Talfahrt-Trio nimmt die Stadt Wuppertal aufs Korn

Kabarett : Talfahrt nimmt die Stadt aufs Korn

Trio gastierte mit seinem Jubiläums-Programm im TiC-Theater.

90 Jahre Wuppertal – eine Steilvorlage für das Talfahrt-Trio. Das Jubiläumsjahr feiern die Herren Scheugenpflug, Neutag und Rasch mit einem Extra-Programm. Und da eine Sonderedition einen neuen Ort vertragen kann, bespielten die die drei Satiriker erstmals das TiC-Theater. Auf den Ritt durch die Wuppertaler Stadtgeschichte stiegen die Gäste im ausverkauften Atelier gern ein, und Lacherfolge waren auch die mit Pointen gespickten Songs.

Wer die Jahreschroniken der Talfahrt kennt, weiß, dass der Alltag an der Wupper voller Absurditäten steckt. Dabei hatte schon die Stadtgründung im Jahr 1929 ihre komischen Seiten. Elbbarmen? Großwupp? Scheugenpflug und Neutag verkniffen sich ein Grinsen, als sie die damaligen Namensvorschläge für die Patchwork-Stadt aufzählten.

Mit historischen Anekdoten hielten sich die beiden jedoch nicht lange auf. Sie kümmerten sich lieber um Themen mit Gegenwartsbezug. Der Spott, der die ehemaligen Stadtspitzen traf – die beliebteste Zielscheibe war Johannes Rau –, ließ sich leicht auf die aktuell regierenden Politiker umlenken. Und von dort aus war das Dauerthema Finanzen nicht weit. Als „sexy pleite“ besangen die beiden Chronisten ihre Stadt, während Rasch sein Keyboard leidenschaftlich rockte.

Eine eigenwillige Auffassung hatten die Talfahrer auch von Heimatpflege. Da bekamen Bewohner aller Stadtteile ihr Fett weg. Beim Medley von Udo Jürgens-Melodien gab es „Griechischen Wein“ selbstverständlich nur in Oberbarmen, und „Scheuge“ behauptete, das Publikum halte sich bei Wuppertal-Liedern auffällig zurück. „Ist das für euch Cronenberger so schwer?“ Trotz dieser Käbbeleien kam das Verbindende nicht zu kurz. Egal welche Herkunft die Wuppertaler hätten – „in der Not hält man zusammen“, hieß es in einem Lied.

Von der Gegenwart sprangen die Drei in die Zukunft und nahmen sich der drohenden „Überalterungssituation“ in einem bitterbösen Sketch an. In Opa- und Oma-Klamotten träumten sie von der Gründung einer „Rentner-Armee-Fraktion“. Gut, dass Trude Unruh, Gründerin der „Grauen Panther“, das nicht mitbekam. Umso begeisterter waren alle, die mit im Saal saßen.

Selbst das kommende Jubiläum blieb nicht unkommentiert. 2020 feiert Wuppertal seinen berühmten Sohn Friedrich Engels. „Wer ist dieser Engels?“, lautete die Frage, die offen blieb. Das konnte einem wirklich zu denken geben. Denn wozu ist ein Jubiläum gut, wenn es nicht mit Inhalt gefüllt wird? Für das Jubiläumsprogramm der Talfahrt sprach, dass es einen nach rund zwei Stunden nicht ganz so ratlos zurückließ. Zumindest bekam man eine Ahnung, wie viel die Wuppertaler Gegenwart mit den letzten 90 Jahren zu tun hat.

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