Strategie: Wuppertaler sollen zu Grünstrom-Kunden werden

Strategie: Wuppertaler sollen zu Grünstrom-Kunden werden

Fördergelder des Klimafonds, der auf 260 000 Euro aufgestockt wurde, gehen nur noch an Kunden, die grünen Strom kaufen.

Wuppertal. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) ändern ihre Strategie, um den Anteil der Kunden, die grünen Strom abonnieren wollen, zu erhöhen. In Zukunft kommen nur noch die Grünstrom-Kunden in den Genuss von Fördergeldern aus dem WSW-Klimafonds. Bisher durften alle Kunden diese Gelder beantragen, wenn sie etwa einen besonders energiesparenden Kühlschrank gekauft hatten.

Federführend für die Strategieänderung bei den WSW ist Professor Norbert Hüttenhölscher, der den Bereich Neue Energiekonzepte leitet. Hüttenhölscher sagte am Donnerstag: „Unsere Grünstrom Kunden zahlen in den Klimafonds ein. Daher wollen wir sie bei ihrem Engagement, das über den Bezug regenerativer Energien hinausgeht, unterstützen.“

Norbert Hüttenhölscher darüber, dass der Anteil grüner Stromkunden nur ein Prozent beträgt, weil der Preis im Jahr etwa 35 Euro teurer ist.

Derzeit müssen die etwa 1700 Kunden, die den grünen WSW-Strom kaufen, pro Kilowattstunde einen geringen Aufpreis zum Standardtarif bezahlen. Dafür ist ihr Strom garantiert atomstromfrei, während der normale „graue“ Strom der Stadtwerke 2010 einen Atomstrom-Anteil von 8,5 Prozent hatte.

Nur etwa ein Prozent der WSW-Kunden beziehen den grünen Strom, — und das reicht Hüttenhölscher nicht. Seiner Auskunft nach kostet es einen Durchschnitthaushalt in Wuppertal lediglich 35 Euro im Jahr, wenn er auf grünen Strom umsteigt.

Die Stadtwerke kaufen den grünen Strom ein, der keinen zusätzlichen Gewinn abwerfe, wie WSW-Sprecher Holger Stephan erklärt. Aber: Der Klimafonds — der auf 260 000 Euro aufgestockt wurde — wird zu einem Teil aus den Erlösen dieses Stroms finanziert. Den Rest, das sind etwa zwei Drittel, schießen die WSW zu.

Der Klimafonds ist laut Hüttenhölscher jedoch nur eine Maßnahme der Stadtwerke, um den Ausbau der regenerativen Energien voranzutreiben. Neben dem Windpark im Helmstadt bei Würzburg sucht der Professor weitere Flächen für Windenergie, die die WSW kaufen wollen. Seiner Einschätzung nach ist die Windenergie schon in wenigen Jahren bei der Stromerzeugung im Vergleich zu fossilen Brennstoffen konkurrenzfähig.

„Wir wollen nicht nur das Klima schützen, wir wollen dann auch mit der Windenergie Geld verdienen können“, stellt er fest.

Damit skizziert Hüttenhölscher die Strategie der WSW, um selbst mehr Energie erzeugen zu können. Zusammen mit ihrem Partner GDF Suez Deutschland investieren die WSW derzeit ein Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Diesen Bau verteidigt Hüttenhölscher und weist darauf hin, dass Deutschland noch Jahrzehnte auf fossile Brennstoffe angewiesen sein wird — wenn 2022 das letzte deutsche AKW vom Netz geht. Dann, so der Professor, sei es für das Klima wichtig, dass moderne Kraftwerke mit hohem Wirkungsgrad Energie erzeugen.

Die WSW wollen zudem den Anteil regenerativer Energien in ihrem Strommix erhöhen. Wenn im Frühling der Windpark in den Betrieb geht, erhöht dies jedoch nicht den gewünschten Anteil. Der dort erzeugte Srom wird von den WSW ins Netz gespeist und bundesweit verkauft. Der Wuppertaler WSW-Strom wird ebenfalls gekauft — auf einer Strombörse. Der Anteil der regenerativen Energie im Strommix kann nur dann steigen, wenn die Energieerzeuger in Deutschland insgesamt mehr regenerative Energie ins Netz einspeisen. Daher gibt es nur eine Möglichkeit, sofort atomfreien Strom zu beziehen: Indem man grünen Strom kauft, ob bei den WSW oder einem anderen Anbieter.

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