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Straßenmusik ist Geschmackssache

Straßenmusik ist Geschmackssache

Die einen mögen sie, die anderen stört der Liveauftritt. Auch die neue Regelung ist umstritten.

Der Abend klingt bei einem Glas Wein aus und neben dem Biergarten sorgt ein Akkordeonspieler mit beschwingten Melodien für gute Laune. Die letzten Einkäufe werden begleitet von Geigenklängen, die eine Musikerin live in der Innenstadt spielt. Straßenmusiker machen den City-Besuchern ein zusätzliches Unterhaltungsangebot. Nicht immer stößt das auf Gegenliebe.

„Kommt drauf an“, ist die häufigste Antwort auf die Frage, ob Straßenmusik gefällt. Das sagt zum Beispiel Janja Müller (16), die auf dem Kirchplatz Kaffee schlürft. Ihr gefällt Musik am besten, wenn sie die Lieder kennt: „Dann ist es nicht so langweilig.“ Ihre Begleiterin Leana Rotter sagt: „Es darf nicht so laut sein, dass man sich nicht mehr unterhalten kann. Wenn es nicht zu laut ist, ist es schön als Hintergrundmusik.“

Die Lautstärke ist auch für ein älteres Trio am Cafétisch einige Meter weiter ein Kriterium: „Man muss den Altersunterschied betrachten“, erklärt eine Dame. Was jungen Leuten gefalle, sei ihnen häufig zu laut. Ihre Begleiterin ist ganz entschieden: „Ich finde das schön. Ist doch nett.“ Der Herr in der Runde sagt, dass ihn Musik meistens stört. Aber bei ganz klassischen Instrumenten ist er toleranter: „Ein Geiger kann ruhig rumgeigen.“

Auch bei Geschäftsleuten ist die Meinung gemischt: „Schön“ findet Fernandez Augustin vom Café Milias Coffee Musik auf den Straßen. „Das bringt Leben nach Wuppertal.“ Rizo Hepgüler vom City Eiscafé differenziert: Eine Flöte sei „richtig angenehm“. Aber manchmal sei es auch „zu laut und nicht schön“.

„Innenstädte müssen Erlebnisqualität haben“, das war für Oberbürgermeister Andreas Mucke Anfang 2017 die Motivation, die bis dahin geltende Regelung für Straßenmusiker zu ändern. Mussten sich die Künstler zuvor bei der Stadt anmelden, dürfen sie jetzt einfach drauflosspielen.

Dabei gelten weiterhin Regeln: Erlaubt ist Musik nur ohne Verstärker und montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr. Um die Zuhörer nicht zu sehr zu strapazieren, ist nach einer halben Stunde am Standort Schluss: „Es darf, jeweils mit der vollen Stunde beginnend, eine halbe Stunde gespielt werden. Die nachfolgenden 30 Minuten sind Ruhezeiten“, heißt es in der Regelung. Danach muss der Musiker den Platz wechseln und mindestens 200 Meter weit entfernt.

Ein Akkordeonspieler, der schon seit vielen Jahren die Wuppertaler mit seiner Musik unterhält, ist damit nicht ganz glücklich. Er halte sich an die Regeln, denn die Stadtmitarbeiter kennen ihn. „Die Durchreisenden, die halten sich nicht daran“, sagt er. Ähnlich ging es auch einem Mundharmonika- und Gitarrenspieler: „Ich habe mich brav an die Regeln gehalten.“ Aber er habe Musikerkollegen gesehen, die länger als die vorgesehene halbe Stunde spielten.

Das hat auch Katja Gunst, Filialleiterin des Süßwarengeschäfts Hussel an der Alten Freiheit schon erlebt: „Die machen höchstens eine Viertelstunde Pause“, berichtet sie. Sie und Mitarbeiterin Rebecca Glindmeier leiden oft unter er Lautstärke: „Manchmal haben wir Probleme, unsere Kunden zu verstehen.“

Ähnliches denkt auch Mehmet Kur, Inhaber des Cagdas-Friseurgeschäfts: „Das stört“, sagt er. Diana Bücheler, Filialleiterin bei Blumen Sanders, mag die Panflötenspieler. Aber Trompeten sind ihr viel zu laut. „Unerträglich laut“ fand Bäckereiverkäuferin Martina Paprotzki vor einiger Zeit zwei Trommler. Da habe sie irgendwann die Polizei gerufen.

Von Beschwerden kann die Stadt jedoch nicht viel berichten. „Eher marginal“ nennt Carsten Vorsich vom Ordnungsamt das Problem. Und auch Stadtsprecherin Ulrike Schmidt-Keßler sagt: „Es gibt keine Auffälligkeiten.“

Mathias Zenker von der Werbegemeinschaft IG1 sagt, für die Geschäftsleute trage die Musik durchaus zur Attraktivität der City bei. Aber es komme auch auf die Qualität an. Es wäre besser, wenn Musiker wie in anderen Städten erst ihr Können beweisen müssten. Doch das lehnt Sprecherin Schmit-Keßler ab: „Ich sehe nicht, wie die Kollegen vom Ordnungsamt das leisten sollten.“ Zenker kennt auch das Problem mit der Lautstärke und hält die neue Regelung für zu lax: „Was nicht geregelt ist, ufert aus.“