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Studentin prüft, ob der Wuppertaler Ölberg künftig autofrei werden kann

Verkehr : Studentin prüft, ob der Ölberg künftig autofrei werden kann

Lydia Jancak beschäftigt sich mit der Frage des autofreien Quartiers im Rahmen ihrer Bachelorarbeit. Für die befragt sie online auch die Anwohner.

Der Ölberg erinnert mit einem dichten Straßennetz und seinen klassizistischen Stuckfassaden an sonnigen Tagen an Städte in Spanien oder Frankreich. Das frühe Arbeiterquartier ist zum Hot Spot für Künstler und Start-ups geworden. Doch das Quartier hat nicht nur Charme, sondern auch seine Tücken. Die Straßen und teilweise auch die Gehwege sind vollgeparkt. Für Fußgänger mit Kinderwagen oder Menschen, die im Rollstuhl sitzen, gibt es kaum ein Durchkommen. Nur manchmal, zum Beispiel beim Ölbergfest, gehört das Viertel den Fußgängern.

Deshalb stellte sich Lydia Jancak die Frage, wie das Viertel wohl ohne Autos aussehen würde. In ihrer Bachelorarbeit: „Autofrei trotz Berg? Das Ölberg-Quartier in der Wuppertaler Nordstadt“ untersucht sie, ob die Bewohner ein autofreies oder autoarmes Viertel wünschen und wie Alternativen zum Auto aussehen könnten. Auf das Thema stieß die Studentin der Ruhr-Universität Bochum, als sie ein Praktikum bei der Stadt Wuppertal im Verkehrsbereich absolvierte. „Ich habe mich gefragt, welches Viertel in Wuppertal als autofreies Viertel realisierbar wäre“, sagt Lydia Jancak, die selbst autofrei lebt.

Auf das Ölbergviertel wurde sie aufmerksam, weil die Initiative „Mobiler Ölberg“ mit der innovativen Mobilstation schon Wege für den Verzicht auf das Auto aufzeigt. Seit September 2019 steht die Mobilstation am Schusterplatz. Sie besteht aus einer Fahrradgarage für zwölf Fahrräder oder Pedelecs, einer Car-Sharing-Station, sechs Fahrradbügeln und zwei Taxi-Stellplätzen. In unmittelbarer Nähe fährt die Buslinie 643. Um sich ein Bild vom Ölberg zu machen, erkundete Lydia Jancak den Ölberg zu Fuß, mit dem ÖPNV und mit dem Auto. „Es ist sehr eng, vor allem Busse bleiben häufig in den schmalen Straßen stecken“, sagt Jancak. Zusammen mit ihrer Dozentin erarbeitete sie das Thema für ihre Bachelorarbeit.

Derzeit ist die Parksituation am Ölberg vor allem in den Abendstunden sehr schwierig. Foto: Fischer, Andreas H503840

Eine Fahrradlift-Lösung wie in Trondheim wäre eine Lösung

Dazu hat sie einen Fragebogen entworfen, der in drei Teile gegliedert ist. Im ersten Teil werden die Gegebenheiten abgefragt, unter anderem das Vorhandensein eines Führerscheins oder Pkw. Im zweiten Teil geht es um die Nutzung des Fahrzeugs und um die Frage, ob das Rad auf dem Ölberg genutzt werden kann.

Im dritten Teil möchte die Studentin erfahren, inwieweit sich die Bewohner ein autofreies Viertel wünschen. „Es könnte komplett autofrei sein. Stellplätze gäbe es dann nur am Rand des Quartiers“, sagt Jancak. Das hänge natürlich auch von den Gegebenheiten in der Stadt ab. Denkbar sei aber auch eine autoarme Variante, bei der die Bewohner die Parkplätze selbst finanzieren oder es nur noch Anwohnerparkplätze gibt.

Wer auf das Auto im Viertel verzichtet, muss auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Angesichts der bergigen Landschaft braucht es für Alternativen Hilfen, um die Steigung zu überwinden. Um bequem den Berg mit dem Rad hinaufzukommen, zieht die Studentin ein Beispiel aus der norwegischen Stadt Trondheim heran. Jarle Wanvik hatte, von der Funktion eines Skiliftes inspiriert, 1993 einen Fahrradlift entwickelt, der als Schiene im Boden eingelassen ist. Das Fahrrad wird mit Hilfe eines Fußtritts ohne eigene Körperkraft in Bewegung versetzt. Der Lift wurde nach Angaben von Jancak so konzipiert, dass er wenig Raum im öffentlichen Straßenverkehr einnimmt. Bisher wurden mit dem Fahrradlift, der in Trondheim eine Touristenattraktion ist, mehr als 220 000 Fahrradfahrer transportiert. Diese Lösung könnte auch für Wuppertal in Frage kommen, so die Studentin.

Für ihre Bachelorarbeit sucht Lydia Jancak weitere Bewohner, die sich an der Umfrage beteiligen. Unabhängig von ihrer Forschung, hat sie ein weiteres Ziel. „Wichtig ist mir, dass die Teilnehmer darüber nachdenken, ob sie nicht öfter das Auto stehen lassen“, sagt Jancak.