Teenie-Mütter auf Probe: Füttern und Wickeln für Schülerinnen

Teenie-Mütter auf Probe: Füttern und Wickeln für Schülerinnen

Bei einem Präventionsprojekt kümmerten sich Schülerinnen um Babypuppen.

Uellendahl. „Wenn es hier nicht klick macht, bringt die ganze Aufklärung nichts“, sagt Enisa Karajkovi und tippt sich mit dem Zeigefinger an den Kopf. Natürlich sei Aufklärung wichtig und sinnvoll, doch viele Jugendliche begreifen nicht wirklich, was es bedeutet, schwanger zu sein und Verantwortung für ein Baby zu übernehmen. Nach ein paar Tagen als Mutter auf Probe, ist sie froh, ihr Baby wieder abgeben zu können und in ihr eigentliches Leben als Schülerin zurückzukehren.

Enisa hat mit ihren Mitschülerinnen aus den zehnten Klassen der Hauptschule Uellendahl an dem Präventionsprojekt „Rund um die Zukunft — Baby-Bedenkzeit“ von Pro Familia teilgenommen. Das Projekt, das von den Lehrerinnen Heike Knorr und Sabine Simon begleitet wurde, fand erstmals an der Schule Uellendahl statt. Ein Grund: Im vergangenen Jahr waren gleich vier Schülerinnen schwanger geworden.

Ausgestattet mit Babysimulatoren in Form von Babypuppen, die auf das Verhalten drei Monate alter Babys programmiert sind, sollten die Schülerinnen lernen, dass ein Baby nicht nur süß ist, sondern vor allem eine Menge Verantwortung verlangt. „Das Baby schreit, wenn es Hunger hat oder gewickelt werden muss oder einfach getragen werden möchte. Und wie im echten Leben schläft es auch nicht durch, sondern wacht nachts auf und schreit abermals. Auch die richtige Handhabung ist wichtig, denn wenn der Kopf nicht gestützt wird, kann das Baby sterben“, erklärt Knorr die Funktionen der Puppen. Um die Babysimulatoren zu füttern oder zu wickeln werden die jungen Frauen mit einem Armband ausgestattet, dass einen Chip enthält. Sobald sie dem Baby damit über den Bauch streichen nehmen sie Kontakt mit ihm auf. Auch Trinkflaschen und Windeln sind mit einem Sensoren ausgestattet, die die Puppe registriert. Zum Schluss werden die Ergebnisse der einzelnen Puppen bei Pro Familia in Köln ausgewertet, so dass jede Schülerin ein individuelles Ergebnis erhält.

In einer Diskussionsrunde reden die Schülerinnen über ihre individuellen Erlebnisse mit den Babys. „Meine Puppe war besonders lebhaft“, sagt Enisa. „Sie hat mich um drei Uhr nachts mitten aus dem Schlaf gerissen und plötzlich kommt man in so ein Geschrei hinein.“ Vor allem zeitlich habe sie sich ganz neu orientieren müssen, um den Bedürfnissen des Babys gerecht zu werden: „Da ist nix mehr mit gemütlich Essen und in Ruhe Hausaufgaben machen.“

Jetzt ist die Puppe zwar wieder in Köln, doch heute Morgen im Bus habe sie Babygeschrei gehört und sich reflexartig umgeschaut, erzählt Enisa, die nächstes Jahr eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester machen möchte.

Das Resümee der Projekt-Teilnehmer ist recht einstimmig: „Es war keine Abschreckung Kinder zu bekommen, aber man sollte warten, bis man wirklich bereit ist, so viel Verantwortung zu übernehmen und die Schule sowie eine Ausbildung abgeschlossen hat.“

Ihre Lehrerin Simon ist zufrieden mit dem Verlauf und Erfolg des Projektes: „Ich denke, die Schülerinnen haben eine ganze Menge gelernt und es wird ihnen sicherlich helfen, bewusst mit den Themen Verhütung, Sexualität und Lebensplanung umzugehen.“

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