Jubiläum: Sterbende Menschen in den letzten Momenten begleiten

Jubiläum : Sterbende Menschen in den letzten Momenten begleiten

Ambulanter Hospizdienst „Pusteblume“ feiert 20-jähriges Bestehen. Ausstellung und Lesung stehen auf dem Programm.

Gertrud Ziller, Renate Materne-Polti und Sybille Zentner setzen sich in ihrer Freizeit mit einem Thema auseinander, dass die meisten Menschen lieber an die Seite schieben oder ganz ignorieren: dem Sterben und dem Tod. Die drei ehrenamtlichen Hospizhelferinnen betreuen seit mehreren Jahren todkranke Menschen und begleiten sie in den letzten Tagen ihres Lebens. Am Samstag waren die drei in die evangelische City-Kirche in Elberfeld gekommen, um dort mit Weggefährten, Unterstützern und Freunden das 20-jährige Bestehen des ambulanten Hospizdienstes „Die Pusteblume“ zu begehen.

Der Tod eigener Angehöriger brachte sie zum Hospizdienst

Alle drei Hospizbegleiterinnen waren über den Tod naher Angehöriger und Verwandter – Vater, Schwager oder Ehemann – mit dem Thema in Berührung bekommen und hatten erlebt, wie entwürdigend und unpersönlich das Sterben unter bestimmten Umständen sein kann. Dieses Erlebnis habe ihr „lange auf der Seele gelegen“, erzählte Zentner am Rande der Feierstunde. Damals habe sie das Gefühl gehabt, dass „das nicht so sein muss“, und sich deshalb entschieden, bei dem Hospizdienst mitzuarbeiten. Träger des Dienstes ist die Diakonische Altenhilfe Wuppertal.

Derzeit hat der Hospizdienst 75 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie fünf Koordinatoren und eine Verwaltungskraft. Es gibt jeweils ein Hospizbüro in Elberfeld (Blankstraße 5) und eines in Barmen (Stollenstraße 2-6). Der Frauenanteil liegt deutlich über dem statistischen Mittel: bei 90 Prozent. „Wir begleiten pro Jahr mehr als 200 Menschen“, sagte die Leiterin des Hospizdienstes, Katharina Ruth. Derzeit seien es etwa 30 bis 40 Menschen, die betreut würden – etwa zwei Drittel leben in Alten- und Seniorenheimen, ein Drittel noch zu Hause. Die Betreuungszeiten richten sich nach dem Bedarf der Sterbenden: Zunächst gibt es pro Woche ein bis zwei Termine, später können dann tägliche Treffen folgen. In den vergangenen Jahren sei zudem die Zahl der Betreuten konstant nach oben gegangen, weil immer mehr Menschen von der Arbeit der Hospizdienste erführen, berichtete Ruth.

Eine Hospizhelferin oder ein Hospizhelfer verstehe sich als Begleiterin oder Begleiter für die Sterbenden und deren Angehörige, sagte die Leiterin. Dabei verfolge der Helfer bei seinen Besuchen kein spezielles Programm, sondern sei eine Begleitung für den Todkranken. Das Programm bestimme der Sterbende. „Wir wissen im Vorfeld nicht, was wir bei den Menschen machen.“ Es gehe bei der ehrenamtlichen Arbeit darum, „Zeit zu verschenken“, bei den Betroffenen zu sein und diese Situation auch auszuhalten. Ziel ihrer Arbeit sei es, herauszufinden, was den betroffenen Menschen „gut tue“, ergänzte Hospizhelferin Ziller. Das könne Singen, Beten oder jede andere beliebige Tätigkeit sein, zu der der Betroffene Lust habe.

Allerdings könne es auch passieren, dass die Sterbenden oder deren Angehörige den Hospizdienst zunächst ablehnten, weil sie die Situation noch verdrängten. Da brauche es dann mitunter Zeit, bis auch die Betroffenen erkennen, dass die Zeit nun offenbar doch gekommen ist. „Viele verdrängen das Thema oder haben noch Hoffnung, dass es besser wird“, sagte Ziller.

Anlässlich des 20. Geburtstags des Hospizdienstes wird in der City-Kirche noch bis Anfang Dezember unter dem Titel „Späte Ernte“ eine Ausstellung mit 20 Bildern gezeigt, die von Patienten der Palliativstation des Florence-Nightingale-Krankenhauses der Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf gemalt wurden. Die Künstlerin Ute Zaruba-Simmonds hatte das Projekt betreut und Palliativpatienten beim Malen der Bilder unterstützt. Zu sehen ist die Schau montags bis freitags jeweils von 10 bis 18 Uhr. Bei den Exponaten handelt es sich um Fotos der Originale, die auch gekauft werden können. Der Erlös aus dem Verkauf soll der Arbeit der Palliativstation der Kaiserswerther Diakonie zugutekommen.

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