Steffi Graf kam, sah und siegte in der Wuppertaler Uni-Halle

Fotos erzählen Stadtgeschichte : Steffi Graf war in der Uni-Halle unschlagbar

1987 gab der Tennisstar ein einmaliges Gastspiel in der neu eröffneten Arena.

Packende Tennismatches – das hat es in der Wuppertaler Uni-Halle nur einmal gegeben. Doch dafür hatte es die im Dezember 1987 ausgespielte Wuppertaler Tennis-Trophy aufgrund der Top-Besetzung in sich. Das Turnier, an dem vier Spielerinnen auf Spitzenplätzen der Weltrangliste teilnahmen, wurde souverän von Steffi Graf gewonnen, die im gleichen Jahr in Paris ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen hatte und in Wimbledon nur an der Legende Martina Navratilova gescheitert war.

Tennis in den 1980er Jahren war dank Boris Beckers Wimbledonsieg 1985 zum Fernsehsport der Nation geworden. Stundenlang flimmerten die Übertragungen von den großen Turnieren und vom Davis-Cup zur besten Sendezeit über die Bildschirme. Als mit Steffi Graf zudem noch ein weiblicher Star die Konkurrenz in Boden spielte, war der Tennis-Boom perfekt. Doch wie kam es zum Turnier in Wuppertal, das live im Fernsehen übertragen wurde?

Dass Wuppertal für so manchen Tennisstar kein weißer Fleck auf der Landkarte geblieben ist, ist Hotelier Helmut Wilzbach zu verdanken. Im damaligen Hotel Juliana auf Mollenkotten bezog das deutsche Daviscup-Team bei seinen Spielen in der Dortmunder Westfalenhalle regelmäßig Quartier. Angeführt von Kapitän Niki Pilic genossen Boris Becker, Eric Jelen, Patrick Kühnen und Carl-Uwe Steeb dort die Ruhe und Abgeschiedenheit, die sie vor und nach dem Trubel in der Dortmunder Westfalenhalle dringend brauchten. „Wir haben den Spielern alle Wünsche von den Augen abgelesen“, erinnert sich Wilzbach. Der große Zampano hieß Ion Tiriac, Manager von Boris Becker und Berater von Steffi Graf. „An der Hotel-Bar hatten Tiriac und ich die Idee für das Turnier in der Uni-Halle. Voraussetzung war die Live-Übertragung, den Hauptsponsor hat Tiriac dann besorgt“, sagt Helmut Wilzbach. Am 11. November 1987 war die Uni-Halle eröffnet worden, das Tennisturnier war einer der spektakulären Höhepunkte der Eröffnungswochen.

Die Gegnerinnen waren
nur Sparringspartner

Und Steffi Graf? Die hatte mit dem Wimbledon-Finale 1987 vorerst zum letzten Mal einer Gegnerin gratulieren müssen. 1988 gewann sie den Golden Slam. Neben den Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York holte sie sich die Goldmedaille in Seoul. Wie sehr die Weltranglistenerste der Konkurrenz überlegen war, demonstrierte sie in Wuppertal. So mancher Zuschauer saß noch nicht auf seinem Platz, da waren ihre Spiele in der Uni-Halle schon beendet. Auch Manuela Maleeva, die es in der Weltrangliste bis auf Nummer 3 schaffte, war für „die Gräfin“ nicht mehr als eine Sparringspartnerin.

18 Jahre war Steffi Graf damals alt und in der Öffentlichkeit fühlte sie sich bei weitem noch nicht so sicher wie auf dem Tennisplatz. Das war auch bei einem Interview mit der WZ im Hotel Juliana am Vorabend des Auftaktmatches zu spüren, und es machte sie sympathisch. Da ihre Eltern erst einen Tag später in Wuppertal eintrafen, stellte sich Steffi Graf ohne Rückendeckung ihres Vaters Peter den Fragen und war am Anfang des Interviews fast so aufgeregt wie der Fragesteller selbst. Doch das Eis war schnell gebrochen, als Steffi Graf gefragt wurde, ob sie sich nicht manchmal wünsche, dass ihre Matches länger dauerten als 30 oder 40 Minuten. Das war tatsächlich ein Thema zu ihrer Glanzzeit, denn Steffi Graf schickte ihre Gegnerinnen reihenweise in Rekordzeit vom Platz. Nicht von ungefähr war sie als „Fräulein Vorhand“ gefürchtet. Bescheiden räumte Steffi Graf ein, dass sie im Training zumeist härter gefordert werde als bei den Spielen. Leider war das dann auch bei ihren Auftritten in Wuppertal so, denn die Zuschauer in der Uni-Halle hätten gerne noch mehr Ballwechsel mit ihr gesehen.

„Ich bin mit einem Freund, der mir den Tipp gegeben hat, nach London geflogen, um einen angemessenen Pokal zu kaufen“, sagt Helmut Wilzbach. Ein Hauch von Wimbledon wehte durch die Uni-Halle, als Oberbürgermeisterin Ursula Kraus die Trophäe nach dem Zweisatz-Sieg gegen Manuela Maleeva an Steffi Graf überreichte. Die war völlig überrascht, weil die Schale dem Pokal glich, den Martina Navratilova ihr in Wimbledon noch einmal weggeschnappt hatte. „Als sie abgereist ist, hatte sie sich den Pokal unter den Arm geklemmt. Ich bin mir sicher, unseren Pokal hat Steffi Graf bis heute behalten.“

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