Talentschule: Talentschule: Stadt trifft keine Vorauswahl

Talentschule : Talentschule: Stadt trifft keine Vorauswahl

Auch in der zweiten Runde des Schulversuchs sollen sich alle bewerben dürfen.

Bei der zweiten Runde zum Schulversuch „Talentschulen“ wird die Stadtverwaltung erneut keine Vorauswahl treffen oder Priorisierung festlegen. Das hat der Schulausschuss am Mittwoch – nach längerer Debatte – beschlossen.

Das NRW-Schulministerium fördert in einem sechsjährigen Schulversuch 60 Schulen als „Talentschulen“: An ihnen soll erprobt werden, ob an Schulen in schwierigen Stadtquartieren besondere Konzepte, zusätzliche Ressourcen und Unterstützung bei der Schulentwicklung zu besseren Leistungen der Schüler führen und soziale Nachteile in der Bildung überwinden können. Die für ihr Konzept ausgewählten Schulen erhalten 20 Prozent mehr Stellen, mindestens einen Schulsozialarbeiter und 2500 Euro für Fortbildungen.

In einer ersten Runde für das Schuljahr 2019/20 hatten sich aus Wuppertal das Gymnasium Sedanstraße, das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium (WDG) und die Gesamtschule Else Lasker-Schüler beworben. Die Linken konnten ihre Forderung, dass die Stadt durch eine Priorisierung die Chancen der Gesamtschule Else Lasker-Schüler erhöht, nicht durchsetzen. Die Stadt wollte die Entscheidung der Jury überlassen. Die wählte das WDG aus, was im Nachgang zu weiteren Diskussionen führte. Insgesamt hatten sich 149 Schulen beworben, 35 wurden ausgewählt.

Für die zweite Runde ab Schuljahr 2020/21 werden jetzt weitere 25 Schulen gesucht. Dafür stellte die Stadtverwaltung zur Diskussion, wie sie vorgehen soll. Karin van der Most (FDP) erklärte: „Es kann keine Priorisierung geben, denn wir wissen nicht, wie entschieden wird.“ Die Kriterien des Landes seien nicht klar. Durch eine Priorisierung würden Wuppertaler Schulen Chancen genommen. Schuldezernent Stefan Kühn berichtete, auch der Deutsche Städtetag habe die Intransparenz der Auswahl kritisiert.

Gunhild Böth (Linke) forderte, dass die Stadt den neuen Bewerbungen Daten über die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft anfügt. Denn das Ziel sei, Schulen zu unterstützen, die wegen der Zusammensetzung der Schülerschaft vor besonderen Herausforderungen stehen. Arme Kinder seien nicht gleichmäßig auf die Schulen verteilt. „Ich bin sehr dafür, dass wir eine Priorisierung vornehmen.“

Mehrere Sprecher der Schulformen sprachen sich gegen eine Priorisierung aus. Das bedeute eine zusätzliche Hürde, sagte zum Beispiel Ute Müller-Stashik für die Förderschulen. Der Vorschlag von Marc Schulz (Grüne), die Entscheidung auf den September zu vertagen, bekam Widerspruch. „Man kann nicht den Schulen sagen ,bewerbt euch’ und dann im September eine Priorisierung vornehmen“, so Karin van der Most.

Rüdiger Bein, Vertreter der Stadtschulpflegschaft, sagte, nachdem bekannt wurde, welche Wuppertaler Schule Talentschule geworden ist, „waren wir eigentlich einhellig der Meinung, dass es eine andere Schule verdient hätte. Ich verstehe nicht, dass jetzt alle keine Priorisierung wollen.“ Richard Voß, Sprecher der Grundschulen sagte: „Wir sollten Schulen mal ungleich behandeln. Wir sollten die Schulen in den Blick nehmen, die Förderung brauchen.“

Servet Köksal (SPD) warnte: „Ich habe die Befürchtung, dass die Schulformen gegeneinander ausgespielt werden.“ Man wisse nicht, wie die Jury auswählt, daher sei er auch gegen eine Priorisierung.

Am Ende stimmte eine knappe Mehrheit gegen eine Priorisierung.

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