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Tennis-Ass will in den Wuppertaler Stadtrat

Sport und Politik : Tennis-Ass will in den Stadtrat

Zahra El Otmany, die erfolgreich für den SV Bayer aufschlägt, könnte zur neuen Vorzeigefrau der Wuppertaler SPD werden.

Disziplin, Ruhe und Zielstrebigkeit hat Zahra El Otmany von früher Jugend an im Tennissport gelernt. Diese Eigenschaften sollen der 29-Jährigen, die gerade mit den ersten Damen des SV Bayer den Aufstieg in die Niederrheinliga geschafft hat und amtierende Stadtmeisterin im Doppel ist, nun auch in der Kommunalpolitik weiterhelfen. Sie gehört zu den neuen Gesichtern der SPD im Wahlkampf, will das Direktmandat im Wahlkreis Langerfeld-Süd/Beyenburg zur Wahl erobern  und hat  von ihrer Partei darüber hinaus Listenplatz acht zugewiesen bekommen. Die Chancen, dass sie im nächsten Stadtrat sitzt,  stehen nach den jüngsten Umfragewerten, die die SPD bei 27 Prozent sahen, nicht schlecht. Aktuell stellt die SPD, die  2014 auf 30 Prozent gekommen war,  19 Ratsmitglieder.

Jung, weiblich und ein herausragendes Beispiel für gelungene Integration -  dieses Profil hat  sicher dazu geführt, dass El Otmany, die sich bereits bei den Jusos engagiert hatte und seit 2016 Mitarbeiterin im Büro der Bergischen SPD-Landtagsabgeordneten Dietmar Bell, Andreas Biallas und Josef Neumann ist, von ihrer Partei bereits eine gute Rolle zugewiesen wurde. Kürzlich durfte sie beim Besuch des SPD-Bundesvorsitzenden Norbert Walter-Borjans das Gespräch mit OB Andreas Mucke moderieren.

„Wuppertal ist meine Heimat und eine der schönsten Städte“

„Sie ist eine sehr kluge, empathische junge Frau mit klaren Werten. Im Sport hat sie gelernt, dass man an Zielen, die man hat, arbeiten muss, das ist auch in der Politik ganz wichtig“, sagt Dietmar Bell, der sie gar nicht zur Kandidatur habe bewegen müssen. „Sie ist selbst mit der Idee gekommen, etwas für die Stadt in der sie lebt, zu tun, das hat mich sehr gefreut“, so Bell.

„Wuppertal ist meine Heimat und für mich eine der schönsten Städte überhaupt“, sagt El Otmany selbst. Dabei hat sie bereits die Welt gesehen. Geboren in Marokko, holte sie ihre Mutter, die inzwischen mit einem Wuppertaler verheiratet war, 1998 nach Deutschland, wo sie in Ronsdorf aufwuchs. „Meine Einbürgerungsurkunde habe ich damals von Johannes-Rau überreicht bekommen“, erinnert sie sich. Ihr Stiefvater Alfred Vorsich nahm sie gleich mit zum Tennis, was ihr bei einer blitzschnellen Integration half. Mit einem Sportstipendium studierte El Otmany später in Iowa Psychologie, bereiste viele US-Städte, kehrte 2016 nach Wuppertal zurück, arbeitete auch Mal ein Jahr als diplomierte Tennislehrerin im Robinson Club auf Fuerteventura und in Agadir in ihrem Heimatland.

  „In Deutschland habe ich mich immer wohl gefühlt. Schon gleich am zweiten Tag habe ich eine Spielgefährtin gefunden, auch wenn wir uns anfangs nur mit Handzeichen verständigen konnten. Mit der bin ich bis heute befreundet“, erzählt El Otmany. Deutsch lernte sie schnell, fand sich in der Schule gut ein, machte am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium ihr Abitur.

Rassismus oder Anfeindungen habe sie nie erfahren oder es zumindest nicht so empfunden. „Wenn jemand meine Locken anfassen wollte oder mich bewundernd auf meinen dunklen Teint angesprochen hat, dachte ich, das wäre normal. Seit ich in den USA war, gerade in Iowa, wo es fast nur eine weiße Bevölkerung gibt und ich als Farbige angesehen wurde, mache ich mir darüber mehr Gedanken. Ich habe mich danach intensiv mit dem Thema black community befasst“, sagt sie. So nennt El Otmany Integration neben Bildung und Kultur auch einen Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit. Das Wichtigste sei,  miteinander ins Gespräch zu kommen, um gegenseitiges Verständnis aufzubauen.

Dass ein vermutlich über 50-Jähriger am Wahlkampfstand am Langerfelder Markt nur mit ihrem männlichen Kollegen und Langerfeld-Nord-Kandidaten Ben Thunecke sprechen wollte und offenbar nicht mit einer Frau, hat sie sehr wohl registriert, aber ruhig aufgenommen. Ruhe - noch so eine Eigenschaft, die sie im Sport gelernt habe. „Als 14-Jährige habe ich mal bei einem Turnier in Essen aus Wut meinen Schläger zertrümmert. Mein Stiefvater hat mich danach allein nach Hause fahren lassen. Das hat gewirkt. Heute gelingt es mir, negative Emotionen auf dem Platz nicht zu zeigen. Die ein oder andere Gegenspielerin macht das wahnsinnig“, berichtet El Otmany über ihren Lernprozess. Tennis spielen will sie übrigens  auch als mögliche Ratsfrau weiter: „Ich liebe diesen Sport einfach so sehr.“