Streit: Ärger wegen angeblich unberechtigter Mieterhöhung in Wuppertal

Streit : Ärger wegen angeblich unberechtigter Mieterhöhungen in Wuppertal

Die Mieter des denkmalgeschützten Hauses an der Mirker Straße 61 in Wuppertal wollen die angeblich unbegründeten Mieterhöhungen der LEG nicht hinnehmen. Diese steht nun in der Kritik.

Trotz des Ärgers mit wechselnden Vermietern will sich Karin Velten ihr Leben in dem Mietshaus Mirker Straße 61 nicht vermiesen lassen. „Das ist eigentlich ein tolles Haus“, sagt sie. Wenn nur nicht der dauernde Ärger mit schwer nachvollziehbaren Nebenkostenabrechnungen, bislang nicht erfolgten Reparaturen oder den derzeit drohenden Mieterhöhungen in dem Objekt wären. Das 1895 erbaute, viergeschossige Wohnhaus ist für sie und ihre Nachbarn ein Heim, doch für die Immobiliengesellschaften, die das denkmalgeschützte Gebäude alle paar Jahre kauften und nach einiger Zeit wieder verkauften, sei es vor allem „ein Spekulationsobjekt“, klagt Velten.

Momentan drohen sechs Mietern des Eckhauses Verfahren vor dem Amtsgericht, weil sie den geforderten Mieterhöhungen des derzeitigen Eigentümers, der LEG Wohnen NRW GmbH, nicht zugestimmt haben. Ein erstes Verfahren für eine Mietpartei fand bereits Anfang Dezember statt: Die Richterin legte fest, dass die LEG erst einmal die Wohnung ausmessen muss, um die Größe der Räumlichkeiten festzustellen. Denn bei der Größe der Wohnungen gibt es zwischen Vermieter und Mietern unterschiedliche Einschätzungen. In der Regel würden die Wohnungen in den Mietverträgen zwischen sechs und acht Quadratmeter größer angegeben, als sie tatsächlich seien, sagt einer der Mieter, der wegen eines noch laufenden Rechtsstreit nicht mit Namen genannt werden möchte.

Etwa 30 bis 40 Euro sollen die Mieter pro Monat mehr zahlen. Das ist aus Sicht der Bewohner nicht gerechtfertigt, weil die Wohnungen kleiner sind, als in den Mietverträgen angegeben. Zudem werde bei der Berechnung nicht berücksichtigt, dass das Wohnhaus gegenüber der Nordbahntrasse liegt und Blick auf ein Gewerbegebiet hat. Vor allem an Werktagen gebe es immer Krach von dort, sagt der Mieter, der seit 1992 eine Wohnung im zweiten Obergeschoss bewohnt.

LEG Wohnen NRW ist ein Tochterunternehmen der LEG Immobilien AG, der ehemaligen landeseigenen Landesentwicklungsgesellschaft. Nach dem Verkauf durch das Land NRW an US-amerikanische Finanzinvestoren ging die LEG 2013 an die Börse. Nach Angaben des Mieterbundes Wuppertal und Umgebung versucht das Unternehmen schon seit etwa zwei Jahren, die Mietpreise in ihren Wuppertaler Objekten zu erhöhen. Bei der Begründung zu den Mieterhöhungen werde jedoch fälschlicherweise der Oberwert der jeweils gültigen Mietspanne des Mietspiegels angegeben, wie der Mieterbund auf einem Info-Blatt erklärt. Entscheidend sei jedoch der jeweilige Mittelwert.

Die LEG Wohnen, die das Haus 2017 erworben hatte, weist den Vorwurf zurück, überhöhte Mieten zu nehmen. Der durchschnittliche Mietpreis in Wuppertal betrage 6,08 Euro pro Quadratmeter, der LEG-Mietpreis liege mit durchschnittlich 5,56 Euro darunter, erklärt eine Sprecherin auf WZ-Anfrage. Die LEG-Mieten orientierten sich „am lokalen Marktumfeld“, berücksichtigten aber auch „die jeweiligen Ausstattungsstandards der Wohnungen.“

Baudezernent Meyer verweist auf Eigeninitiative der Mieter

Mit Blick auf das Haus Mirker Straße 61 räumt die Sprecherin ein, dass es Hinweise dafür gebe, dass die Wohnungen in dem Gebäude kleiner sind, als im Mietvertrag ausgewiesen. Deswegen würden alle Wohnungen, in denen „ein begründeter Zweifel“ bestehe, nun noch einmal ausgemessen. „Sollten sich dabei größere Abweichungen ergeben, werden wir die ausgesprochenen Mieterhöhungen selbstverständlich zurücknehmen“, sagt die Unternehmenssprecherin.

Unbestritten ist, dass Wuppertal – verglichen etwa mit der Rheinschiene – derzeit noch sehr moderate Mieten aufweist – und deshalb für Immobilieninvestoren von Interesse ist. Das weiß auch der städtische Dezernent für Stadtentwicklung und Bauen, Frank Meyer. Es gehe bei der Nachfrage nach Immobilien „kontinuierlich aufwärts“, Wuppertal werde auch für Geldgeber von auswärts immer interessanter. Um einen sprunghaften Anstieg der Mieten zu verhindern, gebe der neue Mietspiegel die Quadratmeterpreise für unterschiedliche Wohnungen mit unterschiedlichen Baujahren und Größen an. Sollten Mieter den Eindruck haben, dass die Mieterhöhungen nicht im zulässigen Rahmen bleiben, sei gegebenenfalls auch die „Eigeninitiative“ der Betroffenen gefragt, sagt Meyer.

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