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Super-Stimmung beim Luisenfest

Super-Stimmung beim Luisenfest

Trödeln, töttern, feilschen: Auf der Luisenstraße war wieder das ganze Viertel auf den Beinen.

Wuppertal. Lampenschirme, Arztwagen, große Schaubilder der Weimarer Republik über die "Verwertung des Knochens” oder ein alter rose-farbener Friseurstuhl rollen - beziehungsweise werden die Luisenstraße hoch und runter geschleppt. Noch ist genügend Platz, um die sperrigen Schnäppchen in Sicherheit zu bringen, ab 11 Uhr ist dann kein Durchkommen mehr. Gestern feierte die Luisenstraße ihr alljährliches Straßenfest zum Sommeranfang und das gesamte Viertel war auf den Beinen.

Auf dem Areal zwischen Laurentiusplatz und Sophienkirche entlang der Luisenstraße zeigen sich Tausende von Wuppertalern in Feierlaune. Neben diversen Bands, die für die gelungene musikalische Untermalung sorgen, steht im Mittelpunkt der große Flohmarkt.

Petra Branscheidt.

Mit zehn Euro in der Tasche sind normalerweise keine allzu großen Sprünge zu machen. Nicht so auf dem Luisenfest: Gleich zu Anfang, auf Höhe der Sophienkirche, lächeln den Schnäppchenjäger so einige Kuriositäten an, und die Nostalgiker-Herzen beginnen zu klopfen.

Das beliebte Kinderspiel "Spitz pass auf" aus den 50er Jahren ist genauso original wie verstaubt, ebenso ein dicker Schinken mit dem Titel "Remscheid wie es war - Teil 2". Standbesitzer Detlef Schmitz ist mächtig stolz auf seine Schätze - und er zeigt wahres Verkaufstalent. Um nicht gleich das Geld am ersten Stand auf den Kopf zu hauen, sucht der verzweifelte Käufer schnell nach einer billigeren Alternative. Mit dem Kauf einer Feinstaubmaske für 50 Cent gibt sich der ehrgeizige Händler dann schließlich zufrieden und versichert, schon ab der Brillerstraße damit der Gesundheit viel Gutes zu tun.

Ein paar Meter weiter liegt, fein säuberlich gefaltet, ein weiteres Objekt der Begierde. Die rustikale 70er-Jahre-Tischdecke mit knallrotem Blumenmuster muss es sein! Ein wenig gehandelt, und der Deal ist perfekt: Vier Euro für einen bunten Esstisch ist nicht zu viel verlangt. Lea Pistorius hat ihre schönsten Stücke bereits verkauft. "Schon um sieben Uhr kam ein Riesenschwung an Leuten vorbei", sagt sie. So früh kämen nur die echten Trödler, um sich die besten Stücke unter den Nagel zu reißen. "Jetzt beginnt der amüsante Teil des Tages", freut sich die Hobbyverkäuferin.

Nicole Hoppe.

Während an den Tischen noch kräftig begutachtet, gewühlt und gefeilscht wird, warten Gastronomen des Luisenviertels mit einer Fülle an kulinarischen Köstlichkeiten. Nicht zu vergessen sind dabei auch etliche Wein-, Cocktail- und Bierstände, die Trödler und Bummler mit der Zeit immer lustiger werden lassen.

Frank Stausberg.

"Der Flohmarkt hat Volksfestcharakter", sagt Dirk Arndt. Das persönliche Engagement der "Luisenviertler" mache den besonderen Charme der Straßenfeier aus. Und auch Petra Branscheidt ist froh: "Endlich hat man einen ganzen Tag Zeit, mit denjenigen zu quatschen, die man lange nicht mehr gesehen hat."

Und was ist aus den zehn Euro geworden? Am Ende sind sie auf ein paar lächerliche Cent geschrumpft. Doch die Ausbeute kann sich sehen lassen: Mit Feinstaubmaske, Tischdecke, einem Kochtopf - mit dem Tim Mälzer angeblich angefangen hat, für seinen Beruf zu üben und - und einer selbstgemachten Tomaten-Oregano-Marmelade in der Tasche, muss der Weg zum nächsten Bankautomaten aber doch noch eingeschlagen werden - schließlich will der Einkauf mit einigen Erdbeer-Daiquiries und Live-Musik ordentlich begossen werden.