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Wuppertal: WSW: Ärger um neue Abrechnungspraxis

Wuppertal : WSW: Ärger um neue Abrechnungspraxis

Stadt will Gebühren von sogenannten Wasserbeauftragten einfordern lassen. Das Amt soll von Bürgern übernommen werden.

Vohwinkel. Wer möchte schon gern „Wasserbeauftragter“ sein? Dieser Posten rangiert derzeit bei den Bewohnern am Vohwinkeler Willi-Hildebrandt-Weg auf der Beliebtheitsskala ganz unten. Kein Wunder, schließlich hält sich die Attraktivität des Aufgabenbereichs in engen Grenzen. Hintergrund ist die Übernahme der Trinkwasserversorgung durch die Stadt von den Wuppertaler Stadtwerken (WSW). Dadurch soll sich in der Straße eine entscheidende Änderung bei der bisherigen Abrechnungspraxis ergeben.

Die städtischen Wasserzähler befinden sich dort in Technikgebäuden, die an die jeweiligen Hausreihen angrenzen. Für die Unterverteilung mit den entsprechenden Einzelabrechnungen sieht sich die Stadt nach der Übernahme nicht mehr zuständig. In einem Schreiben forderte sie die Bürger auf, so genannte „Wasserbeauftragte“ in den Häusern ernennen. Diese sollen die Gebühren der jeweiligen Bewohner dann für die Stadt einfordern. Das hat am Willi-Hildebrandt-Weg schon heftige Kritik ausgelöst. Auch in der Bezirksvertretung Vohwinkel am vergangenen Mittwoch machten die zahlreich erschienenen Anwohner ihrem Ärger Luft. Dort nahm die Verwaltung zum Thema Stellung.

„Nach der Satzung der Stadt darf die Ablesung nur an öffentlich gewidmeten Zählern erfolgen“, erklärt Christina Nickel, stellvertretende Betriebsleiterin im Eigenbetrieb Wasser und Abwasser. Dazu gehören nach ihrer Aussage nur die Zähler in den Technikgebäuden. „Die Unterverteilung können wir nicht veranlagen“, ergänzt Steueramt-Abteilungsleiter Christoph Gebbert. Neben den umstrittenen Wasserbeauftragten stellte er in der Sitzung zwei Lösungsvorschläge vor, die allerdings bei den Bürgern auf wenig Gegenliebe stoßen. Einerseits können sie eine Hausverwaltung beauftragen. Die Kosten dafür müssen die Nachbarn selber tragen.

Außerdem ist der Antrag auf einen gesonderten Wasseranschluss möglich. Dafür kann aber schnell ein Betrag von über 4000 Euro zusammenkommen. „Wir verstehen nicht, warum wir die Leidtragenden sein sollen, obwohl wir für die Ursache überhaupt nicht verantwortlich sind“, sagt Anwohnerin Katja Hombrecher. Die WSW hätten den Bewohnern versichert, dass sich bei der Abrechnung auch nach der Übernahme durch die Stadt nichts ändere. „Es geht hier um 80 Parteien, da ist eine Einigung untereinander schwierig“, sagt Katja Hombrecher. Nicht alle Bewohner seien mit der Beauftragung einer Hausverwaltung und den entsprechenden Mehrkosten einverstanden. Derweil läuft allen Beteiligten die Zeit davon.

„Das Problem wird immer größer“, sagt Christoph Gebbert. Von den Mitgliedern der BV bekommen die Bürger volle Rückendeckung. „Es muss doch technisch möglich sein, die Zwischenzähler so auszurüsten, dass sie den offiziellen Anforderungen genügen“, sagt etwa CDU-Fraktionssprecher Moritz Iseke. Christina Nickel sieht aber keinen Spielraum und verweist auf die Satzung. „Dann muss die Satzung eben geändert werden“, sagt Andreas Schäfer von der SPD-Fraktion.

In einem gemeinsamen Antrag fordert die BV die Stadt jetzt dazu auf, eine Lösung zu finden, die die Bürger nicht zusätzlich belastet. „Die Verwaltung ist hier in der Verantwortung“, sagt SPD-Fraktionssprecher Georg Brodmann. Bis das Problem geklärt ist, dürfte es noch etwas dauern. Nur eins steht fest: „Niemand von uns möchte Wasserbeauftragter sein“, so Katja Hombrecher.