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Studiengebühren vor dem Aus: Die Uni fürchtet Einbußen

Studiengebühren vor dem Aus: Die Uni fürchtet Einbußen

Der Landtag entscheidet über die Abschaffung von Studiengebühren. Während Studenten entlastet werden, ist Uni-Rektor skeptisch.

Wuppertal. Am heutigen Donnerstag soll im Landtag die Abschaffung der Studiengebühren beschlossen werden. Diese Entscheidung hat auch für die Bergische Uni weitreichende Konsequenzen. Nicht nur für die Studenten, deren finanzielle Belastungen reduziert werden. Seit dem Wintersemester 2006/2007 müssen die Studierenden in Wuppertal pro Semester 500 Euro Gebühren zahlen. Damit zählt die Bergische Uni zu den 20 Hochschulen in NRW, die bisher den Gebühren-Höchstsatz von ihren Studenten verlangt haben. 16 Hochschulen erheben geringere oder gar keine Gebühren.

Uni-Rektor Lambert T. Koch fürchtet durch die Abschaffung der Studiengebühren ein deutliches Minus in der Kasse. Bislang habe die Uni durchschnittlich 10 Millionen Euro pro Jahr durch die Studiengebühren eingenommen. Als Ausgleich will die Landesregierung Kompensationsmittel in Höhe von 249 Millionen Euro jährlich zahlen — so viel Geld wie die Hochschulen 2009 durch Gebühren eingenommen haben. Genau an diesem Punkt sieht Koch jedoch mehrere Probleme. „Auch die Hochschulen, die keine Gebühren erhoben haben, bekommen anteilig so viel Geld aus dem Topf wie wir.“

Die ausgeschüttete Summe richtet sich nach der Zahl der Studierenden. Heute sind das in Wuppertal rund 14.300. Doch diese Zahl wird in den kommenden Jahren, bedingt durch die Aussetzung der Wehrpflicht und doppelte Abiturjahrgänge, deutlich ansteigen. Koch bezweifelt jedoch, dass die Ausgleichszahlungen daraufhin angepasst werden. „Wir rechnen jetzt damit, dass uns jährlich mindestens zwei Millionen Euro fehlen werden“, sagt Koch. Geld, das die Lehre verbessern soll.

Selbst Asta-Vorstand Marek Drulla teilt den skeptischen Ton des Rektors. „In erster Linie ist die Abschaffung der Studiengebühren natürlich etwas Positives. Ich habe jedoch die Sorge, dass die Uni am Ende mit deutlich weniger Geld dasteht und die Lehre sich wieder verschlechtern könnte.“

Noch beim Bildungsstreik im Sommer 2009 forderten die Studenten die Abschaffung der Studiengebühren. Ein Jahr später gaben lediglich sieben Prozent der befragten Studenten an, dass eine Verbesserung der Lehre seit Einführung der Studiengebühren erkennbar sei. Das ergab eine nicht-repräsentative Erhebung der Uni Hohenheim.

Viele Studenten dürften der Entscheidung in Düsseldorf entgegen fiebern. So wie Erik Fechtner und Roman Brenne, beide studieren im ersten Semester und finden die Entscheidung gegen Gebühren richtig. „Sie sind sozial ungerecht. Für manche ist das wirklich eine hohe Summe“, sagt Fechtner. Viele Studenten müssen nebenbei nicht nur für ihren Lebensunterhalt arbeiten, sondern zusätzlich noch für die Gebühren. Wenn die Eltern nicht helfen können, bleibt manchem nur noch der Gang zur Bank und die Aufnahme eines Kredits.