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Stadtwerke wollen mit ihrem Kraftwerk vom Kohlekompromiss profitieren

Kraftwerk : Millionenverlust, doch WSW behalten Kraftwerk

Stadtwerke gehen von einer Laufzeit in Wilhelmshaven bis Ende der 2030er Jahre aus.

Bis 2038 sollen alle klimaschädlichen Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Im Gegenzug will der Bund die Betreiber entschädigen. Dazu gibt es noch viele offene Fragen, und von den Antworten könnte auch die WSW Energie & Wasser AG profitieren. Sie hält 15 Prozent der Anteile an dem 2015 in Betrieb gegangenen Steinkohlekraftwerk Wilhelmshaven.

Aussteigen oder am Netz bleiben - das ist die Frage, der sich die Betreiber von Steinkohlekraftwerken in den kommenden Jahren stellen müssen. Wer früh aussteigt, darf auf eine Entschädigung durch den Bund hoffen. Wer als letzter abschaltet, dem schreibt eventuell der Gesetzgeber dies ohne Abschiedsgruß vor.

„Da das Kraftwerk Wilhelmshaven das vor Datteln letzte Kohlekraftwerk gewesen ist, das ans Netz gegangen ist, gehen wir davon aus, dass es auch als letztes Kraftwerk Ende der 2030er Jahre stillgelegt wird“, so ein Sprecher der Wuppertaler Stadtwerke. Zum aktuellen Zeitpunkt gäbe es keine Veränderung der Situation im Vergleich zu Januar 2019, als die Kohlekommission ihren Bericht vorgelegt hat. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass nach dem Votum der Kohlekommission Kraftwerke, die zum Zeitpunkt der Stilllegung jünger als 25 Jahre sind, ohne Abschläge entschädigt werden, so dass den Betreibern kein wirtschaftlicher Schaden entsteht. „Wir gehen davon aus, dass der Gesetzgeber diesem Votum folgt“, so die WSW.

Stadtwerke bilden Rücklagen in Höhe von 35 Millionen Euro

Über die Laufzeit des Kraftwerks Wilhelmshaven entscheidet maßgeblich der Hauptanteileigner, die Riverstone Holdings LLC. Eine lange Laufzeit ist allerdings nur dann von Vorteil für die WSW, wenn sich die Beteiligung vom Verlustgeschäft in eine lukrative Investition wandeln würde. Da durch den Zuwachs an erneuerbarer Energie (Wind, Sonne) seit Jahren keine konkurrenzfähigen Strompreise mit dem Kraftwerk erzielt werden konnten, mussten die WSW Rückstellungen in Höhe von bereits rund 35 Millionen Euro bilden. Es könnte noch teurer werden, wenn die Wende auf dem Strommarkt ausbleibt.

Die Verluste aus dem Stromliefervertrag, den die WSW mit langer Laufzeit abgeschlossen haben, beliefen sich 2016 auf 12,5 Millionen Euro, 2017 auf 9,6 Millionen Euro und 2018 auf 12,2 Millionen Euro. „Im Januar 2020 war Wilhelmshaven wieder nur einen Tag am Netz“, sagt der Stadtverordnete Klaus Lüdemann (Grüne) und kritisiert damit, dass das Kraftwerk weder konkurrenzfähig noch umweltfreundlich ist. Da Wilhelmshaven über kein Fernwärmenetz verfüge, werde bei einem Wirkungsgrad von 46 Prozent mit 54 Prozent der Energie die Nordsee erwärmt.

Stadtdirektor Johannes Slawig, zuständig für die Beteiligungssteuerung im Verwaltungsvorstand der Stadt, hofft auf bessere Rahmenbedingungen ab 2021, wenn Atomkraftwerke und Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen. Der Ausstieg der WSW aus der Beteiligung an der Jade sei aktuell nicht machbar, da der Preis für den Verkauf nach aktueller Marktlage wirtschaftliche Konsequenzen hätte, die für die WSW nicht zu verkraften wären. Als sich die Stadtwerke 2008 zu einer Beteiligung entschlossen haben, sei die Entwicklung der Stromversorgung durch erneuerbare Energie in diesem Maße nicht absehbar gewesen, so Slawig.

Im Mai 2019 hatte Heribert Stenzel für die Freien Wähler mit einer Großen Anfrage Auskunft zur Rentabilität der Beteiligung der WSW am Kraftwerk in Wilhelmshaven gefordert. Die Antwort der Verwaltung fiel ernüchternd aus: „Gewinne aus der operativen Tätigkeit wurden bisher nicht ausgeschüttet, da es in der Kraftwerksgesellschaft Verlustvorträge gibt.“