Interview: Sven Macdonald: „Jetzt geht es ums Wachsen“

Interview: Sven Macdonald: „Jetzt geht es ums Wachsen“

Sven Macdonald ist seit August Geschäftsführer der WQG. Die WZ sprach mit ihm über anstehende Projekte.

Wie sind Sie zu Ihrem neuen Posten gekommen?

Sven Macdonald: Andreas Mucke hat mich im Frühjahr angesprochen. Mich hat vor allem der Aspekt gereizt, die Wuppertaler Quartierentwicklungsgesellschaft (WQG) weiterzuentwickeln zu einer Stadtentwicklungsgesellschaft.

Was ist Ihre Vision für die Stadt?

Macdonald: Ich sehe die Funktion der WQG nicht darin, Visionen einzubringen. Die konzeptionelle Ebene ist Aufgabe der Stadt, der Abteilung Stadtentwicklung. Bei der WQG und einer möglichen Stadtentwicklungsgesellschaft liegt das Operative.

Aber was ist dafür zu tun?

Macdonald: Man muss sehen, was die Stadt ausmacht. Ihre Stärke sind die Mentalitäten der verschiedenen Viertel. Dann gibt es die gemeinsamen Themen, die Nordbahntrasse, die Wupper ist wieder ein Stadtfluss. Wuppertal ist sehr grün, immer ist irgendwo ein grüner Hügel zu sehen. Weil man in jede Richtung schnell in anderen Städten ist, ist Wuppertal als Wohnstandort ideal. Die WQG ist vor zehn Jahren mit der Idee des Wandels gestartet, jetzt geht es ums Wachsen. Weil wir räumlich kaum noch wachsen können, ist es umso wichtiger, wie wir mit dem Gebäudebestand umgehen. Er muss energetisch saniert werden, barrierefrei werden. Wie kriegen wir es hin, dass die Tallage wieder attraktiv wird? Da gibt es Baulücken und Brachen im Tal, Quartiere, die viel Potenzial haben.

Was ist mit den Innenstädten?

Macdonald: Historisch gesehen hat sich der Einzelhandel rasant ausgebreitet. Wenn er sich zurückzieht, ist das auch eine Chance - wie am Kasinokreisel, wo sich Gastronomie etabliert hat. Wohnen in der Innenstadt wird ein Thema, auch altersgerechtes Wohnen. Da kann die WQG helfen. Denn im Tal haben wir 90 Prozent Einzeleigentum, nicht eine große Gesellschaft. Wir bieten an, mit allen zu sprechen, gemeinsam Lösungen zu finden, die dann für alle einen Mehrwert bieten.

Welche Projekte stehen derzeit an?

Macdonald: Wir werden die Fokussierung auf Wichlinghausen und Oberbarmen beibehalten, dort steht jetzt einiges an, unter anderem, Eigentümern bei der Nutzung eines KfW-Förderprogramms für die energetische Sanierung und des Hof- und Fassadenprogramms zu unterstützen. Es wird weiter die Eigentümer-Abende in der Schwarzbach und in Wichlinghausen geben. Wir unterstützen auch Familie Bünger bei der Entwicklung des ArealsBOB-Kulturwerks. Darüber hinaus wird in Kürze mit der GWG das Modellhaus auf dem Sedansberg umgebaut. Da wird es unsere Aufgabe sein, die Sanierung eines denkmalgeschützten Wohnhauses für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Was für Ideen gibt es noch?

Macdonald: Eine Aufgabe könnte sein, Initiativen beim Kontakt mit der Verwaltung zu helfen. So habe ich vor acht Jahren der Utopiastadt geholfen. Wir müssen weiterhin die privaten Hauseigentümer bei anstehenden Sanierungen unterstützen. Eine zukünftige Stadtentwicklungsgesellschaft könnte auch in bestimmte Wohnviertel gehen, und dort die Problemimmobilien sanieren.

Wie ist die WQG aufgestellt?

Macdonald: Wir haben jetzt einen guten Personalstamm, wie Andreas Mucke ihn aufgebaut hat. Die WQG hatte im Frühjahr finanzielle Probleme, da haben die Gesellschafter eingegriffen. Aber wir können nicht von diesem Polster leben. Das geht zum Beispiel bei dem KfW-Programm, bei dem auch unsere Arbeit bezahlt wird. Wir machen auch viel ohne Geld, das wird sich langfristig nicht so halten lassen.

Was ist die Marschrichtung?

Macdonald: Es gibt unterschiedliche Wege, die Gesellschaft zu unterhalten. Wir sind eine privat-öffentliche Gesellschaft, diese Mischung ist gut. Wir haben Partner, die Ahnung von Wirtschaft haben und arbeiten auch mit diesen zusammen. Aber wir übernehmen auch viele öffentliche Aufgaben, und deren Finanzierung muss gesichert sein.

Wie ist also der Fahrplan?

Macdonald: Wir bringen ein Konzept aufs Papier bis Ende des Jahres. Dann müssen Stadt und Politik entscheiden. Da reden wir über 2018/19. Früher ist das haushaltstechnisch nicht drin.

Bei der WQG folgen Sie Andreas Mucke nach. Werden Sie auch Oberbürgermeister?

Macdonald: Nein. Dazu habe ich nicht die Ambitionen. Ich sehe die Leitung der WQG als eine fachliche Aufgabe.

Mehr von Westdeutsche Zeitung