Diskussion nach Unfall: Tödlicher Unfall entfacht Diskussion um Tempo 30

Diskussion nach Unfall : Tödlicher Unfall entfacht Diskussion um Tempo 30

SPD und Grüne wollen den Verkehr auf der Vohwinkeler Straße entschleunigen.

. Für die Menschen im Stadtteil war es ein Schock. Am Montagvormittag wurde eine ältere Dame auf der Vohwinkeler Straße in Höhe der Schwebebahnendhaltestelle von einem Lkw angefahren. Die Frau, die zu Fuß auf der Fahrbahn unterwegs war, erlitt dabei schwerste Verletzungen und verstarb noch an der Unfallstelle. Der Vorfall wird unter anderem in den Sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Dabei geht es auch um einen gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen in 2017. Dieser fordert eine Tempo-30-Zone auf der Vohwinkeler Straße zwischen Kaiserplatz und Rubensstraße. Der Vorschlag wird derzeit von der Verwaltung auf seine Realisierbarkeit geprüft.

Ob der schwere Unfall vom Montag durch ein entsprechendes Tempolimit hätte verhindert werden können, ist allerdings offen. Nach wie vor ist der genaue Sachverhalt laut Polizei nicht geklärt. „Daher wollen wir auf keinen Fall einen kausalen Zusammenhang zu unserem Antrag herstellen“, betont Bezirksbürgermeister Heiner Fragemann (SPD). Er bezeichnet den Unfall als „furchtbare Tragödie“ und spricht den Angehörigen sein Beileid aus. An ihrem Antrag halten die Vohwinkeler Sozialdemokraten aber fest. Dabei soll die Verwaltung aufzeigen, wie eine Tempo-30-Strecke mit unterstützenden Maßnahmen zwischen Rubensstraße und Kaiserstraße eingerichtet werden kann. Außerdem soll geprüft werden, welche positiven Auswirkungen sich dadurch hinsichtlich Verkehrssicherheit, Lärmbelastung und Einkaufsatmosphäre ergeben.

SPD sieht Gefahrenpotenzial durch Kaufpark-Ansiedlung

„Der fließende Verkehr und die Belange der Fußgänger und Fahrradfahrer befinden sich hier in einem gefährlichen Nebeneinander“, heißt es in dem Antrag. Allein an der Ecke Rubensstraße sei das Überqueren der Fahrbahn etwa durch zahlreiche Linksabbieger aus der Vohwinkeler Straße riskant. Heiner Fragemann verweist auf die zahlreichen Fußgänger in dem insgesamt knapp 200 Meter langen Teilstück. Auch die Grünen wünschen sich hier eine Verbesserung der Verkehrssicherheit. „Unabhängig von diesem sehr tragischen Unfall gibt es immer wieder Fahrzeuge, die viel zu schnell unterwegs sind, wodurch brenzlige Situationen entstehen“, sagt Sprecher Gerhard Schäfer. Außer einer Tempo-30-Zone wäre seiner Meinung nach etwa eine farbliche Markierung der Fußgängerüberwege sinnvoll.

Der Antrag sieht außerdem die Möglichkeit von Brems- oder Fahrbahnschwellen vor. Nach Ansicht der Fraktionen von SPD und Grünen werde sich die Gefahrensituation durch die künftige Kaufland-Ansiedlung und die damit verbundene Zunahme des Verkehrsaufkommens verschärfen. Der Vorschlag ist in der Bezirksvertretung allerdings nicht unumstritten. „Wir haben auf diesem relativ kurzen Stück bereits zwei Fußgängerampeln und einen Fußgängerüberweg“, sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister Steffen Hombrecher (CDU). Das sei ausreichend. Hombrecher bezweifelt außerdem, dass die von SPD und Grünen geforderten Maßnahmen auf einer Bundesstraße überhaupt durchführbar seien. „Wir wissen im Moment nicht, was genau zu diesem schlimmen Unfall geführt hat“, betont der Politiker. Bezüglich einer Tempo-30-Zone sei die Politik aus seiner Sicht nicht gefordert. Laut Stadt ist die Umsetzung einer solchen Maßnahme auf einer Bundesstraße tatsächlich schwierig. Dies sei nur zulässig, wenn sie der Sicherheit oder der Ordnung des Verkehrs aus immissionsschutzrechtlichen Gründen diene. Dazu gebe es nur selten Ausnahmeregelungen.

Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es entsprechende Bemühungen seitens der Politik. Damals sollte es sogar grundsätzlichen Vorrang für Fußgänger geben und Durchgangsverkehr vermieden werden. Seitdem wurde das Thema mit wechselnden Befürwortern und Gegnern durchgespielt – bisher ohne Erfolg.

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