Strahlende Sieger beim Wuppertaler Tanzfilm-Festival

Kultur : Strahlende Sieger beim Tanzfilm-Festival

Im Rex-Kino waren vier Tage lang verschiedenste Filme auf höchstem Niveau zu sehen.

Konfettiregen, strahlende Sieger, die im großen Saal des Rex-Kinos bei der Preisverleihung des Tanzfilm-Wettbewerbs „Dancescreen“ gekürt wurden, sowie glückliche Veranstalter boten eine Atmosphäre, die man so nur von großen internationalen Award-Zeremonien kennt. Für vier Tage waren Wuppertal und Tanzrauschen der Nabel der Tanzfilm-Welt – und dies wird noch lange nachhallen.

Den Wettbewerb hatte das Internationale Musik + Medienzentrum (IMZ), vertreten durch Generalsekretärin Katharina Jeschke, ausgerichtet. Aus 67 Filmen aus mehr als 30 Ländern hatte die internationale Jury Preise unterschiedlicher Kategorien vergeben, etwa Bester Film, Bester Studenten-Film und zum allerersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs den „Social Movers Award“.

Dieser repräsentiert den Wunsch der Veranstalter nach einer Gesellschaft, die Tanz in all seinen künstlerischen Möglichkeiten als Ausdruck von Leben versteht: vielschichtig, inspirierend und offen – gemäß dem Festival-Motto „We live future now“. Vielschichtig und qualitativ hochwertig war auch das gesamte Filmprogramm des Vier-Tage-Marathons.

Charmant führten Kerstin Hamburg und ihr Tanzrauschen-Team durch den bunten Abend, der in der Preisverleihung seinen Höhepunkt hatte. The Great Ghosts (Originaltitel „Les Grands Fantômes“, Frankreich) von Pierre-Hubert Martin, erhielt als bester Film aller Kategorien 3000 Euro und war wie alle prämierten Filme bereits wenige Minuten nach der Verleihung auf WDR-Online zu sehen.

Er überzeugte die hochkarätige Jury vor allem durch tänzerische „Sisyphusarbeiten“, die sich szenisch in eine monumentale Landschaft einfügen und die Juroren nach eigenen Worten demütig sowie aufgeregt und begeistert zurücklassen.

Tänzer und Akrobaten, das Pendel von Foucault im Pantheon und das Publikum sind gemeinsam die Akteure einer einzigartigen Show, die in ständiger Bewegung ist. Vier spektakuläre Vorrichtungen sind Teil der Performance: ein Trampolin, eine Drehscheibe, ein prekäres Gleichgewicht sowie die berühmte Balance of Levity, die im Denkmal installiert ist.

Tanzfilme über
Verfolgung und Krieg

„Waiting for Color“ gewann die Kategorie Bester Studenten-Film und ist eine Tanzfilm-Dokumentation des Studios Karakashyan aus Bulgarien, die den Blick auf die raue Realität der Verfolgung von Menschen mit sexueller Ausrichtung anders als der Heterosexualität in Russland richtet.

Der Film thematisiert die Verhaftungen, Folter und Bedrohungen, die diese Menschen im Jahr 2017 erleiden mussten. 33 mutige Zeugen berichten über ihre individuellen Erlebnisse. Die Jury erklärte, der Film schärfe das Bewusstsein für die Realitäten von Ungerechtigkeit, Verfolgung und Diskriminierung.

„Dance or Die“ des niederländischen öffentlich-rechtlichen Senders NTR erhielt den Social Movers Award und beeindruckte die Jury nachhaltig, weil er den Tanz als Ort des Widerstands gegen den Krieg, verbunden mit andauernden persönlichen Opfern thematisiert:

Die Lebensphilosophie des syrischen Tänzers Ahmad Joudeh ist auf seinen Hals tätowiert, denn Tanz ist Ahmads Leben, aber es ist ihm unmöglich geworden, in seiner vom Krieg gebeutelten Geburtsstadt Damaskus zu tanzen. Er nutzte die Gelegenheit, um aus Syrien zu fliehen. Seit 18 Monaten lebt er in den Niederlanden und tanzt unter anderem in Produktionen des Nationalballetts. Wie für „Waiting for Color“ waren auch hierfür 1500 Euro Preisgeld ausgelobt.

Der Dank der Festival-Veranstalter galt der Wirtschaftsförderung des Landes NRW sowie der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung, dem Kulturbüro, der Stadtsparkasse und dem Wuppertal-Marketing sowie „dem fantastischen Veranstaltungsort“ Rex-Kino und seinem Betreiber Mustafa El Mesaoudi.