Tausende Wuppertaler Studenten sind nur fürs Semester-Ticket eingeschrieben

Nahverkehr : Tausende Studenten in Wuppertal sind nur fürs Semester-Ticket eingeschrieben

Auch in Wuppertal sind offenbar viele Studenten nur eingeschrieben, um günstiger Bus und Bahn in NRW zu nutzen. So sieht die Uni das Phänomen.

Studenten genießen Vergünstigungen, nicht nur an der Kinokasse, sondern auch beim Krankenkassenbeitrag. Und mit dem Semesterticket können sie sehr günstig den Nahverkehr nutzen. Es soll zahlreiche Menschen geben, die sich nur deswegen an der Uni einschreiben, aber nie ein Seminar besuchen. Wie viele das sind, lässt sich nur schätzen.

Die Uni Köln nennt auf Anfrage der Presseagentur dpa rund 4000 bis 5000, das wären zehn Prozent ihrer Studenten, die Uni Düsseldorf geht davon aus, dass 8000, rund ein Viertel ihrer Studierenden „Scheinstudenten“ sind. In Wuppertal könnten es bei einer Studierendenzahl von aktuell 23 000 zwischen 2300 und knapp 6000 Studenten sein.

Anna Bruns, Pressesprecherin der Universität, betont, dass eine Identifizierung von Scheinstudenten sehr aufwändig und mit hohen Kosten verbunden wäre. Sie seien nicht eindeutig erkennbar: „Wir müssen berücksichtigen, dass einige Studenten auch eine längere Pause aufgrund von Krankheit oder Kindeserziehung machen müssen.“ Diese Personen dürfe man nicht mit Leuten gleichstellen, die an der Uni eingeschrieben sind, um von Sozialleistungen zu profitieren.

Ob der Wegfall der Studiengebühren zu einem Anstieg der Scheinstudenten beigetragen hat, lässt sich ebenfalls nicht feststellen. Zwar ist die Studentenzahl nach Auskunft von Anna Bruns nach Abschaffung der Studiengebühren zum Wintersemester 2011/12 um 15 Prozent stärker gestiegen als zuvor, aber damals sei auch die Wehrpflicht weggefallen, sei im WS 2013/14 der doppelte Abiturjahrgang dazugekommen.

Bei den Krankenkassen verweist man auf die Universitäten: „Ob jemand tatsächlich aktiv studiert oder die Einschreibung nur zum Schein vorgenommen hat, können Krankenkassen nicht überprüfen“ , erklärt Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer. Das bestätigt die AOK Rheinland Hamburg.

Auch der Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) hat keine Zahlen dazu, wer als Scheinstudent das Semesterticket nutzt. VRR-Pressesprecher Dino Niemann erklärt, dass es nicht möglich sei, den finanziellen Schaden durch die Scheinstudenten zu berechnen. Er weist aber auch darauf hin, dass man nicht wisse, welcher Scheinstudent ohne Semesterticket eine Fahrkarte kaufen würde.

Bewertung des Verhaltens
fällt unterschiedlich aus

Illegal verhalten sich Scheinstudenten aus Sicht eines Rechtsanwaltes nicht: „Es ist nicht verboten, es gibt keinen Studierzwang“, sagt der Siegener Experte für Hochschulrecht, Christian Birnbaum. „Man kann diese Fälle politisch als Missbrauch sozialer Vergünstigungen ansehen.“

Ein Sprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) hat kürzlich diese Nutzung des Semestertickets kritisiert: „Das ist ein fatales Zeichen für die Gesellschaft.“ Denn neben den Erlösen aus dem Ticketverkauf bekommen die Verkehrsbetriebe Geld von der Öffentlichen Hand. Schein-Studenten führen also auf Kosten der Allgemeinheit verbilligt durch NRW. Die Verkehrsverbünde wissen aber auch: Stoppen können sie die „Semesterticket-Studenten“ nicht.

Im Gespräch mit der WZ sagt ein Wuppertaler Masterstudent (25), der anonym bleiben will: „Auch ich würde es machen, denn man kann es nicht nachweisen.“ Moralisch verwerflich findet er das Verhalten aber schon, weil die Vorteile zu Lasten der Steuerzahler gingen. Viele Studenten blieben in der Übergangszeit zwischen Studium und Beruf eingeschrieben, um sich finanziell etwas abzusichern. Wenn noch nicht klar sei, wie es weitergehe, dann sollte das akzeptiert werden, findet er. Anders sieht er die Situation bei Berufstätigen: Diese profitierten trotz regelmäßiger Einnahmen von einem Scheinstudium, nur um ein paar Euro zu sparen.

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