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Studenten forschen für die Verkehrswende

Campus Wuppertal : Studenten forschen für die Verkehrswende

Uni bietet seit zehn Jahren den Studiengang „Verkehrswirtschaftsingenieurwesen“ an. Das Angebot ist landesweit einmalig.

Wenn Professor Dr.-Ing. Jürgen Gerlach auf die Nachfrage nach dem von ihm mit verantworteten Studiengang Verkehrswirtschaftsingenieurwesen schaut, kann er mehr als zufrieden sein. „Wir haben jedes Jahr bis zu 500 Anfragen“, sagt der Professor für Straßenverkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik an der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen. Damit liegt die Nachfrage um etwa das Fünffache über dem Angebot, werden pro Wintersemester doch etwa 90 neue Studierende in dem Bachelor-Studiengang für VWing (so die Abkürzung für den etwas sperrigen Begriff „Verkehrswirtschaftsingenieurwesen“) zugelassen. Angesichts der großen Nachfrage greift ein sogenannter Orts-NC (Numerus Clausus) für den Studiengang.

Vor zehn Jahren wurde der sechssemestrige Bachelor-Studiengang für VWing an der Bergischen Uni ins Leben gerufen. Mittlerweile gebe es etwa 500 Studierende im Bachelor-Bereich, schätzt Professor Gerlach. Zudem existiert noch ein Masterstudiengang, der über vier Regelsemester geht. Und immerhin „30 bis 50 Prozent“ der Absolventen mit einem Bachelor-Abschluss würden anschließend auch noch den Master anstreben, sagt er. Dass der Studiengang VWing so stark nachgefragt ist, hängt vermutlich auch damit zusammen, dass er zumindest in der NRW-Hochschullandschaft „einzigartig“ ist, betont Gerlach. Vergleichbare Studiengänge gebe es ansonsten höchstens noch an der TU Braunschweig, der TU Dresden oder der FH Erfurt.

Anlass für die Einrichtung des Studiengangs sei unter anderem gewesen, dass es damals ein Forschungsvorhaben der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft gegeben hatte, das die Lehrinhalte im Bereich Verkehrsingenieurwesen untersucht und kritisch hinterfragt hatte. Zudem sei von Unternehmen aus der Branche in jener Zeit immer wieder der Wunsch geäußert worden, dass die Ingenieure für den Einsatz in manchen Bereichen mehr betriebs- und volkswirtschaftliche Kenntnisse sowie gegebenenfalls auch juristisches Wissen mitbringen sollten. Vor diesem Hintergrund wurden dann die Idee für die Einrichtung des Studiengangs „Verkehrswirtschaftsingenieurwesen“ an der Bergischen Uni geboren und die Lehrinhalte definiert.

Professor Gerlach war für die Konzeption verantwortlich. Neben Lehrinhalten aus dem Bauingenieurwesen und der Wirtschaftswissenschaft wurden auch neue Themenbereiche wie Güterverkehrsplanung, Verkehrsrecht oder Lichtsignalsteuerung ins Curriculum aufgenommen. Zudem wurde der Studiengang erfreulicherweise von Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen unterstützt, erzählt Gerlach. So übernahmen etwa die Deutsche Bahn und das Forschungszentrum Jülich die Finanzierung von Professuren. Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, die Wuppertaler Stadtwerke und der Flughafen Lübeck unterstützten durch weitere Professuren den VWing sowie die bereits bestehende klassische Verkehrsausbildung im Bauingenieurwesen.

Sicherheit im Radverkehr
ist ebenfalls ein großes Thema

Der Bachelor of Science VWing versteht sich als Kombination aus Verkehrsingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaft, im Wintersemester 2009/10 startete der Studiengang. Beteiligt sind die Fakultäten Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Sicherheitstechnik und Wirtschaftswissenschaft. Die Studierenden erhalten ein fachübergreifendes Wissen in dem Wachstumsmarkt „Verkehr“. Angesichts des Klimawandels handelt es sich um ein Thema, das in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen dürfte, ist doch im Zeichen der geplanten Reduzierung der Kohlendioxidemissionen immer wieder von der „Verkehrswende“ die Rede. Mit deren Beschaffenheit können sich auch die Studierenden an der Bergischen Uni befassen.

Die Bachelor-Studenten im Studiengang VWing befassen sich unter anderem mit Fragen nach den Umweltauswirkungen des Verkehrs, nach stadtverträglichem Güterverkehr, Bauplanungs- und Verkehrsrecht, nach Stadtplanung und Raumordnung, Straßenbau sowie Betriebsplanung im Öffentlichen Verkehr. Und ein weiterer Schwerpunkt widmet sich dem Thema der „Verkehrssicherheit“. Da werde dann zum Beispiel erforscht, wie sicher der Radverkehr in Dänemark, den Niederlanden und in Deutschland ist, erklärt Jürgen Gerlach. Bislang sei noch nie untersucht worden, in welchem der drei Länder der Radverkehr am sichersten sei.

Potenzielle Arbeitgeber für Absolventen des Studiengangs VWing sind unter anderem Verkehrsgesellschaften und -unternehmen, kommunale Verwaltungen, Logistikunternehmen, Ingenieurbüros und auch Aufsichtsbehörden oder Forschungseinrichtungen. Der Studiengang sei „ein Erfolgsmodell“, da die Nachfrage am Arbeitsmarkt sehr groß sei, freut sich Gerlach. Das bestätigen auch zwei Forschungsprojekte, die den Absolventen des Studienganges ausgezeichnete Zukunftsaussichten attestieren.