars Emrich bei der Premiere des Kinder- und Jugendtheaters dieser wichtigen Figur mit ihrem weiten, silbernen Umhang die Einführung ins Stück.

739 Buchseiten in knapp zwei Stunden Aufführung zu packen, das ist schließlich eine Herausforderung. Emrich meistert sie, indem er immer wieder Schlaglichter auf einzelne Szenen wirft und die Handlung auf die Hauptpersonen in dieser Welt hinter den Buchseiten konzentriert.

Mo (Tobias Uhl), der Buchbinder, geht inzwischen ganz im Räubergesellen "Eichelhäher" auf. Er will die einfachen Leute vor der Grausamkeit des "Natternkopfes" retten. Wunderbar eklig ist dieser Herrscher (Udo Dülme) gestaltet, der aufgrund eines von Mo gebundenen Buches zwar unsterblich ist, aber bei lebendigem Leib verfault. Deshalb möchte er Mo fangen, der seinerseits eine Rechnung zu begleichen hat.

Für einen unterhaltsamen Kontrast sorgt der achtjährige Johannes Klein als sein Enkel Jacopo mit seiner bemerkenswerten Bühnenpräsenz. Das durch ihn herbeigeführte Happy End kommt allerdings ohne den Handlungsstrang ringsherum etwas plötzlich.

Sehr düster wirkt die Bühne. Bühnenbildner Laurentiu Tuturuga hat die netzartigen Stellwände vom zweiten Teil der Triologie diesmal noch weiter verhängt, als wäre alles mit Spinnweben zugewachsen. Kalte Lichtfarben herrschen vor. Die Musik von Andreas Grimm gruselt zusätzlich.

Lebendig sind nur die Figuren, die sich in dieser gefährlichen Welt bewegen: Meggie (Charlott Hoebel), die Tochter von Mo, Resa (Eva Grützenbach), seine Frau, deren Freundin Roxane (Silke Welbers) oder der schwarze Prinz (Biniam Gebremehedin). Sehr authentisch tritt Knut Heimann als Feuerkünstler Staubfinger auf. Leuchtende Kugeln, an der Schnur durch die Luft gewirbelt, bilden so "Feuerringe".

Nur durch die Hilfe von Staubfingers Zauberkünsten und durch Resas Mut schafft es Mo schließlich, den Natternkopf zu besiegen und den Bewohnern der Zauberherz-Welt Frieden zu geben. Den Zuschauern beschert er zwei sehr spannende, mitreißende Stunden, die auch ohne Kenntnis der anderen Teile gut zu verstehen sind.

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