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Start-up Rhinopaq entwickelt das Mehrwegsystem für Pakete im Onlinehandel​

Bergische Innovation : Start-up Rhinopaq entwickelt das Mehrwegsystem für Pakete im Onlinehandel

Das Start-up Rhinopaq hat eine nachhaltige Versandverpackung entwickelt – Gründer kommen ins Circular Valley.

Onlineshopping gehört für viele zum Alltag. Fast 30 Prozent der Deutschen kauft einmal pro Woche etwas im Internet. Als während der Lockdowns die Geschäfte geschlossen und viele Menschen über Wochen fast ausschließlich zu Hause waren, wurde noch mehr im Netz geshoppt. In dieser Zeit haben sich auch im Hausflur von Matthias Thesing – wie wohl in vielen Mehrfamilienhäusern – die Kartons gestapelt. Der Essener und seine Frau haben ebenfalls mehr bestellt, als sie es sonst gemacht haben. „Anschließend mussten wir richtig suchen, um noch ein freies Plätzchen in einem Altpapiercontainer zu finden, damit wir die Kartons wieder los wurden“, erinnert er sich.

Kunden senden
die Pakete zurück

„Absoluter Wahnsinn, wie viel Müll durch Versandverpackungen anfällt“, dachte sich der Familienvater und machte sich schlau: Jeder vierte Baum, der industriell gefällt wird, wird für Verpackungen verwendet. Das muss besser gehen. Gemeinsam mit seinem Freund und Co-Gründer Marc Diefenbach fing er an zu tüfteln. Warum auch nicht, Zeit hatten sie schließlich. Beide hatten gerade einen Abfindungsvertrag bei ihrem alten Arbeitgeber Siemens Energy unterschrieben. Thesing hatte geplant, mit Frau und Baby ein paar Monate im Camper die Welt zu erkunden. Corona hat diese Pläne durchkreuzt. Stattdessen konnte er an einer nachhaltigen Alternative zum Einweg-Pappkarton basteln. Mit Pappe und Schere machten sich die beiden Ingenieure ans Werk.

Entwickelt haben sie schließlich eine Mehrweg-Versandbox aus Kunststoff. 2021 gründeten die beiden das Unternehmen Rhinopaq. Die Idee des Start-ups: Die Onlinehändler versenden ihre Ware in der entwickelten Versandbox, genauso wie bisher im Pappkarton, an den Kunden. Dieser entnimmt seine Bestellung und faltet die Box einfach zusammen. Anschließend kann der Kunde sie dann in jeden Briefkasten der Post werfen, die sie zurück zu Rhinopaq bringt. Das Porto wurde bereits durch das Start-up bezahlt. In Essen werden die Boxen dann für den weiteren Einsatz auf Schäden geprüft und Klebereste werden entfernt. Dann kann die Box in die nächste Runde gehen.

„Diese Pay-per-Use-Variante eignet sich für den klassischen Onlinehandel. Eine weitere Zielgruppe sind Händler, die etwas verleihen oder vermieten. Diese können die Ware in der Box an den Kunden senden und dieser schickt sie in derselben Box auch wieder zurück“, erklärt Thesing. Zehn bis 20 Einsätze kann eine Rinopaq-Box absolvieren, bis sie entsorgt werden muss. Nach der dritten Nutzung ist die Box gegenüber einem herkömmlichen Versandkarton im ökologischen Vorteil.

Besonders interessant sei das Mehrwegsystem für Händler und Kunden, die ohnehin Wert auf Nachhaltigkeit legen. Per QR-Code im Inneren der Box können die Kunden sich anzeigen lassen, von welchen Unternehmen sie bereits verschickt wurde. Dieses Goodie dient nicht nur der Neugier der Kunden, sondern bietet auch einen Crossmarketingeffekt für das Unternehmen. „Wer nachhaltige Produkte kauft, interessiert sich vielleicht auch für das Angebot anderer Händler, die er vielleicht noch gar nicht kennt“, sagt Thesing.

Zwölf Shops versenden bereits mit Rhinopaq. Wobei die Kosten pro Karton bei 1,95 Euro liegen. Viel bleibt für das Start-up dabei nicht hängen. „Wir müssen allein für das Porto, damit die Box zu uns zurückkommt, 1,60 Euro zahlen. Von den anderen 35 Cent zahlen wir unter anderem die Produktionskosten“, so der Gründer.

Ende des Monats kommen die beiden zur vierten Runde des Circular Valleys nach Wuppertal, um weiteren Input für das Start-up zu bekommen. Zum einen hoffen die Gründer auf Investoren. Dann könnten sie ihre Teilzeitjobs aufgeben und nur noch für Rhinopaq arbeiten, denn das Start-up braucht die Ressourcen. Sie hoffen aber auch auf Unternehmen, die in der Lage sind, mit den Essenern noch an alternativen Materialien für die Boxen zu forschen. Denn momentan bestehen die Versandkartons zu 60 Prozent aus recyceltem Plastik. Der Rest ist nicht recycelt. „Ein alternatives Material wäre vielleicht noch nachhaltiger und könnte noch mehr Zyklen absolvieren“, wünscht sich Thesing.

Ein nächster Schritt wäre zudem, mit dem stationären Einzelhandel, zum Beispiel mit einer Supermarktkette, ins Gespräch zu kommen. Die Idee: Die Kunden können dort die Boxen abgeben. Wenn sie es schaffen, einen solchen Partner ins Boot zu holen, würden sie sehr viel Porto sparen. Dass sie mit ihrer Idee erfolgreich sein werden, daran zweifeln die Gründer nicht: „Immer mehr Menschen achten auf Nachhaltigkeit, Mehrwegsysteme sind die Zukunft. Und jetzt schon kommen 90 Prozent unserer Boxen zurück. Das spricht dafür, dass die Idee ankommt“, so der Gründer.