Stephan Vogt will seine Kunden ins Weltall befördern

Stephan Vogt will seine Kunden ins Weltall befördern

Der 39-Jährige ist Personal Trainer von zivilen Astronauten. Derzeit begleitet er vier Anwärter, die von einem Raumflug träumen.

Wuppertal. Einen ganz exklusiven Kundenkreis hat sich der Wuppertaler Stephan Vogt (39) aufgebaut. Vogt ist "Personal Trainer" von zivilen Astronauten, vielmehr von Menschen, deren großer Lebenswunsch es ist, in naher Zukunft mit dem ersten bemannten zivilen Raumschiff zu einem suborbitalen Raumflug zu starten.

"Das mag utopisch klingen, aber es haben bereits 60.000 Menschen jeweils 20.000 Dollar für die Voranmeldung an Virgin Galactics überwiesen und 200 sogar die volle Fluggebühr in Höhe von 200.000 Dollar", sagt Vogt, der seine Aufgabe darin sieht, seine Klienten körperlich und mental auf die entsprechenden Tests vorzubereiten, die dem Raumflug vorgeschoben sind.

Zurzeit begleitet er drei deutsche Kunden und einen Schweizer durch die Vortestphase.

"Ein einfaches Kriterium ist das Körpergewicht, denn mehr als 100 Kilogramm sind nicht zugelassen. Ein zentrales Problem sind die Fliehkräfte, wie sie zum Beispiel auch bei Autorennen oder beim Air Racing auftreten. Mit speziellen Übungen und der Akupressurtechnik werde ich meine Kunden auf den Test in der Zentrifuge vorbereiten, damit sie den Drehschwindel überwinden.

Dazu ist körperliches und mentales Training erforderlich. Die individuellen Grenzen zu erfahren und durch professionelles Training zu überwinden - das ist das Ziel", sagt Vogt, der demnächst beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring das Radevormwalder "race event-Team" betreuen wird.

Für die Rennfahrer, die sich am Steuer eines Wagens abwechseln, sei es wichtig, zwischen ihren Einsätzen zu entspannen. Das Training von Entspannungsmethoden stehe in einer späteren Phase auch für die angehenden Raumfahrer auf dem Programm.

Um die eigenen Grenzen auszuloten, hat der erfahrene Karatekämpfer (schwarzer Gürtel, 2. Dan) und Kenner der asiatischen Kampfkünste vor Kurzem der Mojave-Wüste einen Besuch abgestattet und dort seinen ersten Fallschirmsprung absolviert.

In der Wüste Kaliforniens soll das zivile Raumschiff SpaceShipTwo voraussichtlich im Jahr 2011 mit den zehn zivilen Passagieren starten. Ein Voraussetzung wird sein, dass die Passagiere Fallschirmspringen können, deshalb wollte ich das kennenlernen", sagt Vogt, der an eine rasante Entwicklung der zivilen Raumfahrt glaubt.

"In zehn Jahren wird es eine Flotte dieser Raumschiffe geben und diese Flüge werden keine Sensation mehr sein. Es gibt viele reiche Menschen, die sich so etwas leisten können. Die werden alles daran setzen, um sich einen solchen Traum zu erfüllen."

Einen Traum, den auch Stephan Vogt noch träumt. "Die Möglichkeit, die Erde in ihrer Verletzlichkeit einmal aus dem All zu sehen, das ist auch für mich ein besonderer Antrieb. Das ist auch ein Thema für mich selbst, sonst würde das alles doch keinen Sinn machen."

Mehr von Westdeutsche Zeitung