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Finanzbildung steht auf dem Stundenplan

Pina-Bausch-Gesamtschule : Finanzbildung steht auf dem Stundenplan

Die Zwölftklässler der Pina-Bausch-Gesamtschule lernen, wie man eine Steuererklärung macht und wie Aktien funktionieren.

Es sind in der Regel nicht gerade die Interessensgebiete, die bei jungen Menschen ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen. Die Beschäftigung mit Bilanzen, Wertpapieren, Aktienfonds oder Zinssätzen scheint auf den ersten Blick wenig verlockend. Doch Fachwissen rund um das liebe Geld kann sich auch für Jugendliche im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen.

Oft kommt das Thema im regulären Unterricht zu kurz. Die Pina-Bausch Gesamtschule Vohwinkel möchte das ändern und hat gerade einen entsprechenden Projektkurs zur Finanzbildung eingerichtet. Dabei lernen die beteiligten Schüler, dass die vermeintlich trockene Materie durchaus spannend sein kann.

„Es kommt auf die Vermittlung an“, erklärt Kursleiterin Yvonne Mahnert. Sie setzt unter anderem auf einen praktischen Ansatz, bei dem die Jugendlichen etwa lernen, ein Finanzjournal zu führen. „Dadurch bekommen sie ein Gefühl dafür, wofür sie alles Geld ausgeben und wo es Einsparpotential gib“, so die Lehrerin. Außerdem geht es im Kurs um die Wahl des richtigen Girokontos, den Unterschied zwischen Tages- und Festgeldkonten, um wichtige Versicherungen, das Ausfüllen einer Steuererklärung sowie Aktien und Börse. „Handyverträge sind natürlich auch ein Thema“, sagt Yvonne Mahnert.

Besonders bei jungen Menschen bestehe die Gefahr, dass sie auf diese Weise in die Schuldenfalle geraten. Andererseits lasse sich durch kluges Wirtschaften langfristig mancher Herzenswunsch erfüllen. „Ein Schüler hat mir erzählt, dass er sich als Spar-Ziel irgendwann einmal einen Ford-Mustang leisten können möchte“, berichtet Mahnert.

Doch es sind nicht nur solch große Lebensträume, die für die Kursteilnehmer den Reiz des Kurses ausmachen. „Finanzen spielen im Leben überhaupt eine wichtige Rolle, aber in der Schule lernen wir sonst so gut wie nichts darüber“, sagt Schüler Henry Krell. Er findet das schade und sieht im Kurs die Chance, einen umfassenden Einblick in das Thema zu bekommen. „Mich interessiert etwa, was man steuerlich bei einer Selbstständigkeit beachten muss oder welche Anlagemöglichkeiten sinnvoll sind“, sagt der 17-Jährige.

Seine gleichaltrige Mitschülerin Jana Mateja sieht ebenfalls Nachholbedarf bei der Finanzausbildung von jungen Menschen. „Mich hat zum Beispiel überrascht, wie groß die Unterschiede bei den Bankgebühren sind“, berichtet sie. Für Yvonne Mahnert ist es grundsätzlich wichtig, junge Mädchen mit dem Thema zu erreichen. „Gerade Frauen geraten durch ihre Rolle als Mutter viel zu oft in eine finanzielle Abhängigkeit“, kritisiert die Lehrerin. Zudem stecke die Beschäftigung mit Geld immer noch als „Männerthema“ in den Köpfen. „Das führt letztlich dazu, dass wir nach dem heutigen Stand sagen können, dass Altersarmut leider ein weibliches Phänomen ist“, erklärt Yvonne Mahnert. Hier gelte es, frühzeitig gegenzusteuern.