Streit über Weihnachtsmärktekennt keine Jahreszeiten

Streit über Weihnachtsmärktekennt keine Jahreszeiten

Die Stadtverwaltung arbeitet an einem Konzept für die Jahre 2019 bis 2023. Am Neumarkt scheiden sich die Geister.

Dass im Juni eine hitzige Debatte in einem Ratsgremium über die Organisation von Weihnachtsmärkten geführt wird, mag ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass bei diesem Thema nicht alles zum Besten steht. In der Sitzung des Ausschusses für Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung nahm Heiko Meins (SPD) den Beigeordneten Matthias Nocke (CDU) in die Mangel, nachdem der die Eckpunkte eines Konzepts für die Organisation der Weihnachtsmärkte in den Jahren 2019 bis 2023 vorgestellt hatte. Die SPD-Fraktion hatte sich konkretere Informationen versprochen und verwies auf die bevorstehende Rats-Sommerpause. In der Septembersitzung des Rates solle ja bereits über ein städtisches Konzept für die Weihnachtsmärkte in Elberfeld, auf dem Laurentiusplatz und in Barmen diskutiert und entschieden werden. Daher benötige man eine umfassendere Information.

Im Verlauf der Sitzung beruhigten sich die Gemüter allerdings wieder. Nocke wies auf die begrenzte personelle Ausstattung des Ordnungsamtes hin und gab zu bedenken, dass es schließlich „nicht die Kernkompetenz“ des Ordnungsamtes sei, einen Weihnachtsmarkt auszurichten.

Die Stadt hat die Organisation der Vergabe der Weihnachtsmärkte in eigene Regie übernommen, um eine europaweite Ausschreibung zu verhindern. Über Jahrzehnte hatten die Einzelhändler der IG 1 in Zusammenarbeit mit der Cultura GmbH die Weihnachtsmärkte in Elberfeld organisiert. Als die Interessengemeinschaft IG 1 die Agentur gegen eine andere austauschen wollte, kündigte diese eine Klage an. Zwischenzeitlich drohte der Weihnachtsmarkt 2017 ganz auszufallen, da bei einer Klage und möglichen Gegenklage keine Zeit mehr geblieben wäre, um die entsprechenden Händler zu finden.

Um dieses Dilemma für die kommenden Jahre zu vermeiden, beabsichtigte die Stadt zunächst, eine städtische Tochter zur Organisation der Märkte unter Leitung von Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing, zu gründen. Das sollte der SPD-Beteiligungsdezernent regeln. Gegen dieses Konstrukt legte die Bezirksregierung ihr Veto ein. Die Aufgabe wurde „nach unten“ an das Ordnungsamt delegiert. Große Veränderungen sind für den Weihnachtsmarkt auf dem Laurentiusplatz (gewünscht ist ein Themenmarkt — wie der Mittelaltermark) und auch den Barmer Weihnachtsmarkt nicht zu erwarten. Knackpunkt ist der Elberfelder Markt, dessen Attraktivität gesteigert werden muss, darin sind sich Politik und Verwaltung einig.

„Um zu erfahren, wie sich Geschäftsleute und Anwohner den Elberfelder Weihnachtsmarkt wünschen, haben wir eine Umfrage vorgenommen. Ganz klassisch mit Kugelschreiber und Klemmbrett. 308 Rückmeldungen gab es“, berichtete Matthias Nocke im Ausschuss. Die Vorschläge sollen in ein Konzept einfließen, das die Grundlage für die Ausschreibung bildet. Ordnungsamtsleiter Carsten Vorsich gab zu bedenken, dass der Katalog nicht mit Wünschen überfrachtet werden dürfe. „Wir müssen auch jemanden finden, der bereit ist, das Konzept umzusetzen“, so Vorsich.

In der Diskussion um den Elberfelder Markt wird seit Jahren über zwei Modelle diskutiert. Das eine sieht vor, die Stände wie bisher entlang der Fußwege der Passanten zu verteilen. Der Gegenentwurf sieht vor, die Weihnachtsbuden auf dem Neumarkt und dem Kerstenplatz zu konzentrieren. Für das zweite Modell zeichnete sich bei der Umfrage eine Mehrheit ab. Allerdings müsste in diesem Fall eine Lösung für die Markthändler vom Neumarkt gefunden werden. Deren Interesse, für einen Monat auf den Willy-Brandt-Platz vor der Rathaus-Galerie umzuziehen, ist alles andere als stark ausgeprägt.

Deshalb werden Diskussionen um die Weihnachtsmärkte auch in diesem Sommer hinter den Kulissen geführt. Vielleicht steht am Ende ein Kompromiss, bei dem die Markthändler mit ihren Ständen in den Weihnachtsmarkt integriert werden. Für den Elberfelder Einzelhandel ist ein attraktiverer Weihnachtsmarkt von großer Bedeutung. Im November und Dezember wird schließlich ein Großteil der Jahresumsätze erzielt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung