Tierschützer machen Wuppertaler Zoo wegen Bonobo-Affe Bili Vorwürfe

Extrem belastende Situation: Affenjunge Bili: Tierschützer werfen Wuppertaler Zoo „katastrophales Fehlverhalten“ vor

Der Bonobo-Affe Bili im Wuppertaler Zoo hat Verletzungen an Ohren, Fingern und Füßen. Wenn sich die Situation nicht bessert, muss das Tier möglicherweise eingeschläfert werden.

Die Bonobos gelten als eine besonders gesellige Affenart mit einem ausgeprägten Gruppenverhalten. Der Bonobo-Junge Bili lebt seit einigen Wochen im Wuppertaler Zoo und macht Sorgen: Er hat Verletzungen an Ohren, Fingern und Füßen, verhält sich völlig verängstigt. Schuld daran ist die Affengruppe, in die er integriert werden soll. Von „massivem Mobbing“ ist die Rede, „katastrophale Haltungsfehler“ wirft Colin Goldner von der Organisation Great Ape Project dem Zoo vor.

Zoodirektor Arne Lawrenz erklärt Bilis trauriges Schicksal. Er verlor seine Mutter, wurde von Menschen aufgezogen. Das mache ihn schwer in Affengruppen integrierbar, denn in den von Weibchen dominierten Gruppen brauchten junge Männchen die Mutter als Schutz. In Frankfurt, wo er herkommt, konnte er deshalb nicht bleiben. Weil Wuppertal ein Männchen braucht, sollte hier ein Versuch unternommen werden. Doch die Weibchen beißen Bili. „Wir hoffen, dass unsere beiden Männchen ihn schützen“, sagt Arne Lawrenz, bisher habe das noch nicht gereicht.

„Die Situation ist extrem belastend auch für uns.“ Sie seien ständig mit dem Europäischen Haltungs- und Zuchtprogramm und dem Zoo Frankfurt in Kontakt, dächten auch über die Aussonderung eines Weibchens und seiner Söhne nach.

„Wir hoffen, dass Bili irgendwann integriert wird.“ Gelinge das nicht und finde sich auch keine andere Stelle für ihn, sei leider auch Einschläfern eine Option. Denn „Alleinbleiben ist schlimmer als Einzelhaft“, betont Lawrenz.

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