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Steinhaus ist ein Unternehmen im Rhythmus der Jahreszeiten

Der Konservenhersteller versorgt die Kunden das ganze Jahr über mit Obst : Steinhaus ist ein Unternehmen im Rhythmus der Jahreszeiten

Der Konservenhersteller versorgt die Kunden das ganze Jahr über mit Obst.

Frisches Obst in großen Mengen und bunter Vielfalt, ungekühlt und mindestens vier Jahre haltbar – das ist das Geschäft von Steinhaus & Co. Seit bald 100 Jahren versorgt das Remscheider Unternehmen Großverbraucher mit Frucht-Konserven – und stellt so sicher, dass Altenheimen, Betriebskantinen und in der Schulversorgung Äpfel, Kirschen, Erdbeeren und Rhabarber das ganze Jahr über zur Verfügung stehen.

Ein Pfund, mit dem die Firma wuchern kann, ist – neben Erfahrung, Kontakten und einer eigenen Lieferflotte – ihre große Lagerfläche von rund 15 000 Quadratmetern. Das entspricht mehr als zwei Fußballfeldern. „Wir können ja jedes Obst nur einmal im Jahr produzieren“, sagt Geschäftsführerin Beate Zentgraf. „Wenn die Ernte vorbei ist, ist sie vorbei.“ Danach müssen die Vorräte fürs restliche Jahr reichen. „Wir können nichts nachproduzieren.“

Beate Zentgraf führt das Familienunternehmen in dritter Generation, zusammen mit ihrem Bruder Friedhelm Steinhaus. Und zusammen mit ihren Kindern, die vierte Generation, die ebenfalls schon in der Firma aktiv ist. Rund 60 Mitarbeiter hat Steinhaus & Co., die, in Spitzenzeiten verstärkt durch Saisonkräfte, jedes Jahr etwa 30 000 Tonnen von 30 verschiedenen Obstsorten verarbeiten. Vertrieben werden die Produkte vor allem über den sogenannten zustellenden Großhandel und teilweise auch über C&C-Märkte.

Klassisch kommen die Früchte zusammen mit einem Aufguss roh in die Dose – und werden dann pasteurisiert. „Haltbar wird das Obst ausschließlich durch die Wärmebehandlung“, erklärt Beate Zentgraf. Als Verpackung dient in der Regel eine Weißblechdose. „Die ist gerade bei großen Gebinden stabiler.“ Und groß sind die Remscheider Dosen. Da, wo Konserven im Lebensmitteleinzelhandel aufhören, fängt Steinhaus erst an. Die kleinste Dose hat 800 Milliliter, die größte über zehn Liter Volumen.

Inzwischen hat Steinhaus das Sortiment um weitere Verarbeitungsformen erweitert. So gehören heute zum Beispiel Zwetschgen- und Marillenröster, ein ohne Wasser zubereitetes Kompott aus der österreichischen Küche, zum Programm. Aber auch „Heiße Früchte“ als Topping für Eis und Waffeln. Oder die Rote Grütze „Lenneper Art“.

Die Ideen zu neuen Produkten stammen oft direkt von Köchen und anderen Verwendern, berichtet die Geschäftsführerin. Die treffe man auf den vielen Messen, die man übers Jahr besuche. „Und weil wir diese Messen sehr ernst nehmen, entstehen daraus oft neue Produkte.“ Die „Heißen Früchte“ etwa kommen küchenfertig in einer angedickten Soße. „Das spart dem Koch einen Arbeitsschritt.“

Angefangen hat das Unternehmen als Großhandel für Bäckereibedarf. Ihr Großvater, der Firmengründer, habe nebenher Fruchtkonserven für Bäcker hergestellt, berichtet Zentgraf. „Und Fruchtpüree für die Eisherstellung, die damals noch in den Händen der Konditoren lag.“ Über die Jahre sei das Fruchtgeschäft immer weiter gewachsen, ab 1983 habe man sich ausschließlich darauf konzentriert.

Seither folgt die Arbeit bei Steinhaus & Co. dem Rhythmus der Jahreszeiten. Das brachte immer Unwägbarkeiten mit sich, die sich in Zeiten des Klimawandels noch verstärken. So hätte man eigentlich im Juni mit der Verarbeitung von Kirschen anfangen sollen, sagt Beate Zentgraf. „Die ersten Kirschen bekommen wir immer aus Ungarn.“ Doch wegen eines Hochwassers verschiebt sich die Ernte. „Und wir können nichts anderes machen, als warten.“

Gleich der nächste Rückschlag – nach Corona. Das Virus traf auch den Remscheider Konservenhersteller hart. „Die Hotellerie ist runtergefahren, die Gastronomie war es auch, und viele Kantinen waren geschlossen“, zählt Beate Zentgraf auf. Trotzdem zeigen sich auch hier die Vorzüge der Dose: Während andere Lebensmittelhersteller ihre Produkte nur entsorgen konnten, lagerte Steinhaus seine ein. Apfelkompott, Fruchtcocktail und heiße Himbeeren made in Remscheid sind auch noch lecker, wenn Corona schon fast wieder vergessen ist.