Statt Fußballcamp beim FC Barcelona: Unternehmer verschwindet mit 26.000 Euro

Statt Fußballcamp beim FC Barcelona: Unternehmer verschwindet mit 26.000 Euro

Ein Sponsor von FSV Vohwinkel und BV Gräfrath hat 192 Kinder und Eltern um jede Menge Geld erleichtert.

Der Name auf den Trainingsanzügen und Sporttaschen wird getilgt. Aber die Erinnerungen sind noch sehr lebhaft — und sie schmerzen. Ein Sponsor des FSV Vohwinkel, der den C-Jugendlichen ein Fußball-Camp beim FC Barcelona versprach, hat sich mit 3000 Euro aus dem Staub gemacht. „Da ist das Vertrauen aufs Gröbste missbraucht worden“, sagt Pressewart Uwe Meurer. Für die Jugendlichen ist es kein Trost, dass der Schaden beim Solinger Verein BV Gräfrath noch größer ist: Dort verschwanden mit dem Wuppertaler Bauunternehmer gleich 23 000 Euro.

Beiden Vereinen hatte der Unternehmer seine Kontakte nach Spanien in den schönsten Farben ausgemalt. Dank großzügiger Sponsoren wie Nike sollte die Teilnahme an dem mehrtägigen Camp im kommenden Oktober kaum etwas kosten: gerade einmal 99 Euro für mitreisende Geschwisterkinder und 149 Euro für Erwachsene. Deshalb wollten schließlich 192 Personen mitreisen. Einige zahlten aber deutlich mehr, weil der vermeintliche Veranstalter immer neue Ausreden fand. Und als am 3. Mai der Tag der vermeintlichen Ticket-Übergabe kam, standen die Wuppertaler und Solinger Eltern und einige ihrer Kinder alleine in der Hako-Event-Arena in Vohwinkel.

„Ich habe die Panik in den Augen einiger Eltern gesehen“, sagt einer der Beteiligten. Ralf Schlupkothen, Mitglied des FSV-Jugendvorstands, machte sich direkt auf den Weg, um den Unternehmer persönlich aufzusuchen: „An der Adresse, die uns bekannt war, war die Wohnung leer.“ Die schöne Geschichte war abrupt zu Ende. „Man kann sich nicht vorstellen, was er uns alles erzählt hat“, berichtet Jugendtrainerin Nicole Kalcher. Niemand hatte Verdacht geschöpft; schließlich habe der Unternehmer im vergangenen Herbst noch 4500 Euro gespendet.

Und Fußball-Camps, weiß Pressewart Meurer, „gibt es mittlerweile ja überall“. In den 90er Jahren war er selbst, damals noch bei Bayer Wuppertal, mit drei Mannschaften in Barcelona. „Das war sehr, sehr schön. Das kommt immer gut an bei den Jugendlichen.“ Entsprechend groß ist jetzt die Enttäuschung. „Wir hatten keinerlei Zweifel daran, dass alles funktioniert“, erzählt Ralf Schlupkothen. Und man wusste ja, dass die Gräfrather bereits vorher begeistert eingestiegen waren.

Jeden Tag hatten sie in ihrer WhatsApp-Gruppe Berichte aus der schönen Fußballwelt bekommen, Fotos mit dem Bauunternehmer und prominenten Spielern oder Verantwortlichen. Bilder ließ der angebliche Gönner auch von den beiden Jugendteams der Vereine machen — von einem Mann, der im Auftrag von Sport Bild unterwegs sein sollte. „Damit haben wir nichts zu tun“, stellt Stefan Gelhausen, Chef der Fotoredaktion bei Sport Bild, klar. Versprochen war auch ein WDR-Bericht über die Reise in die katalonische Hauptstadt.

Alles ein Potemkinsches Dorf: Weil niemand hinter die Fassade blickte, blieb beispielsweise unbekannt, dass der Bauunternehmer laut Schuldnerverzeichnis in Hagen seit 2016 regelmäßig Kontakt mit dem Gerichtsvollzieher hatte: „Gläubigerbefriedigung ausgeschlossen“. Eine gleichnamige Vorgängerfirma in Frankfurt wurde wegen Vermögenslosigkeit aus dem Register gelöscht. In Frankfurt erinnert man sich in Fußballerkreisen ebenfalls ungern an den Abgetauchten.

„Genau wie bei uns“, kommentiert Michael Mehrer den aktuellen Fall. Der Jugendleiter des SV Niederursel und ein Freund vermissen 15 000 Euro, die sie dem Unternehmer zur Vereinsrettung in die Hand gedrückt hätten. Danach war er nicht mehr zu finden, hatte sich möglicherweise nach Marokko abgesetzt. Mehrer: „Über die Polizei ging gar nichts.“

Auch in Wuppertal, wo der Unternehmer bei der Polizei bekannt ist, machte man den Betrogenen wenig Hoffnung, als sie — wie Trainerin Nicole Kalcher — Anzeigen erstatteten. Dabei geht es für Einzelne um fünfstellige Summen — denn in Gräfrath hatte der Wuppertaler sich auch Geld geliehen, das er angeblich in eine Gaststätte am Sportplatz stecken wollte. Einen Besichtigungstermin mit Verantwortlichen der Stadt hat es sogar gegeben. Man habe dem angeblichen Investor aber schnell klargemacht, dass aus seinen Plänen nichts würde, heißt es bei der Pressestelle der Stadt Solingen.

Anders als in Wuppertal, wo jetzt der Name des Sponsors ausradiert wird, waren in Solingen die gespendeten Kleidungsstücke noch nicht einmal alle bezahlt: Der Verein musste bei zwei offenen Rechnungen über 1300 Euro einspringen, einigte sich aber mit dem Sportgeschäft auf eine niedrigere Summe. Trotzdem ist der finanzielle Schaden teilweise noch zu verschmerzen. Größer ist der Kummer: Beim BV Gräfrath, wo die Mädchen der U 11 nach Barcelona fliegen sollten, flossen viele Tränen — und es fielen Schimpfwörter, wie sie manche Eltern noch nie von ihren Töchtern gehört hatten.