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Weihnachtlicher Hochbetrieb im Zollamt

Weihnachtlicher Hochbetrieb im Zollamt

An der Bahnstraße landen derzeit mehr Pakete als sonst. Viele bestellen Geschenke auch im Ausland.

Vohwinkel. Natascha Lampe hält den Sportschuh mit den typischen weißen Streifen in die Höhe. „Schnuppern Sie mal“, sagt die Beamtin des Wuppertaler Zollamtes mit Sitz in Vohwinkel. Ein beißender Geruch aus Kleber und billigem Kunststoff steigt in die Nase. Schon daran lässt sich die zweifelhafte Herkunft des vermeintlichen Edeltreters erkennen. Dazu kommt, dass auf dem Schuh vier statt drei Streifen prangen. Doch verzählt hat sich der Produzent aus Fernost eher nicht.

„Wahrscheinlich sollte damit der Markenschutz umgangen werden“, sagt Natascha Lampe. Der plumpe Versuch geht ins Leere. Schließlich kennt auch die heimische Industrie die Tricks der zwielichtigen Händler. In diesem Fall hat sich der Hersteller sowohl zwei als auch vier Streifen schützen lassen. Für den Käufer ist das doppelt unangenehm. Die von ihm erwartete Ware wird als Fälschung eingezogen und wahrscheinlich vernichtet. Dazu kommen möglicherweise zivilrechtliche Ansprüche — die teuer werden können. „In einem Fall waren das bei einem gefälschten T-Shirt mehr als 1000 Euro“, sagt Michael Walk, Sprecher des Hauptzollamtes Düsseldorf. Von solchen Konsequenzen lassen sich die wenigsten Schnäppchenjäger abhalten.

Gerade in der Vorweihnachtszeit wird im Internet bestellt, bis die Maustaste glüht. Woher die Ware stammt und warum sie nur den Bruchteil des eigentlichen Preises kostet, kümmert die wenigsten Käufer. Meist lautet die Devise: Hauptsache billig. „Die Leute machen sich keine Gedanken“, sagt Brigitte Strenger-Frind, Leiterin des Wuppertaler Zollamtes an der Bahnstraße.

Dort herrscht seit November Hochbetrieb. Im Vergleich zu den Vormonaten wird mit 100 Päckchen und Paketen die doppelte Menge angeliefert. Sie kommen aus dem Internationalen Postzentrum in Frankfurt. Dort werden die Sendungen aus Drittländern gefiltert, die nicht zur Europäischen Union gehören. Alles, was den Frankfurter Beamten nicht plausibel erscheint, wird aussortiert und an die Binnenzollämter weitergeleitet. Dort müssen die Empfänger ihre Pakete abholen und im Beisein der Beamten öffnen.

Das Zollamt in Wuppertal ist auch für Solingen, Remscheid und Niederberg zuständig. Da kommt einiges zusammen. „Im Moment steht unser Telefon kaum still“, sagt Brigitte Strenger-Frind. Sie kennt die Gespräche mit den meist ungehaltenen Käufern der Waren. Viele können nicht nachvollziehen, dass sie ihre Sendungen nicht nach Hause geliefert bekommen und den Weg nach Vohwinkel antreten müssen. „Dabei ließe sich das vermeiden, wenn die Käufer darauf achten würden, woher die Produkte stammen“, sagt die Leiterin des Zollamtes. Besonders bei Waren aus China sei Vorsicht geboten. „Da müssen alle Warnlichter angehen“, betont Strenger-Frind.

Wer für zehn Euro einen edlen Designerschuh bestellt, der im Handel mehr als 1000 Euro kostet, könne nicht von Schnäppchenglück ausgehen. Neben Fälschungen zieht das Zollamt auch Medikamente, technische Geräte mit Sicherheitsmängeln und tierische Lebensmittel aus dem Verkehr. Bei letzteren kann es unappetitlich werden. „Wir hatten schon Fisch, in dem es vor Maden gewimmelt hat“, berichtet Zollbeamtin Marina Unger.

Doch auch wer genehmigte Waren aus Drittländern bestellt, muss einiges beachten. Nur bei einem Wert bis 22 Euro werden keine Abgaben erhoben. Darüber müssen 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer bezahlt werden. Ab 150 Euro richten sich die Abgaben nach dem Zolltarif. Der hat es etwa bei Tabakwaren in sich und schlägt mit 80 Prozent zu Buche. So können die günstigen Zigaretten schnell teuer werden. „Wir empfehlen den Leuten immer wieder, sich vorher zu informieren“, sagt Brigitte Strenger-Frind. Das ist im Netz möglich.

www.zoll.de