Einst in Wuppertals Wohnzimmern sehr beliebt Königin der Instrumente im Kleinformat - eine Teschemacher-Stubenorgel

Serie · Letzter Teil der Orgel-Serie stellt eine Teschemacher-Stubenorgel von 1760 vor – das Instrument war einst in Wuppertals Wohnzimmern sehr beliebt.

 Ursula van Eimern und Orgelbauer Berthold Prengel an der Teschemacher-Orgel der Philippuskirche.

Ursula van Eimern und Orgelbauer Berthold Prengel an der Teschemacher-Orgel der Philippuskirche.

Foto: Fischer, Andreas H503840

Wuppertal kann auf eine traditionsreiche Kultur des Orgelbaus und der Orgelmusik zurückblicken. Schon seit dem 18. Jahrhundert waren Hausorgeln ein beliebtes Musikinstrument wohlhabender Familien. Wer etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, besaß für Hausmusik und häusliche Andachten eine Orgel in der guten Stube. Viele dieser Stubenorgeln baute der berühmte Wuppertaler Orgelbauer Jakob Teschemacher (1711-1782).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägten die Firmen Ibach, Faust und Koch den Orgelbau in Wuppertal. Barmen und Elberfeld waren schon früh reiche Industriestädte und auch in der Bandwirkerstadt Ronsdorf und in Cronenberg, der Stadt der Werkzeugindustrie, wuchs das wohlhabende Bürgertum, das sich eines dieser prächtigen Instrument leisten konnte.

Heute sind nur noch wenige der Stubenorgeln erhalten. Eine steht seit 1969 in der evangelischen Philippuskirche im Wuppertaler Stadtteil Uellendahl. Sie gilt als eines der schönsten Instrumente des renommierten Orgelbauers Teschemacher aus der Elberfelder Mirke.

Bei geschlossenen Türflügeln wirkt die Orgel wie ein antiker Eichenschrank mit fein geschnitztem Zierwerk. Die Schleierbretter über den Pfeifen sind mit einer Mattvergoldung veredelt, zwei kleine Sterne beginnen sich zu drehen, sobald der Elektromotor eingeschaltet wird. Die Tasten des Manuals sind aus wertvollem Ebenholz und fühlen sich zart an wie Porzellan. Das besondere Instrument verfügt über sechs Register, darunter zwei halbe und zwei geteilte.

„Zum Andenken an August Freiherrn von der Heydt gestiftet von seiner Gattin“ lautet die Inschrift auf dem Metallschild an dieser wunderschönen Stubenorgel, die um 1760 für die Bankiersfamilie gebaut wurde. 1860 bekam sie die evangelische Gemeinde an der Kohlstraße als Geschenk.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Orgel immer wieder restauriert und umgebaut. Ein Pedal wurde angebaut, später wurde ein anderes „auf neuzeitliche Weise“ angehängt. Veränderungen an den Pfeifen wurden vorgenommen, der Klang dadurch verändert. Mal wurde die Orgel mit schwarzer Ölfarbe gestrichen, mal mit weißem Patina-Lack gespritzt, bis vom Eichenholz nichts mehr zu erkennen war.

Als die Kirchengemeinde 1991 beschloss, die Orgel grundlegend restaurieren zu lassen, kam viel Arbeit auf den Orgelbauer zu. „Die Windanlage war undicht, ebenso die Windlade. Die Orgel pfiff auf dem letzten Loch“, erinnert sich Bertold Prengel (84). In seiner Werkstatt in Herzkamp zerlegte er die Orgel in alle Bestandteile und baute sie von Grund auf wieder auf. Viele Holzpfeifen musste er erneuern, einige Originalteile von 1760 konnte er wieder verwenden, andere baute er nach historischem Vorbild millimetergetreu neu. Er entfernte das Pedal und erneuerte die Balganlage.

Es ist die einzige Stubenorgel und zugleich die kleinste Orgel, die der Orgelmacher restaurierte. Bertold Prengel hat viele Orgeln gebaut und in Kirchen und Gemeindezentren ihrer Bestimmung übergeben. Er ist ein Meister für Planung, Bau und Aufbau einer Orgel, kennt sich aus mit Mechanik, Akustik und Physik, und er beherrscht auch das Orgelspiel. Schon als junger Schüler verdiente sich der Sohn eines Pfarrers in Moers mit der Orgelmusik etwas Taschengeld dazu. Auch die Teschemacher-Orgel für die Philippuskirche konnte er daher selbst intonieren.

Vor fast 30 Jahren, am Reformationstag 1992, wurde die restaurierte Orgel feierlich eingeweiht. „Diese Orgel klingt sehr feinsinnig, sehr sensibel“, sagt Organistin Ursula van Eimern, die gerne auf dieser Stubenorgel spielt. Die kleine Orgel scheint wie für diesen zeltähnlichen Kirchenraum gemacht zu sein. Sie füllt ihn mit wunderschönen Klängen und kann trotz ihrer geringen Größe den Klangteppich beibehalten. „Sie hat einen sehr persönlichen Klang“, sagt van Eimern und stellt einzelne Register vor, aus denen man verschiedene Instrumente heraushören kann. Eine Altblockflöte, eine Violine oder eine Gambe.

Auch Bertold Prengel, der vor genau 50 Jahren seine Orgelbaufirma gründete, ist immer noch begeistert von dieser kleinen Orgel, die er vor 30 Jahren akribisch restaurierte.

Wenn zum Jahreswechsel 2023/24 die Philippuskirche aufgegeben wird, muss auch die Orgel umziehen. Kirchenmusikdirektor Jens-Peter Enk, Kreiskantor des Kirchenkreises Wuppertal, ist zuversichtlich, dass ein angemessener neuer Ort für die wertvolle historische Orgel gefunden wird. „Vielleicht gibt es einen Platz in der Unterbarmer Hauptkirche“, sagt Enk.