Theaterfreunde weiten ihr Angebot aus

Theaterfreunde weiten ihr Angebot aus

Für die rund 1000 Mitglieder lohnt es sich nun noch mehr, die städtischen Bühnen zu unterstützen.

Das Kulturangebot einer Stadt gehört zu den sogenannten freiwilligen Leistungen. Die fallen Kommunen wie Wuppertal angesichts permanenter Geldnot immer schwerer. Sie sind auf private Unterstützung angewiesen. Dieser Aufgabe hat sich vor 38 Jahren der Verein Theaterfreunde Wuppertal verschrieben. „Wir unterstützen Schauspiel, Sinfonieorchester und Oper in unserer Stadt“, sagt der Vorsitzende und ehemalige Sparkassenchef Peter Vaupel.

Diese Unterstützung ist bitter nötig. Wuppertal gibt für Kultur im Jahr etwa 22 Millionen Euro aus. Von geringen Zuschüssen des Landes für das Pina-Bausch-Ensemble abgesehen, muss die Stadt diese Ausgaben selbst finanzieren. Sie sind freiwillig, können also jederzeit dem Rotstift zum Opfer fallen, wenn das Geld für Pflichtaufgaben nicht reicht. Dieses Damoklesschwert schwebt seit Jahr und Tag über Wuppertal. Zusammenschlüsse wie der Theaterverein arbeiten dafür, dass der seidene Faden an den Enden des Schwertes nicht reißt. „Wir haben rund 1000 Mitglieder“, sagt Vaupel. „Einzelpersonen bezahlen bei uns einen Jahresbeitrag von 35, Ehepaare 55 Euro.“

Diese Einnahmen reichten freilich nicht, um die Kultur zu retten. Sie reichen aber, um eine Gemeinschaft zu schaffen und beisammenzuhalten, die Wuppertals Künstler unterstützen, die es beispielsweise Schulklassen ermöglichen, kostengünstiger an Aufführungen zu kommen, und sie reichen, um den Bühnen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Dass die Theaterfreunde trotz des verhältnismäßig niedrigen Jahresbeitrages der rund 1000 Mitglieder die städtischen Bühnen jedes Jahr mit mehr als einer Million Euro unterstützen, ist umso bemerkenswerter. „Wir akquirieren Spenden“, erklärt Vaupel. Ein großer Geldgeber ist beispielsweise das Haus, in dem Vaupel selbst fast 50 Jahre gearbeitet hat. Aber es gibt auch einige andere Unternehmen, die ihre Kassen immer wieder für die städtische Kulturlandschaft öffnen. Andernfalls wäre das Angebot sicher schon nicht mehr so breit und hochwertig, wie es heute noch ist.

Mit dem Spendengeld unterstützen die Theaterfreunde beispielsweise aufwendige Inszenierungen und helfen, Gastregisseure zu bezahlen. Außerdem ist der Bau der kleinen Spielstätte für das Schauspielensemble am Engelsgarten vor allem auf das Engagement des Vereins zurückzuführen. Kulturdezernent Matthias Nocke (CDU) nennt die Theaterfreunde denn auch einen „wesentlichen Partner für die Bühnen und das Orchester“. Die Mitglieder des Vereins seien äußerst wichtige Multiplikatoren für die Kultur in Wuppertal.

Aber die staatlich geförderte Kultur und der Theaterverein teilen ein Problem. Das Durchschnittsalter des Publikums und der Theaterfreunde steigt. Beide sind auf junge Zuschauer beziehungsweise Mitstreiter angewiesen. Der Verein ist darauf eingestellt und weitet sein Angebot auf der Suche nach neuen Freunden aus. „Wir müssen und wollen einen Mehrwert schaffen“, sagt Vaupel. Einen Mehrwert hatte am vergangenen Samstag auch ein Termin vor der Premiere von „Pension Schöller“ im Opernhaus. Dort trafen sich die Theaterfreunde eine Stunde vor Spielbeginn mit Schauspielintendant Thomas Braus, um sich auf das Stück und dessen Einordnung in die Gegenwart einstimmen zu lassen. Vier Tage zuvor waren Theaterfreunde Gäste der letzten Hauptprobe vor der Premiere. Allerdings nur bis zur Pause. „Ein bisschen Spannung muss schon noch bleiben“, erklärt Vaupel. Außerdem sei es sehr erstaunlich gewesen, was sich an einigen Szenen bis zur ersten öffentlichen Aufführung noch verändert habe. „Das ist sehr lehrreich.“

Seit Neuestem dürfen Theaterfreunde zu den bis zu acht Probenbesuchen im Jahr bei Theater, Sinfonieorchester und Oper Gäste mitbringen. „Die müssen allerdings fünf Euro bezahlen. Aber die Besuche lohnen sich immer“, sagt Vaupel. „Und wenn ein Gast dann Mitglied wird, sind die Veranstaltungen im Jahresbeitrag enthalten.“

theaterfreunde-wuppertal.de

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