Tagesmütter: „Mit Putzen würden wir mehr Geld verdienen“

Tagesmütter: „Mit Putzen würden wir mehr Geld verdienen“

Stadt stellt neue Pläne für die Betreuungspauschale vor. Die Tagesmütter befürchten Einbußen.

Wuppertal. Die Stadt muss den Tagesmüttern mehr als 3,90 Euro pro Kind pro Stunde zahlen - das hat ein Gericht jüngst festgestellt. Deshalb muss die Stadt zum 1. August eine höhere Pauschale finden. Aktuell plant Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn mit 4,50 Euro — wie er den Tagesmüttern am Mittwochabend mitteilte.

Zudem müssen sich die Tagesmütter auf weitere Neuerungen einstellen. Diese werden erst am heutigen Freitag zu einer Verwaltungsempfehlung an die Politik geformt, Änderungen sind vorbehalten. Trotzdem bergen die Vorschläge genug Zündstoff, um Tagesmütter-Sprecherin Ursula Tigges drohen zu lassen: „Dann klagen wir wieder.“

Zusammengefasst plant die Stadt bislang so: Statt 3,90 gibt es 4,50 Euro — dafür dürfen die Tagesmütter keine Zuzahlungen mehr bei den Eltern erheben, wie es bisher Usus war. Zusätzlich können die Tagesmütter eine Verpflegungspauschale mit den Eltern frei verhandeln. Eine weitere Besserung sei, so Kühn, dass die Stadt die Stundenpauschale weiter zahle, wenn das Kind bis zu 30 Tage lang krank sei oder die Tagesmütter bis zu 30 Tage lang wegen Urlaubs oder Krankheit nicht arbeiten.

Sozialdezernent Kühn wirkt enttäuscht, dass die Zahlen bereits jetzt an die Öffentlichkeit gelangt sind — denn zu dem Zeitpunkt stünden Verhandlungen mit dem Kämmerer und die Abstimmung mit seinem Dezernat noch an. Er könne den Unmut der Tagesmütter verstehen, gerade über den Wegfall der elterlichen Zuzahlung. Aber: „Das ist eine Vorgabe im neuen Kinderbildungsgesetz des Landes“, betont Kühn.

Diese Vorgabe könnten die Tagesmütter eigentlich gut finden. „Sie wurde geschaffen, um die Städte zu zwingen, uns besser zu bezahlen“, sagt Tagesmütter Tigges — nur seien 4,50 Euro nicht besser: Ab 5 Euro pro Kind und Stunde lohne sich der Job erst. „Ab dem 1. August werden Tagesmütter, deren Familie nur von diesem Job lebt, am Existenzminimum landen.“

Sie rechnet vor: Von den 4,50 Euro werden 1,80 Euro steuerfreie Betriebskosten abgezogen. 1,80 Euro, die auch wirklich benötigt würden: „Für Strom, Wasser und Spielmaterial für die Kinder.“ Bleiben 2,70 Euro pro Kind pro Stunde. Durchschnittlich betreut eine Wuppertaler Tagesmutter drei Kinder. „Da lege ich lieber die Füße hoch, andere würden mit Putzen mehr Geld verdienen“, sagt Tigges. Auch Sozialdezernent Stefan Kühn räumt ein: „Die Stadt wird deutlich mehr Geld bereitstellen müssen, am Ende kann aber weniger bei den Tagesmüttern ankommen.“

Die Tagesmütter warten die Vorlage ab, die am Montag der Politik vorgelegt wird. Bis zur Ratssitzung am 30. Juni will Tigges Lobbyarbeit betreiben: „Wir wollen jede Partei besuchen, um die Politiker aufzufordern, gegen die Vorlage zu stimmen.“ Ansonsten klagen die Tagesmütter. „Da haben wir langsam Übung drin“, sagt Ursula Tigges.