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Stellwerk Vohwinkel: Fahrdienstleiter im Stellwerk: „Einen Zug kann man anhalten, ein Flugzeug nicht“

Stellwerk Vohwinkel : Fahrdienstleiter im Stellwerk: „Einen Zug kann man anhalten, ein Flugzeug nicht“

Marko Schüler ist Fahrdienstleiter im Stellwerk Vohwinkel. Er ist dafür verantwortlich, dass die Bahnen auf den richtigen Gleisen fahren.

Vohwinkel. Die Süßigkeiten stehen in Griffweite. Marko Schüler helfen sie bei der Stressbewältigung. Der Fahrdienstleiter im Stellwerk am Vohwinkeler Bahnhof braucht starke Nerven. Auf der großen elektronischen Anzeigetafel vor ihm wird der gesamte Zugverkehr von Wuppertal und Umgebung dargestellt. Gelbe, grüne und rote Verbindungen blinken auf. Gelb steht für eine freie Strecke, mit Rot wird eine Belegung symbolisiert. Rund 11 000 Züge sind pro Tag im Einzugsbereich des Vohwinkeler Stellwerks unterwegs. Das bedeutet volle Konzentration für Marko Schüler und seinen Kollegen Christian Onk-Martmann. Sie sorgen hoch über den Bahngleisen dafür, dass die Züge dorthin fahren, wohin sie laut Fahrplan sollen — und das möglichst pünktlich.

„Gerade wenn wir viele Baustellen haben, kann es anstrengend werden“, sagt Onk-Martmann. Die Fahrdienstleiter tragen ähnlich wie Fluglotsen viel Verantwortung. Immerhin: „Einen Zug kann man anhalten, ein Flugzeug nicht“, sagt Marko Schüler. Sein Blick weicht währenddessen nicht von der Anzeigentafel. Alle paar Minuten muss er die richtigen Knöpfe drücken. Künftig werden es Mausklicks sein. Rund 400 Meter Luftlinie entfernt wird an der Bahnstraße gerade das neue elektronische Stellwerk Wuppertal eingerichtet. Es steuert künftig den kompletten Zugverkehr und ersetzt die alten signaltechnischen Anlagen mit den Stellwerken in Gruiten, Wuppertal Hauptbahnhof und Vohwinkel.

Von außen wirkt der Modulbau denkbar unspektakulär. Im Inneren befinden sich mit modernster Technik vollgestopfte Schränke. Das Herz der Anlage besteht aus einem Kernsystem mit zwei-mal-drei Servern. „Ein System ist aktiv und eins läuft für Ausfälle im Standby mit“, erklärt Bauleiter Heinz Metzger. Er und sein Team haben in den kommenden Wochen besonders viel zu tun. „Wir können froh sein, wenn wir an Ostern zu Hause sind“, sagt Metzger.

Nebenan befindet sich der Bedienraum des neuen Stellwerks. Statt der alten Relaistechnik gibt es digitale Hochleistungsprozessoren, Computermonitore ersetzen die analoge Anzeigetafel. „Mit der modernen Technik haben wir viel mehr Möglichkeiten“, sagt Marko Schüler. Das soll auch den Fahrgästen zugutekommen und helfen, Verspätungen zu vermeiden. Doch vorerst geht durch die Arbeiten am neuen Stellwerk auf der 14 Kilometer langen Strecke zwischen Gruiten und Unterbarmen erst einmal nichts mehr.

Ab morgen um 22 Uhr greift die zweiwöchige Bahnsperrung. Die hat wie berichtet schon für jede Menge Ärger gesorgt. Laut Bahn gibt es dazu allerdings keine Alternative. „Wir können das aus technischen Gründen nicht schrittweise machen“, sagt Roger Enkel, Bezirksleiter für den Betrieb im Wuppertaler Raum. Er verweist auf den enormen Aufwand. Jedes Kabel, jedes Signal und jede Weiche müsse an das neue Stellwerk angeschlossen werden. Die Arbeiten laufen daher unter extremen Zeitdruck.

Insgesamt werden bis zur Inbetriebnahme Ende August 387 Signale aufgestellt, 98 Weichen angeschlossen und 374 000 Meter Kabel verlegt. Knapp 200 neue Fundamente und Maste für die Signale wurden bereits erstellt. Die Deutsche Bahn investiert mehr als 32 Millionen Euro in die Modernisierung. Auch in den Sommerferien steht während der nächsten Bahnsperrung noch ein großes Arbeitspensum auf dem Programm. Dann werden die alten Kabel für die Umrüstung gekappt. Auch wenn künftig die digitale Technik dominiert, bleibt vieles noch mechanisch. In den Übergangswochen während der Sperrung müssen die Weichen etwa teilweise sogar per Hand gekurbelt werden. Wenn sie blockiert sind, helfen auch keine Prozessoren mehr. Das kann unter anderem durch eine achtlos weggeworfene Coladose passieren. „Hatten wir alles schon“, berichtet Roger Enkel. Dann muss ein Mitarbeiter vor Ort die Störung beseitigen.

Unklar ist derzeit, was nach dem Abschluss der Baumaßnahmen mit dem über 50 Jahre alten Stellwerk in Vohwinkel passieren soll. „Möglicherweise werden hier Schulungsräume eingerichtet“, sagt Roger Enkel. Bahnfans aus dem Stadtteil setzen sich schon länger für einen Erhalt des Stellwerks ein. Die seltenen Führungen durch das Gebäude waren in den letzten Jahren immer Publikumsmagneten.