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Teile von Elberfelds Stadtmauer entdeckt: „Eine Sensation“

Teile von Elberfelds Stadtmauer entdeckt: „Eine Sensation“

Stadtgeschichte: Von der mittelalterlichen Ringmauer war bislang so gut wie nichts erhalten. Weitere Funde sind möglich.

Wuppertal. Warum heißt der Wall Wall? Nun, die Frage ist so naheliegend, dass sie bei „Wer wird Millionär“ für nicht viel mehr als die 100-Euro-Stufe tauglich wäre: Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit verlief an der heutigen Innenstadt-Straße die Stadtmauer des alten Elberfeld — soweit die Überlieferung. Allerdings war bislang von der Mauer kein sichtbarer Rest erhalten — bis Arbeiter auf der Kanalbaustelle der Stadtwerke an der Ecke Wall/Schloßbleiche eine offenbar alte Bruchstein-Mauer freilegten (die WZ berichtete gestern). Sofort hatte der Baustellen-Betrieb an dieser Stelle zu ruhen und die Archäologen kamen ins Spiel. Für sie sind die Mauerreste, die etwa zweieinhalb Meter unter dem heutigen Straßenniveau liegen, schon jetzt „eine Sensation“.

So nennt es zumindest Dirk Herdemerten von der Firma Archbau, die für die wissenschaftliche Grabung in der Baugrube am Wall verantwortlich ist. Nach Auswertung der ersten Fakten — Bruchstein-Mauerwerk, etwa sechs Meter lang, bestehend aus zwei massiven Außenschichten und einem verfüllten Zwischenraum — legt sich der Archäologe so weit fest: „Das Mauerwerk ist in jedem Fall mittelalterlich und war einst ein Fundament.“ Weil die Beschaffenheit und die Höhenlage der Funde zudem mit jenen Mauerresten übereinstimmen, die im vergangenen Jahr an Turmhof und Poststraße als Teile der alten Burg Elberfeld gefunden wurden, ist für die Wissenschaftler von Archbau so gut wie sicher: Es handelt sich um Festungsmauern — also tatsächlich Teile jener Mauer, die sich einst um die mittelalterliche Burg und Freiheit Elberfeld zogen.

Rückblick: Irgendwann nach der Zeit Karls des Großen — die Überlieferung ist äußerst dünn — entstand die Siedlung Elberfeld mit der heutigen Alten Reformierten Kirche (geweiht 955) und einem befestigten Fronhof des Erzbistums Köln (der späteren Burg) als Mittelpunkt. Die sogenannte Freiheit Elberfeld wird im Laufe des Mittelalters mit Erdwall- und später Mauerringen befestigt. 1536 brennen Burg und Freiheit nieder — die Siedlung wird wieder aufgebaut, die Burg aber nicht. Stattdessen legt der Geometer Johannes von der Weyhe 1598 einen Plan Elberfelds an, um das Burggelände neu zu parzellieren. Diese — sehr ungenaue — Karte ist bis heute der einzige Anhaltspunkt für die Gestalt des mittelalterlichen Elberfeld.

Während die Archäologen am Wall weiter forschen, ruhen die WSW-Bauarbeiten in diesem Abschnitt — gezwungenermaßen. Wie lange die Dokumentation noch dauert? Das kann Herdemerten nicht genau sagen: „Es hängt davon ab, was wir noch finden.“ Der Boden am Wall, da ist der Forscher sicher, habe noch einige Geheimnisse zu bieten.