Fahrradtraining für Flüchtlinge

Eine Stunde lang erklärt Polizeibeamter Ralf Wentland die Regeln im Straßenverkehr.

Vohwinkel. Flüchtlingshilfe mal anders: Startbereit und gespannt sitzt die Gruppe vor dem Übergangsheim an der Edith-Stein Straße auf ihren Rädern. „Please follow me — bitte folgen“, ruft Polizeibeamter Ralf Wentland und radelt vom Hof. Die jungen Männer aus der Einrichtung treten schwungvoll in die Pedale und fahren sichtlich gut gelaunt in Richtung Kaiserstraße.

Rund eine Stunde geht es für sie quer durch den Stadtteil. Dabei stehen unter anderem das Üben von Vorfahrtsregeln und die Erläuterung aller wichtigen Verkehrsschilder auf dem Programm. Das Sicherheitstraining wurde von der Flüchtlingshilfe Wuppertal-West zusammen mit der Polizei organisiert. „Wir möchten Flüchtlinge mobil machen und sie außerdem für Vohwinkel interessieren“, erklärt Gerhard Schäfer vom Verein. Zudem sei es wichtig, den Menschen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben.

Im Vorfeld wurden über 50 gebrauchte Räder von Privatpersonen gespendet. Diese mussten zum Teil überarbeitet werden, was die Bewohner des Übergangsheims unter fachgerechter Anleitung selbst übernahmen. Jetzt können sie die Fahrräder dauerhaft nutzen. Bei den Flüchtlingen kommt das besondere Projekt gut an. „In meiner Heimat hatte ich ein Mountainbike und bin damit durch die Berge gefahren“, erzählt der 30-jährige Omar aus Syrien. Er schätzt auch die Herausforderung der vielen Steigungen in Wuppertal. Mit seinem neuen Zweirad war der junge Syrer auch bereits auf der Nordbahntrasse unterwegs. Für ihn ist das Radfahren eine Möglichkeit, die eigenen Sorgen zu vergessen. Das ungewisse Schicksal seiner Familie lässt ihn oft nachts nicht schlafen.

Auch die anderen Bewohner der Einrichtung schätzen die Abwechslung. Der 25-jährige Alaa bewies etwa bei der technischen Überarbeitung ein geschicktes Händchen. „Das sind gute Fahrräder“, findet er. Für Ralf Wentland von der Verkehrsberatung der Polizei war es wichtig diese Begeisterung zu fördern und gleichzeitig den Sicherheitsaspekt nicht aus den Augen zu verlieren. „Beim Verkehr gibt es in jedem Land Besonderheiten und wir möchten mit diesem Training dazu beitragen, dass die Teilnehmer auf den Wuppertaler Straßen sicher unterwegs sind“, erklärt Wentland.

Sein Fazit nach der gemeinsamen Ausfahrt fiel äußerst positiv aus: „Das hat super geklappt.“ Die Flüchtlingshilfe Wuppertal-West möchte das Fahrrad-Projekt auf andere Übergangsheime ausweiten. Nach wie vor unterstützt sie Flüchtlinge auch in vielen anderen Bereichen.